Wirtschaft

Wohlstand statt Atomwaffen Kim lässt sich von Trump nicht verführen

RTX6OT37.jpg

Trump und Kim begrüßten sich beim Gipfel in Hanoi mit Handschlag.

(Foto: REUTERS)

Aus Sicht von US-Präsident Donald Trump ist das Angebot unschlagbar: Kim Jong Un verzichtet auf seine Atombomben und ermöglicht damit rasantes Wirtschaftswachstum. Nordkoreas Diktator dürfte auf so einen Deal allerdings nicht freiwillig eingehen.

Donald Trump stellt Nordkorea eine glänzende Zukunft in Aussicht. Dafür müsste sich das Regime lediglich von seinen Atomwaffen trennen. "Der Vorsitzende Kim erkennt, vielleicht besser als jeder andere, dass sein Land ohne Nuklearwaffen eines der weltweit größten wirtschaftlichen Kraftzentren (…) werden kann", twitterte der US-Präsident vor seinem Abflug zum Gipfel in Vietnam. Milliarden-Investitionen und Wohlstand statt Atomraketen? Das Ganze hat nicht nur einen Haken, sondern eine ganze Menge.

Einer davon ist, dass der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un beides anstrebt: Er will sowohl das nukleare Arsenal behalten als auch für wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Landes sorgen. Im Zweifel dürfte sich das Regime für Atomwaffen entscheiden, schließlich sind sie die Lebensversicherung der Diktatur.

Nasa_01.JPG

China und Südkorea sind deutlich zu sehen, Nordkorea nicht.

(Foto: NASA)

Dabei hat Nordkoreas Wirtschaft durchaus erhebliches Wachstumspotenzial. Das liegt in erster Linie daran, dass das Land wenig entwickelt ist. Wie arm und unterentwickelt Nordkorea ist, zeigt eine Aufnahme, die vor fünf Jahren von der Internationalen Raumstation gemacht wurde, als sie bei Nacht über Ostasien flog. Auf dem Bild ist die koreanische Halbinsel zu sehen, Südkoreas Hauptstadt Seoul ragt hell erleuchtet heraus. Auch der Rest des Landes ist deutlich zu erkennen. Dagegen ist Nordkorea fast absolut dunkel und wirkt wie eine große Wasserfläche zwischen Gelbem und Japanischem Meer.

"Wegen der Lage, seiner Einwohner und [Kim] hat das Land mehr Potenzial für schnelles Wachstum als jede andere Nation", twitterte Trump. Abgesehen davon, ob der Superlativ zutreffend ist: In Nordkorea gibt es billige Arbeitskräfte und reiche Vorkommen von Rohstoffen wie beispielsweise Zink, Seltenen Erden, Kohle und Eisenerz. Außerdem liegt das Land in Nachbarschaft zu China, Südkorea, Japan und Russland - auch das bietet durchaus Wachstumschancen.

Kim braucht Geld

Die wichtigste Ressource von Kim bleibt allerdings die Kontrolle über Nordkorea. Das einzige, worauf er noch weniger verzichten kann als auf Atomraketen, ist sein Polizeistaat - ein totalitäres System, das die Einwohner indoktriniert und in dem laut Amnesty International Millionen hungern und rund 200.000 Menschen in Lagern sitzen. Dort sind der UN zufolge Folter, Vergewaltigungen und Exekutionen an der Tagesordnung.

Je weiter Kim sein Land öffnet, umso mehr kann diese Kontrolle allerdings erodieren. Deshalb sieht es derzeit danach aus, dass der Diktator hier äußerst behutsam vorgehen wird.

Das ändert aber nichts daran, dass Kim sein Land wirtschaftlich voranbringen will. Er hat Infrastrukturprojekte angestoßen, in Nordkorea gibt es mittlerweile durchaus marktwirtschaftliche Nischen. Doch das bettelarme Land ist dringend auf ausländisches Geld angewiesen.

Der "Financial Times" zufolge hat das Regime auf nordkoreanischen und chinesischen Regierungs-Websites bereits Finanzierungsanfragen veröffentlicht - im Volumen von zwei Milliarden Dollar. Die Nordkoreaner stellen eine ordentliche Rendite in Aussicht. Pjönjang will etwa 323 Millionen Dollar, um die Stadt Wonsan mit der Touristenregion Kumgang per Schnellzug zu verbinden, und bietet dafür 7,3 Prozent Zinsen.

Kommt Trump Kim entgegen?

Mit Joint Ventures wären solche Projekte wesentlich einfacher zu stemmen, doch die sind angesichts der internationalen Sanktionen verboten. Das Ziel Kims dürfte deshalb sein, dass die Sanktionen gelockert werden, um diese Gemeinschaftsprojekte etwa mit Chinesen und Südkoreanern zu ermöglichen.

Damit soll nicht etwa die Öffnung des totalitär regierten Landes vorbereitet, sondern lediglich spezielle Projekte verwirklicht werden. Joint Ventures sollen die Infrastruktur modernisieren und Fabriken in Sonderwirtschaftszonen betreiben, die vom Rest des Landes abgeschottet sind. Mit anderen Worten: Kim bietet Grundstücke und billige Arbeitskräfte - und bekommt dafür Fabriken, Technologie und Geld.

Es ist trotzdem durchaus möglich, dass Trump Kim entgegenkommt und die Sanktionen auch ohne eine komplette Denuklearisierung gelockert werden. Schließlich will der US-Präsident seinen Nordkorea-Kurs als Erfolg verkaufen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema