Wirtschaft

Panik am Aktienmarkt Kursrückgang bietet Chancen für Anleger

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Mit dem Dow sind auch die weltweiten Aktienmärkte kräftig abgestürzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Börsen zeigen sich ausgesprochen turbulent. Heftige Verluste lehren Anleger das Fürchten. Doch ausgerechnet jetzt lohnt sich der der Einstig.

Noch vor wenigen Wochen war der US-Leitindex Dow Jones dabei, den nächsten Meilenstein bei 27.000 Punkten zu erklimmen. Doch all der Börsenschwung ist seit der zweiten Monatshälfte des gefürchteten Crashmonats Oktober verflogen, als mit dem Dow auch die weltweiten Aktienmärkte kräftig abstürzten. Kaum ein bedeutender Aktienindex liegt im Plus für dieses Jahr. Der deutsche Dax gehört international zu den schwächeren Indizes und notiert auf Jahressicht mehr als zehn Prozent im Minus.

Während vor gar nicht langer Zeit angesichts der Rekordstände des Dow Jones große Euphorie herrschte und Anleger von immer neuen neuen Rekorden träumten, ist die Stimmung nun eine ganz andere. Der Index steht bei rund 25.0000 Punkten - und es ist sogar stellenweise regelrechte Panik zu spüren, wie der "Fear & Greed-Index" vom Nachrichtensender CNN zeigt. Er besteht aus mehreren Komponenten, wie etwa der Schwankungsbreite oder dem Zinsaufschlag für Ramschanleihen, die alle die Nervosität am Markt messen. Der Index befindet sich derzeit nur bei 9 von 100 möglichen Punkten und signalisiert damit "extreme Angst" unter den Anlegern.

Der Kurssturz kommt nicht grundlos, wie Jochen Stanzl, Chefstratege beim englischen Broker CMC Markets, im Gespräch mit n-tv.de beim Blick auf die nun laufende Bilanzsaison der US-Unternehmen erläutert: "Von den S&P 500-Unternehmen, die bisher über ihr abgelaufenes Quartal berichteten, haben zwar rund 80 Prozent die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen. Das ist deutlich mehr als im Schnitt der vergangenen Jahre. Allerdings haben sich nun die Ausblicke zahlreicher Unternehmen eingetrübt, vor allem wegen des Handelsstreits mit China. Und das belastet die Aktienmärkte." Hinzu kommen noch weltweit schwächelnde Konjunkturdaten und zahlreiche Gewinnwarnungen internationaler Unternehmen.

Negativbeispiel Deutsche Bank

Deutsche Bank
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Wie groß die Panik vieler Investoren ist, spiegelt unter den Einzelaktien keine besser wider als jene der Deutschen Bank. Sie ist seit Jahresanfang um mehr als 40 Prozent eingebrochen und notiert in der Nähe des Rekordtiefs. Investoren befürchten, dass bei einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft die Anzahl der notleidenden Kredite in der sehr konjunkturabhängigen Branche deutlich steigen könnte. Gleichzeitig nehmen vor dem Hintergrund des Schuldenstreits zwischen der EU und Italien die Sorgen um den dortigen Bankensektor zu. Der Grund: Ein Großteil der Aktiva der italienischen Banken bestehen aus Staatsanleihen der eigenen Regierung. Der Konflikt mit der EU um den Haushalt treibt die Renditen der italienischen Anleihen nach oben - und das bedeutet, dass die Kapitalpolster von Italiens Banken kleiner werden. Sollten die Geldinstitute in Schwierigkeiten geraten, würde das der gesamte europäische Bankensektor zu spüren bekommen.

Genau diese Gefahren spiegeln sich allerdings größtenteils im Kurssturz wider. Das aktuelle Niveau der Panikindikatoren bietet deshalb Chancen, die nur selten im Jahr zu sehen sind. Als der Fear & Greed-Index im Januar 2016 auf ähnlich niedrige Niveaus gesunken war wie derzeit, kam es in den darauffolgenden Monaten zu einem kräftigen Anstieg beim S&P 500. Das gleiche Signal sendet derzeit auch das Investorsentiment der American Association of Individual Investors (AAII). In der vergangenen Woche ist der Anteil der befragten Privatanleger, die sinkende Kurse erwarten, um sechs Prozentpunkte auf 41 Prozent nach oben geschossen. Der Wert liegt deutlich über dem langfristigen Schnitt von rund 30 Prozent.

Dax-Rückgang ist weit fortgeschritten

Wie tief die Korrektur beim Dax inzwischen gegangen ist, zeigt folgender Panikindikator: Der Anteil der Dax-Aktien, die über ihrem 100-Tage-Durchschnitt liegen. Der Wert ist zuletzt auf nur mehr rund zehn Prozent eingebrochen und notiert damit in der Nähe des niedrigsten Niveaus der vergangenen Jahre. Das zeigt, wie weit die Korrektur bei zahlreichen Titeln bereits fortgeschritten ist.

Der aktuelle Kursrückgang ist aber nicht nur für aktive Anleger interessant, die einen günstigen Einstiegszeitpunkt suchen, sondern auch für langfristige Anleger, die etwa mit einem Sparplan fürs Alter vorsorgen. Zwar sinkt der Wert des Ersparten, doch Kursrücksetzer haben für diese Investments auch ihr Gutes wie Heike Fürpaß-Peter, Deutschlandchefin des französischen ETF-Anbieters Lyxor, im Gespräch mit n-tv.de erklärt: "Wer langfristig mit einem monatlichen Sparplan regelmäßig in den Aktienmarkt investiert, bekommt für den konstanten monatlichen Sparbetrag mehr Anteile an dem Papier, etwa an einem Dax-ETF, also einem Fonds, der den Dax nachbildet. Bei steigenden Kursen werden weniger Anteile erworben."

Die Folge: Durch die niedrigeren Kurse sinkt der Durchschnittspreis der besparten Kapitalanlage, bei steigenden Kursen erhöht sich der Durchschnittspreis dagegen. Zwar kann niemand sagen, wann der Herbststurm an den Aktienmärkten vorbei zieht, aber Indikatoren, die Panik verbreiten, sind eher ein Weckruf zum Einstieg als zum Ausstieg.

Quelle: ntv.de

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