Wirtschaft

Keine Sepa-Fristverlängerung bis zum Sommer Notenbanken kündigen Widerstand an

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EU-Rat könnte die Frist-Verschiebung kippen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Brüssel hat die Notbremse gezogen: Die Übergangsfrist bis zur endgültigen Umstellung auf Sepa soll um ein halbes Jahr verlängert werden. Die Währungshüter halten das für das falsche Signal. Die letzte Stufe der Euro-Einführung soll schneller gezündet werden.

Nachdem die EU-Kommission bei der Sepa-Umstellung auf die Bremse tritt, drücken die europäischen Notenbanken erst recht auf die Tube. Einem Zeitungsbericht zufolge sprechen sie sich vehement gegen die von der EU vorgeschlagene Verlängerung der Umstellungsfrist um sechs Monate für das neue Zahlungssystem aus. Das offizielle Umstellungsdatum, der 1. Februar, ist von der Diskussion unberührt.

Wie die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) schreibt, wollen die Währungshüter höchstens eine Verschiebung des Termins um drei Monate bis zum 1. Mai akzeptieren. Der Widerstand gegen den nun öffentlich gewordenen Vorschlag der Kommission sei nicht neu. Er sei bereits bei einem Treffen der Notenbankvorstände mit der EU-Kommission Ende Dezember geäußert worden, heißt es.

Die Notenbankvorstände wollten den Druck auf Unternehmen und Vereine, ihre Überweisungen und Lastschriftverfahren möglichst schnell auf die europaweit einheitlichen 22-stelligen IBAN-Nummern umzustellen, unbedingt aufrechterhalten. Einige Vorstände hätten deshalb angekündigt, bei den Regierungen gegen den EU-Vorschlag Widerstand zu leisten, schreibt die "FAZ". In der Europäischen Zentralbank werde nicht ausgeschlossen, dass der Kommissionsvorschlag vom EU-Ministerrat noch geändert wird.

Deutschland hinkt hinterher

Eine Zwischenbilanz der vergangenen Monate zeigt, dass die Umstellung auf das neue Sepa-System innerhalb der Eurozone mit unterschiedlichem Tempo voranschreitet. Während in einigen kleineren Ländern wie Finnland, Slowakei oder Slowenien schon fast eine 100-Prozent-Quote von Sepa-Überweisungen erreicht wurde, stieg der Anteil in Deutschland im November erst auf knapp ein Drittel - es fehlten also noch zwei Drittel der täglich rund 25 Millionen Überweisungen im Wert von rund 230 Milliarden Euro. Bei den werktäglich 35 Millionen Lastschriften lag die Quote sogar nur bei einem Zehntel.

Schuldige für die Verzögerung werden an verschiedenen Stellen ausgemacht: Zum einen wird moniert, dass sich Politik und Aufsicht, die für die Ausarbeitung der Details zur Umstellung zuständig waren, zu viel Zeit gelassen haben, zum anderen wird die Schuld aber auch bei den Banken selbst gesehen. Darüber hinaus haben auch die Anbieter der Finanzbuchhaltungssoftware für Verzögerungen gesorgt, weil die für Sepa notwendigen Programmversionen erst in den vergangenen Wochen fertig geworden seien.

Trotz aller Schwierigkeiten, reagierte die Deutsche Kreditwirtschaft überrascht auf den Vorstoß der EU: "Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen", heißt es. Gleichzeitig räumte sie aber ein, dass die längere Übergangsfrist Erleichterungen für Unternehmen und Vereine mit sich bringe, "bei denen es mit der Umstellung auf die neuen Sepa-Verfahren zum 1. Februar 2014 möglicherweise knapp geworden wäre", heißt es in einer Mitteilung.

Geteilte Reaktionen aus der Wirtschaft

Notenbanken und Kreditwirtschaft machen zum Teil eine gewisse "Sepa-" oder "Euro-Ignoranz" aus. Vor allem Unternehmen und Vereine hätten sich hartnäckig den europaweit einheitlichen Überweisungen und Lastschriften verweigert. Statt ihre Buchhaltungssysteme umzustellen und notwendige Kenn-Nummern zu beantragen, würden sie schlicht die letzte Stufe der Euro-Einführung ignorieren.

Der deutsche Einzelhandel indes begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission am Vortag: "Es war absehbar, dass die Sepa-Einführung bis zum 1. Februar 2014 nicht zu schaffen ist", erklärte der Handelsverband HDE. Die Unternehmen könnten beim Umstieg auf Sepa nicht auf erprobte Zahlungsprozesse und verlässliche Software zurückgreifen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie dagegen bedauerte das Vorhaben. "Wer einmal verschiebt, der kann das auch ein zweites Mal machen", erklärte Finanzmarktexperte Reinhard Kudiß.

Ein Zeichen von Euro-Ignoranz?

Die Kurzform "Sepa" steht für "Single Euro Payments Area" - einen einheitlichen Zahlungsraum in Euro. Es bedeutet, dass Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen standardisiert und gleich abgewickelt werden - egal ob sie ins Inland oder über Grenzen gehen. Die europaweit einheitlichen Kontonummern sind somit letztlich auch ein Symbol für die Gemeinschaft in Europa.

Für Unternehmer wie Verbraucher bietet das einheitliche System gleichermaßen Vorteile: Dank Sepa kosten Auslandsüberweisungen zum beispiel genau so viel wie Inlandsüberweisungen. Außerdem verlängert sich die Frist, in der ein Kontoinhaber bereits abgebuchte Beträge zurückholen kann, von sechs auf acht Wochen.

Quelle: ntv.de, ddi/rts