Wirtschaft

"Es wird noch schlimmer" Lufthansa kämpft ums Überleben

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Die Lufthansa verliert nach Angaben ihres Chefs Spohr jede Stunde eine Million Euro.

(Foto: REUTERS)

Rund eine Million Euro verbrennt die Lufthansa jede Stunde. Das Unternehmen braucht dringend Hilfe und verhandelt mit der Bundesregierung um eine Liquiditätsspritze in Milliardenhöhe. Eine direkte Beteiligung des Staates will Konzernchef Spohr vermeiden.

Optimismus während einer weltweiten Pandemie klingt so: "Wir wissen nur, dass wir länger durchhalten als andere", sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Derzeit ringt der Konzern um zwei Dinge, die er im Überlebenskampf am dringendsten braucht: Geld und Zeit.

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Aus eigener Kraft kann sich die Lufthansa nicht retten und verhandelt deshalb mit der Bundesregierung um mögliche Staatshilfen von bis zu zehn Milliarden Euro. Eine schnelle Lösung muss her, denn die Barreserven schwinden rapide. Nach Angaben von Spohr verliert das Unternehmen jede Stunde eine Million Euro.

Die Liquidität liegt noch bei etwas mehr als vier Milliarden Euro - und dieser Puffer reicht trotz massiver Sparmaßnahmen und Kurzarbeit nicht aus. Das Unternehmen hat Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe, die Kunden wollen Geld für gestrichene Flüge zurück. Jedes Jahr werden alleine mehr als eine Milliarde Euro für Zinsen und Tilgung fällig.

Doch woher soll das Geld kommen? Wegen der Corona-Krise stehen fast alle Lufthansa-Flieger auf dem Boden, der Betrieb ist nahezu eingestellt. Es ist nicht abzusehen, dass sich das bald ändert. Selbst wenn in Zukunft wieder schrittweise mehr geflogen wird: Eine Rückkehr zur Normalität ist erst möglich, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus gibt.

Weniger Flugzeuge, weniger Jobs

Das Unternehmen komme vermutlich erst 2023 zurück ins Gleichgewicht, sagt Spohr. "Dann wird die Lufthansa ein anderes Unternehmen sein." Das bedeutet vor allem, dass die Flotte drastisch kleiner sein wird und die Belegschaft entsprechend schrumpft. Spohr rechnet mit 100 Flugzeugen weniger als bisher - damit ergebe sich ein rechnerischer Überhang von 10.000 Mitarbeitern. Zur Einordnung: Vor Ausbruch der Pandemie hatte Lufthansa 130.000 Beschäftigte und 760 Flugzeuge.

Bislang nennt Lufthansa die Zahl von 7000 Stellen, die krisenbedingt gestrichen werden sollen. Ein Opfer ist die Tochter Germanwings, deren Betrieb eingestellt und nicht wieder aufgenommen wird. Wie sich die Lufthansa von den Mitarbeitern trennen kann, wird mit den Gewerkschaften verhandelt.

Das hängt auch davon ab, in welcher Form die Bundesregierung dem Unternehmen hilft. Die Lufthansa hofft auf eine sogenannte stille Beteiligung, bei der die Bundesregierung auf normale Aktionärsrechte verzichtet. Das trifft in der Union auf Gegenliebe - sie will der Konzernführung in der Krise möglichst viel Flexibilität zugestehen. Beim Koalitionspartner SPD sieht das allerdings anders aus, sie will Staatshilfe an ein Mitspracherecht koppeln - und diesen Hebel vor allem beim Thema Beschäftigung nutzen.

Deshalb denkt das Management darüber nach, die Lufthansa in eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu schicken, um einen direkten Staatseinstieg zu vermeiden. In diesem Fall wird das Unternehmen unter die Aufsicht eines Sachwalters gestellt und das bisherige Management kann die Sanierung angehen. Laut Gewerkschaft soll Spohr intern erklärt haben, dass er das Unternehmen lieber in die Insolvenz in Form eines Schutzschirmverfahrens führe, als sich von der Politik reinreden zu lassen. Ein Konzernsprecher sagte dazu, dass der Vorstand selbstverständlich alle Optionen prüfe. Ein solches Verfahren sei eine Alternative, falls dem Konzern bei einem Staatseinstieg nicht wettbewerbsfähige Bedingungen drohten.

Derweil hat der Konzern ein unerfreuliches Quartal hinter sich. In den ersten drei Monaten erwirtschaftete das Unternehmen operativ ein Minus von 1,2 Milliarden Euro. Für das laufende Quartal erwartet Spohr, dass es noch schlimmer wird. "Wir waren als erste Branche von dieser weltweiten Krise betroffen", sagt Spohr. "Und die Luftfahrt wird die letzte sein, die sie verlassen wird."

Quelle: ntv.de, mit dpa/rts