Wirtschaft

"Ist eine Transformation" Morphosys kauft US-Krebsspezialisten

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Morphosys forscht an Krebstherapien.

(Foto: Morphosys)

Das Biotechnologieunternehmen Morphosys stellt Therapien gegen Krebs weiter in den Mittelpunkt. Dazu greift es nach einem US-Spezialisten. Den Deal lässt sich die bayerische Firma mit dem Abtreten von Lizenzgebühren bezahlen.

Das Biotechunternehmen Morphosys greift nach dem US-Krebsspezialisten Constellation Pharmaceuticals und will sich künftig noch stärker auf die Entwicklung eigener Medikamente konzentrieren. Der Kauf kann bis zu 1,7 Milliarden Dollar schwer werden. "Diese Übernahme stellt eine echte Transformation für Morphosys dar und stärkt unsere Position in der Hämatologie-Onkologie", sagte Vorstandschef Jean-Paul Kress. Morphosys bietet 34 Dollar je Constellation-Aktie in bar - ein Aufschlag von fast 68 Prozent zum Schlusskurs am Vortag.

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Morphosys 66,00

Mit dem Zukauf sichert sich Morphosys unter anderem zwei neue Krebsarzneien, die sich derzeit in der mittleren bis späten Phase der klinischen Entwicklung befinden. Zur Finanzierung des Deals vereinbarte die Firma eine umfangreiche Partnerschaft mit dem US-Pharma-Finanzunternehmen Royalty Pharma.

Für die 1992 gegründete Morphosys ist es der bisher größte Zukauf. Für den Kauf der deutschen Biotechfirma Sloning legte Morphosys 2010 rund 19 Millionen Euro auf den Tisch, für Lanthio Pharma 2015 etwa 20 Millionen. Nun finanziert Royalty Pharma die Constellation-Übernahme, wofür Morphosys aber Lizenzeinnahmen an das Finanzunternehmen abtreten muss. Kress sieht dies aber positiv: "Unser neuer Partner stellt uns mehr als zwei Milliarden Dollar zur Verfügung, damit wir die Entwicklung und Vermarktung unserer eigenen Arzneimittel vorantreiben können."

Kurssturz bei Morphosys

Mit Royalty habe Morphosys einen starken Partner erhalten, der es dem Unternehmen ermögliche, sein Wachstum zu finanzieren. Bei Morphosys-Anlegern kam der Deal schlecht an: Die Aktien fielen um bis zu 17 Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 60,30 Euro. Das ist der größte Kurssturz seit fünf Jahren.

Constellation stiegen indes um gut 67 Prozent auf 33,85 Dollar. "Der Aufschlag für die Constellation-Aktie ist sehr hoch", sagte ein Händler. Kritisch sehe er außerdem die Abtretung von Lizenzeinnahmen an Royalty. "Der Deal scheint für Royalty vorteilhafter zu sein als für Morphosys."

Nach Abschluss der Transaktion, der für das dritte Quartal erwartet wird, erhält Morphosys eine Vorauszahlung von knapp 1,43 Milliarden Dollar von Royalty. Zudem kann Morphosys über den Zeitraum von einem Jahr Entwicklungsfinanzierungsanleihen von bis zu 350 Millionen Dollar in Anspruch nehmen.

Dem deutschen Biotechunternehmen winken zudem Meilensteinzahlungen von bis zu 150 Millionen Dollar von Royalty beim Erreichen bestimmter Ziele bei der Entwicklung, Zulassung und Vermarktung von drei Medikamenten, eines davon ist eines der Krebsmittel von Constellation. Über eine voraussichtlich 100 Millionen Dollar schwere Kapitalerhöhung steigt das US-Finanzunternehmen zudem bei Morphosys ein. Beim aktuellen Kurs entspricht das einen Anteil von rund vier Prozent an Morphosys.

Unternehmen verschiebt seinen Fokus

Royalty sichert sich mit der Partnerschaft Lizenzgebühren an mehreren Medikamenten aus den Laboren der deutschen Firma. So wird das Unternehmen künftig etwa Anspruch auf alle Lizenzgebühren von Morphosys aus dem Schuppenflechtmittel Tremfya des Pharmakonzerns Johnson & Johnson erhalten, das auf Basis der Technologie von Morphosys entwickelt wurde.

Die Tremfya-Tantiemen machten zuletzt einen erheblichen Teil der Umsatzerlöse von Morphosys aus. Das Unternehmen will sich aber verstärkt auf die auf die Entwicklung eigener Arzneien gegen Krebs und Entzündungskrankheiten konzentrieren und brachte 2020 in den USA sein erstes eigenes Medikament auf den Markt.

Für Royalty ist der Deal Teil seines Geschäftsmodells: Das New Yorker Unternehmen hat sich auf die Finanzierung von Biopharma-Firmen spezialisiert und erhält dafür Lizenzgebühren an verschiedenen Medikamenten, darunter bedeutende Arzneien wie das Diabetesmittel Januvia vom US-Pharmakonzern Merck oder dem Krebsmittel Xtandi von Astellas und Pfizer.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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