Wirtschaft

Stromerzeugung steigt 13 Prozent Kohle ist in Deutschland wieder auf dem Vormarsch

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Weil russisches Gas fehlt, steigt der Anteil der Kohle am Strommix.

(Foto: dpa)

Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine wird in Deutschland wieder mehr Kohle verstromt. Der Anteil an der gesamten Strommenge steigt um 13 Prozent. Der Anteil von Erdgas steigt ebenfalls. Doch auch die erneuerbaren Energien legen zu.

Deutschland setzt bei der Stromproduktion weiterhin vor allem auf Kohle. Im dritten Quartal 2022 stammte mehr als ein Drittel (36,3 Prozent) der gesamten Strommenge aus dem fossilen Brennstoff, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe die Menge an Kohlestrom um 13,3 Prozent zugenommen. Im dritten Quartal 2021 hatte Kohle noch einen Anteil von 31,9 Prozent. Insgesamt wurden im Sommer 2022 in Deutschland 118,1 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist - also 0,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Auch Erdgas wurde demnach trotz hoher Gaspreise mehr für die Stromerzeugung eingesetzt als ein Jahr zuvor: Hier erhöhte sich der Anteil um 4,5 Prozent auf 9,2 Prozent des eingespeisten Stroms. Damit wurde erstmals seit dem Frühjahr 2021 wieder mehr Strom aus Erdgas erzeugt als im jeweiligen Vorjahreszeitraum. Wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine versucht Deutschland sich von den enormen Energielieferungen aus Russland unabhängiger zu machen. Dies fällt vor allem bei Gas schwer. Deshalb setzt die Ampelkoalition wieder stärker auf Kohle und Atomstrom.

Trotz der Anstiege bei Kohle und Erdgas ging die aus konventionellen Energieträgern insgesamt erzeugte Strommenge jedoch im Zeitraum Juli bis einschließlich September 2022 zurück. Sie verringerte sich zum Vorjahresquartal um 3,0 Prozent auf 55,6 Prozent der eingespeisten Strommenge. Das Bundesamt erklärte dies damit, dass nur noch gut halb so viel Atomstrom erzeugt wurde wie ein Jahr zuvor. Wegen des beschlossenen Atomausstiegs waren zum Jahresende 2021 drei von sechs bis dahin noch laufenden Atomkraftwerken in Deutschland vom Netz genommen worden.

Viel Solarstrom dank vieler Sonnenstunden

Erneuerbare Energien wie Windkraft, Photovoltaik und Biogas steuerten nach Angaben der Statistiker im dritten Quartal 44,4 Prozent zur heimischen Stromerzeugung bei. Ein Jahr zuvor war der Anteil mit 43 Prozent noch etwas geringer. Außergewöhnlich viele Sonnenstunden sorgten im laufenden Jahr für einen starken Anstieg bei Strom aus Photovoltaik-Anlagen, wie das Bundesamt erklärte.

Die Wirtschaft hat wegen der Energiekrise wiederholt an die Bundesregierung appelliert, alle verfügbaren Ressourcen zur Stromerzeugung zu nutzen. Eine Expertengruppe um den Präsidenten des Münchner IFO-Instituts, Clemens Fuest, schlägt vor, so viele Quellen wie möglich für die Stromversorgung zu nutzen. "Der Ausbau erneuerbarer Energien ist massiv zu beschleunigen, ebenso wie der Bau von Gaskraftwerken, die später Wasserstoff verbrennen können", hieß es in einem Papier.

"Kernkraftwerke sollten erst dann abgeschaltet werden, wenn andere Kraftwerke zur Verfügung stehen, die kein CO2 ausstoßen", schreiben etwa Fuest, sein Vorgänger Hans-Werner Sinn, die Unternehmer Christoph Theis und Roland Berger. Sie forderten zudem den Ausbau der heimischen Gasförderung und schnellere Planungsverfahren für erneuerbare Energien.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/rts

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