Wirtschaft

Trump lässt Börsen zittern Politische Risiken nutzen sich ab

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Donald Trump.

(Foto: AP)

Immer wieder sorgt US-Präsident Donald Trump mit seinen Tweets an den Finanzmärkten für kleinere Beben. Doch die Fakten sprechen für höhere Kurse.

Von wegen goldener Herbst. Die internationalen Aktienmärkte sind schwach in den September gestartet. Schuld war wieder einmal Donald Trump. Dieses Mal sorgten sich die Börsianer, dass der US-Präsident das Freihandelsabkommen mit Kanada scheitern lassen könnte. Wahrscheinlich werden sich diese Befürchtungen jedoch als übertrieben erweisen. Denn bislang verfährt Trump nach der Methode: viel Rauch um nichts.

Immer wieder entfacht der US-Präsident medien- beziehungsweise twitter-wirksam einen Konflikt, um amerikanische Interessen durchzusetzen. Dabei ähneln sich die Schemata. Erst haut der gelernte Bauunternehmer verbal laut auf die Pauke. Der tatsächlich angedrohte Einsatz ist dann aber meistens eher gering. Kommt ihm die Gegenseite einen Schritt weit entgegen, verkauft der selbst ernannte Dealmaker das dann als einen großartigen Erfolg seiner Verhandlungstaktik.

Beispiel Nordkorea: Der dortige Diktator Kim Jong-un kündigte an, sein Atomwaffenprogramm einzustellen. Ob das tatsächlich eine Folge der Drohgebärden Trumps war, lässt sich kaum sagen. Fakt ist, dass Trump eigentlich nur mit Worthülsen Druck aufgebaut hat. Bis auf das Treffen von Trump mit Kim Jong-un ist im Verhältnis der Vereinigten Staaten gegenüber Nordkorea eigentlich nicht viel passiert. Und wissen wir wirklich, ob Nordkorea sein Atomwaffentest-Programm endgültig beendet hat? Oder vielleicht braucht das Land gar keine Tests mehr, weil die Entwicklung der Atomwaffen schon weit genug ausgereift ist.

Mehr Soja

Ein ähnliches Muster zeigte sich in den Verhandlungen der USA gegenüber der EU. Das Getöse war auf amerikanischer Seite laut. Die verhängten Importzölle auf Aluminium und Stahl waren jedoch eigentlich kaum der Rede wert. Als dann aber beim Besuch von Jean-Claude Juncker, dem Chef der EU-Kommission, eine Einigung im Handelsstreit verkündet wurde, war der Jubel des US-Präsidenten groß. Ob konkrete und vor allem belastbare Verhandlungsergebnisse erzielt wurden, spielt eine untergeordnete Rolle. Die Zusage von Juncker, die EU werde unter anderem mehr amerikanisches Soja einführen, muss erst noch den Faktencheck bestehen.

Etwas höher war und ist der Einsatz von Trump bei den Konflikten mit China (Handel), Russland (Hackerangriffe), der Türkei (amerikanischer Pastor unter Hausarrest) und dem Iran (Atomwaffenprogramm). Doch so richtig viel riskiert die amerikanische Seite auch bei diesen Streitigkeiten nicht. Trump macht viele und vor allem laute Worte, große Taten lässt er - abgesehen von den Zöllen gegen China - bislang nicht folgen.

Noch lassen sich die Börsianer von den Worttriaden des US-Präsidenten verunsichern und so reagieren die Märkte immer wieder mit Kursverlusten auf seine verschiedenen Drohkulissen. Allerdings fallen die Reaktionen begrenzt aus. In anderen Zeiten hätten die genannten potenziellen und tatsächlichen Konflikte zu deutlich größeren Verwerfungen an den Kapitalmärkten geführt.

Börsianer gewöhnen sich an Trump

Es sieht danach aus, als nutze sich Trumps Vorgehen als Elefant im Porzellanladen nach und nach ab. Am Ende könnten wieder die Fundamentaldaten an den Kapitalmärkten die entscheidende Rolle für die Börsenentwicklung spielen. Tatsächlich sind trotz allem deutschen Pessimismus die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gut. Die großen Volkswirtschaften wachsen rund um den Globus im Gleichschritt. Das Gros der Unternehmen kann mit den Ergebnissen positiv überraschen. Und die Inflation hält sich weltweit im Zaum.

Fundamental betrachtet spielt Trump sogar eine positive Rolle - zumindest auf kurze Sicht. Durch seine Steuerreform und die verschiedenen Deregulierungen hat der US-Präsident das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft zusätzlich angefacht. Allerdings droht die immer noch größte Volkswirtschaft der Welt zu überhitzen. Denn der Arbeitsmarkt ist bereits leergefegt, was über eine Lohn-Preis-Spirale die Inflation nach oben treiben könnte. Höhere, vielleicht zu hohe Zinsen könnten die Folge sein. Die rasant steigende Verschuldung des US-Staats verstärkt diesen Effekt. Vielleicht ist hier die Gefahr, die von Trumps Politik ausgeht, am größten. Noch aber hält die Party an.

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

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Quelle: n-tv.de

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