Wirtschaft

Erdöl-Riese auf Deepwater-Diät BP schreibt rote Zahlen

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Dunkle Wolken hängen über dem BP-Olympiapavillon in London.

(Foto: REUTERS)

Zwei Jahre nach der Katastrophe im Golf von Mexiko leidet der britische Ölkonzern weiter unter den finanziellen Folgen: Der Konzernumbau geht zu Lasten der Produktionskapazität. Dazu kommen die unsicheren Konjunkturaussichten in Europa und den USA. Der Aktienkurs dreht ins Minus.

Der Rohstoffkonzern BP hat im zweiten Quartal wegen eines sinkenden Ölpreises und Wertberichtigungen rote Zahlen geschrieben. Im Berichtszeitraum fiel ein Verlust von 1,39 Mrd. US-Dollar (1,13 Mrd. Euro) an. Im Vorjahreszeitraum hatte BP noch einen Gewinn von 5,72 Mrd. Dollar verbuchen können.

An der Londoner Börse reagierten Anleger umgehend: Die Aktien von BP gingen angesichts des Quartalsverlusts und der milliardenschweren Abschreibungen auf Talfahrt. Die BP-Titel fielen bis zum Mittag um vier Prozent auf 426,6 Pence und waren damit Schlusslicht des Londoner Auswahlindex FTSE.

Der Gewinn sei angesichts schwacher Geschäfte in allen Segmenten deutlich hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben, schrieben die Analysten von Oriel Securities in einem Kommentar. Außerdem sei der Ausblick für das dritte Quartal nicht allzu vielversprechend.

Die bei BP im Vordergrund stehende Bilanzkennzahl zum Gewinn bei Wiederbeschaffungskosten lag bei 238 Mio. Dollar. Vor einem Jahr hatte BP hier noch einen Gewinn von 5,407 Mrd. Dollar erzielt.

BP befindet sich nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in einem umfangreichen Konzernumbau. Dazu trennt sich der Mineralölriese auch von einzelnen Unternehmensteilen. Auslöser der Katastrophe war eine Explosion auf der Bohrplattform " " im April vor zwei Jahren. Aus einem Leck am Meeresgrund waren monatelang große Mengen an Rohöl in den Golf geströmt.

BP versucht unter anderem auf dem Klageweg, einen Teil der gewaltigen Schadenssumme bei den ebenfalls beteiligten Konzerne Halliburton und Transocean einzutreiben. Die beiden Geschäftspartner von BP wehrten sich mit Gegenklagen

Der Abstoßungsprozess im Rahmen des Konzernumbaus führt bei BP mittlerweile zu einer sinkenden Produktion. Aktuell beträgt der verkaufsbedingte Rückgang rund acht Prozent. An der Ausschüttungspolitik hält BP trotz der Verluste im zweiten Quartal fest: BP-Aktionäre sollen eine Quartalsdividende von acht Cent je Aktie erhalten.

Gesamtwirtschaftliche Großwetterlage

Die europäische Schuldenkrise und eine schwache US-Konjunktur machen der gesamten Branche zu schaffen: Neben BP müssen sich auch die übrigen westlichen Ölmultis wie ExxonMobil und Shell von früheren Traumgewinnen verabschieden. Die anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung drücken Beobachtern zufolge die Preise.

Bei Shell sackte der Gewinn im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 53 Prozent auf 4,1 Mrd. Dollar ab. Der weltgrößte Ölkonzern ExxonMobil spürte zwar auch die schwächeren Preise und litt unter einer gesunkenen Produktion.

Allerdings päppelten die Texaner ihr Ergebnis mit Anteilsverkäufen auf, so dass unterm Strich ein Gewinn von 15,9 Mrd, Dollar herauskam - anderthalb Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Ohne diese Sondereinnahmen hätte auch der US-Branchenriese deutlich weniger verdient.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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23.04.09