Wirtschaft

Bald Chefin der EZB Lagarde will Draghis Geldpolitik fortsetzen

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Auch das Thema Klimawandel steht bei Lagarde auf der Agenda.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im November soll Christina Lagarde die Führung der Europäischen Zentralbank übernehmen. Bei ihrer Rede im EU-Parlament lässt die Französin bereits durchblicken, welche Ziele sie verfolgt.

Trotz zunehmender Warnungen deutscher Banken wird die Europäischen Zentralbank (EZB) wohl auch unter ihrer künftigen Chefin Christine Lagarde die Geldschleusen für lange Zeit weit offen halten. Die 63-Jährige sprach sich im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments für eine Fortsetzung der Tiefzinspolitik von Notenbankpräsident Mario Draghi aus. "Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist auf kurze Sicht mit einigen Risiken konfrontiert", sagte Lagarde. Die Inflation im Währungsraum sei anhaltend zu niedrig und liege unter der Zielmarke. Sie stimme daher mit der EZB überein, "dass eine hochgradig konjunkturstützende Geldpolitik für eine längere Zeit gerechtfertigt ist".

Die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) soll im November an die Spitze der EZB rücken und die Nachfolge von Draghi antreten, dessen Amtszeit nach acht Jahren endet. Die Französin ließ offen, ob sie zur Stützung der Wirtschaft auch zu drastischen geldpolitischen Mitteln bereit ist. Bereits vor Lagardes Amtsantritt steuert die EZB wegen der gestiegenen Konjunktursorgen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zu. Insidern zufolge neigen die Euro-Wächter bei ihrem Treffen am 12. September dazu, ein Maßnahmenbündel zu beschließen. Eine Senkung des Einlagensatzes begleitet von Erleichterungen für Banken sowie eine erneute Änderung des Zinsausblicks seien wahrscheinlich Teil des Pakets, hatten Insider gesagt. Auch neue Anleihenkäufe sind in der Diskussion.

Deutsche Banken warnen vor Zinssenkungen

Aus der deutschen Bankenbranche kamen warnende Stimmen. "Gesamtwirtschaftlich wird eine weitere Zinssenkung auf dem aktuellen Niveau verpuffen", sagte Deutsche-Bank-Chef Sewing bei einer Bankenveranstaltung in Frankfurt. "Sie wird lediglich die Vermögenspreise weiter in die Höhe treiben und die Sparer weiter belasten." Zentralbanken hätten kaum noch Mittel, um eine echte Wirtschaftskrise wirkungsvoll abzudämpfen. Auch von Commerzbank-Chef Martin Zielke kam Kritik: "Ich halte das auch für keine nachhaltige, verantwortungsvolle Politik." Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Larry Fink, blies ins selbe Horn: "Die negativen Zinsen schaden der großen Mehrheit der Verbraucher, weil sie ihr Geld auf Bankkonten liegen haben."

Die EZB hält ihren Leitzins bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank über Nacht überschüssige Liquidität parken. Der sogenannte Einlagensatz liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent.

Die möglichen negativen Effekte der Geldpolitik sind auch für Lagarde ein Thema. "Wir müssen ihre potenziellen Nebenwirkungen berücksichtigen und wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen", sagte sie. Sie stellte zudem in Aussicht, dass unter ihrer Führung die Notenbank ihre Entscheidungen noch besser kommunizieren werde. Auch das Thema Klimawandel sollte aus ihrer Sicht ganz oben auf der EZB-Agenda stehen. "Das primäre Mandat ist natürlich Preisstabilität. Aber es muss berücksichtigt werden, dass Klimawandel und Umweltrisiken entscheidend für die Aufgabe sind."

Quelle: n-tv.de, jpe/rts

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