Wirtschaft

Personalabbau in der Kabine Lufthansa lockt Ältere mit Abfindungen

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Tür zu für Ältere: Die Lufthansa will 2600 Kabinenmitarbeiter loswerden.

(Foto: imago stock&people)

Um sich für die Zukunft aufzustellen, plant die Lufthansa einen großflächigen Personalabbau. Älteres Kabinenpersonal will die Fluggesellschaft mit einer Abfindung vom freiwilligen Abschied überzeugen. Die zuständige Gewerkschaft spricht von einem "bedauerlich schmalen Paket".

Die Lufthansa will älteren Flugbegleitern den freiwilligen Abschied von der Fluggesellschaft mit einer Abfindung schmackhaft machen. Die Offerte laufe von Anfang September bis Ende Oktober und richte sich an Kabinenmitarbeiter im Alter von mindestens 55 Jahren, sagte ein Konzernsprecher und bestätigte damit einen Bericht des "Spiegel". Die Beschäftigten sollen demnach bis zum frühestmöglichen Eintritt in den regulären Ruhestand im Alter von 63 Jahren monatlich eine Art Übergangsgeld bekommen.

Das Magazin berichtet, die Mitarbeiter könnten vorzeitig in die betriebliche Altersversorgung wechseln, sie würden rund die Hälfte ihrer bisherigen Bezüge erhalten. Jüngeren Flugbegleitern will die Lufthansa eine Einmalzahlung anbieten, wenn sie das Unternehmen freiwillig verlassen. Hierüber wird dem Sprecher zufolge noch verhandelt.

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"Das ist ein bedauerlich schmales Paket", kritisierte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Es werde nicht ausreichen, um den Personalüberhang in der Kabine ohne betriebsbedingte Kündigungen abzubauen.

Die Lufthansa erwartet wegen der gesunkenen Nachfrage, dass es in naher Zukunft rechnerisch 22.000 Vollzeitstellen im Unternehmen zu viel gibt. Rund die Hälfte dieser Stellen soll in Deutschland abgebaut werden. Nach früheren Angaben gilt dies für 2600 Mitarbeiter in der Kabine.

Schlichtung tritt auf der Stelle

Gleichzeitig treten die Tarifverhandlungen zwischen der Airline und der Gewerkschaft auf der Stelle. Die beiden Schlichter Frank-Jürgen Weise und Matthias Platzeck seien zwar weiter im Gespräch, hätten sich aber noch nicht auf eine Empfehlung geeinigt, hieß es. Der von Ufo benannte Platzeck hatte jüngst gesagt, er habe sich mit Weise am 19. August weitgehend auf einen Schlichterspruch geeinigt. Dieser sei dann aber bei der Lufthansa auf Kritik gestoßen. Sollte es keine Einigung geben, könnte der Konflikt um bezahlte Freistellungen von Mitgliedern der Ufo-Tarifkommission wieder vor Gericht landen.

Das Verhältnis zwischen Lufthansa und Ufo gilt seit längerer Zeit als zerrüttet. Ende Januar haben sich beide Seiten geeinigt, den Konflikt in einem mehrstufigen Verfahren über eine "große Schlichtung" zu lösen. Im Zuge der Corona-Krise besiegelten sie zudem einen Krisentarifvertrag bis Ende 2023. Mit dem Bodenpersonal gelang dies noch nicht, mit den Piloten erzielte die Lufthansa nur eine Übergangslösung. Durch den Krisendeal mit Ufo blieb in der Schlichtung im Kern nur noch der Streit über die Freistelllungen übrig.

Quelle: ntv.de, chr/rts