Wirtschaft

Krim-Krise, Streiks und ETFs Palladium vor neuem Hoch

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Frisch aus der Elektrolyse: Bei Norilsk Nickel im sibirischen Norilsk heben Arbeiter Nickel-Platten aus dem Tauchbad. Norilsk Nickel ist der weltgrößte Produzent von Nickel und Palladium.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Erdgas ist nicht der einzige Rohstoff, den Russland als Druckmittel gegen Sanktionen einsetzen könnte. Das Land spielt auch bei der weltweiten Versorgung mit Palladium eine Schlüsselrolle. Und ein anderer Großproduzent, Südafrika, hat derzeit auch zu kämpfen.

Rund 40 Prozent des globalen Palladium-Angebots stammen aus russischen Minen. Vor allem die Automobilindustrie fragt das silberweiße Platinmetall nach, auf sie entfällt fast 60 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Das Metall wird hier für Katalysatoren von Benzinmotoren benötigt. Da Platin fast doppelt so teuer wie Palladium ist, kommt das Schwestermetall als Alternative kaum infrage. Außerdem kommen nennenswerte Mengen Palladium in der Feinelektronik (circa 15 Prozent) zum Einsatz. Die Schmuckindustrie und die Dentalmedizin (jeweils 10 Prozent) spielen bei der globalen Nachfrage eine eher untergeordnete Rolle.

Sollte sich der Konflikt um die Krim und die Ostukraine verschlimmern, könnte Russland den Westen also mit einer Kürzung oder einem Stopp der Palladium-Lieferungen wirksam treffen. Südafrika, der weltweit zweitgrößte Palladium-Produzent, ist ebenfalls als unsicherer Kandidat einzustufen. Dort streikt seit Wochen die Association of Mineworkers and Construction gegen die großen Produzenten von Platin und Palladium. Tausende von Minenarbeitern sind in den Ausstand getreten, um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. Noch werden die Förderausfälle aus Lagerbeständen gedeckt. Doch ein längerfristiger Ausfall Südafrikas als Palladium-Lieferant würde die westliche Automobilindustrie ebenfalls empfindlich spüren. Das Land am Kap fördert knapp 40 Prozent des weltweiten Palladiumangebots.

Neue ETFs sorgen für Nachfrageschub

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Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Die Entwicklung in Russland und Südafrika ist kurzfristig und vor allem von politischer Natur. Damit lässt sich die Angebotsseite nur schwer einschätzen. Klar ist aber, dass andere Länder kaum einen möglichen Lieferausfall der beiden dominierenden Palladium-Produzenten kompensieren könnten.

Wesentlich besser lässt sich die Nachfrageseite beurteilen. Die Automobilindustrie boomt dank steigender Absatzzahlen in den USA und China, den beiden weltweit größten Absatzmärkten für Fahrzeuge. Das sorgt für eine entsprechende Nachfrage nach Palladium. Zusätzlicher Bedarf dürfte durch zwei neue Palladium-ETFs entstehen. Sowohl die Absa Bank Ltd. als auch die Standard-Bank of South Africa haben vor wenigen Tagen einen mit physischem Palladium unterlegten Indexfonds an der Börse von Johannisburg lanciert. Wenn die beiden Palladium-ETFs sich ähnlich entwickeln wie entsprechende Platin-Produkte, ist mit einem spürbaren Nachfrageschub zu rechnen. Im April 2013 hatte Absa bereits einen Platin-ETF im Markt eingeführt. Dieser wies bereits vier Monate nach seinem Start einen Bestand von knapp einer Million Unzen aus. Dies entsprach in etwa 15 Prozent der weltweiten Platinproduktion eines Jahres.

Angriff auf zyklisches Hoch

Aktuell ist Palladium dabei, die Marke von 800 Dollar je Unze zu knacken. Gelingt dies, dürfte ein Angriff auf das letzte zyklische Hoch folgen. Dieses wurde im Februar 2011 bei 859 Dollar erreicht. Danach wäre charttechnisch der Weg frei bis zum Allzeithoch. Dieses stammt aus dem Jahr 2000 und lag bei rund 1100 US-Dollar.

Interessierte Anleger können in Deutschland mit dem ETFS Physical Palladium auf einen Preisanstieg des Edelmetalls setzen. Der ETC bezieht sich auf den Spotmarkt und lief in den vergangenen Monaten deutlich besser als vergleichbare Produkte, die an den Terminmarkt gekoppelt sind. Zudem ist der ETFS Physical Palladium physisch mit dem Edelmetall unterlegt, was ein mögliches Ausfallrisiko deutlich vermindert. Auch wenn der ETC in Euro notiert besteht aber ein Wechselkursrisiko. Denn Palladium wird wie die allermeisten Rohstoffe in US-Dollar gehandelt. Allerdings gibt es derzeit gute Argumente dafür, dass sich der Greenback in den kommenden Monaten fester entwickelt. Das verschafft dem ETFS Physical Palladium zusätzliche Kursfantasie. Für unsere Kunden haben wir uns zuletzt bei Palladium engagiert.

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Quelle: ntv.de