Wirtschaft

Französische Banken herabgestuft Notenbankchef Noyer wiegelt ab

Die französischen Großbanken stehen wegen ihres Griechenland-Engagements m Kreuzfeuer der Finanzmärkte. Moody's senkt die Bonität von Société Générale und Crédit Agricole. BNP Paribas wird zunächst verschont. Frankreichs Notenbankchef Noyer beschwichtigt. Die Herabstufung sei eine "vergleichsweise gute Nachricht".

Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer hat die Anleger nach der herabgestuften Kreditwürdigkeit zweier Großbanken zu beruhigen versucht. Die Herabstufung der Crédit Agricole und der Société Générale durch die Ratingagentur  Moody's sei eine "vergleichsweise gute Nachricht", sagte Noyer im französischen Radiosender RTL. Schließlich sei sie "sehr begrenzt". Moody's habe nur zwei der drei großen Banken  herabgestuft und bewerte sie im Übrigen besser als andere Agenturen. Die größte französische Bank, BNP Paribas, kam um eine Abstufung einstweilen herum,

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Last stop Verstaatlichung?

(Foto: Reuters)

An der Börse ging die Achterbahnfahrt allerdings weiter: Während Crédit Agricole trotz der Herabstufung um vier Prozent zulegte, brachen die Aktienkurse der Société Générale und auch der BNP Paribas ein. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Papiere erhebliche Verluste verzeichnet. Die Herunterstufung der Frankreichs Banken kämpfen hatte sich bereits angedeutet, die Aktien hatten daraufhin deutlich an Wert eingebüßt.

Moody's hatte am Morgen erklärt, die Herabstufung von Crédit  Agricole von Aa1 auf Aa2 hänge mit möglichen Auswirkungen der griechischen Schuldenkrise zusammen; bei der Herabstufung von Société Générale von Aa2 auf Aa3 seien mögliche öffentliche  Finanzhilfen berücksichtigt worden, die die für das gesamte  Bankensystem wichtige Bank im Ernstfall voraussichtlich erhalten  werde. Die Aktienkurse der beiden Banken verloren in den vergangenen Wochen massiv an Wert, weil sie viele Staatsanleihen hochverschuldeter Euro-Staaten besitzen.

Bei BNP Paribas sieht Moody's keine Notwendigkeit zur sofortigen Senkung des Ratings. Die Bonität der Bank werde jedoch weiter auf einer Herabstufung geprüft. Sollte es dazu kommen, wird das auf "Aa2" lautende Langfrist-Rating laut Moody's höchstwahrscheinlich ebenfalls um eine Stufe gesenkt.  

BNP räumt Bilanz auf

Die Nachricht, dass BNP eine Schonfrist von Moody's gewährt bekommt, ist zunächst einmal positiv. Zumal die größte französische Bank ankündigte, die Risiken vor allem im US-Geschäft zurückfahren zu wollen. Zudem will die Bank bis zum 1. Januar 2013 eine Kapitalquote von neun Prozent erreichen. Die BNP betonte dabei außerdem erneut, dass ihr Engagement in den hoch verschuldeten Eurozonen-Staaten beherrschbar sei.

Die Experten von Moody's stimmten hier überein: Gemessen an ihrer Profitabilität und Kapitalbasis sei die Bank ausreichend auf mögliche Probleme aus ihren Investitionen in Papiere der Länder Griechenland, Irland und Portugal vorbereitet.

BNP Paribas will risikogewichtete Aktiva im Wert von 70 Mrd. Euro verkaufen, um der wachsenden Sorge von Investoren über die Finanzausstattung Rechnung zu tragen. Der Verkauf werde die Bilanz des Geldinstituts bis Ende nächsten Jahres um rund zehn Prozent kürzen, teilte das Geldinstitut mit.

Die französischen Banken stehen zurzeit im Zentrum der Euro-Sorgen, da sie nach Informationen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) über die meisten Staatsanleihen aus den hochverschuldeten Eurostaaten verfügen. Insgesamt halten sie Griechenbonds im Volumen von 56,7 Mrd. Dollar, wie BIZ-Daten belegen.

Wegen dieses starken Engagements in Griechenbonds kursieren seit Tagen Gerüchte, dass die Banken in Frankreich verstaatlicht werden müssen. 

"Banken-Verstaatlichungen Unsinn"

Notenbankchef Noyer wies diese Spekulationen über eine Verstaatlichung der Banken im Zuge der Staatsschuldenkrise im Euroraum als Unsinn zurück. Im französischen Radiosender RTL bezeichnete Noyer, der Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, zudem den Kursrutsch der Aktien französischer Banken in den vergangenen Wochen als exzessiv.

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Frankreichs Zentralbankchef Noyer: Die Banken sind für jedes Szenario gewappnet.

(Foto: REUTERS)

Er hob hervor, dass die Ratingagentur Moody's Investors Service die Ansicht geäußert habe, Frankreichs Banken seien in der Lage, mit der gegenwärtigen Staatsschuldenkrise umzugehen. Nach seinen Worten haben die Banken weder Liquiditäts- noch Solvenzprobleme und sind für jedes Griechenland-Szenario gewapnet. "Wie immer das griechische Szenario auch aussieht und welche Wertberichtigungen auch immer gebucht werden müssen, die französischen Banken haben die Mittel, um damit umzugehen", teilte er am Montag in einer als E-Mail versandten Erklärung mit.

Anfang der Woche hatte sich der französische Industrieminister Eric Besson eine Debatte über eine Verstaatlichung der Banken des Landes eingeschaltet und sie als voreilig zurückgewiesen. "Es erscheint mir als vollkommen verfrüht und derzeit nicht relevant, diese Annahme ins Leben zu rufen", sagte der Minister den Sendern RMC und BFM.

Quelle: n-tv.de, rts/AFP

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