Wirtschaft
Sonntag, 20. Mai 2018

Jede zehnte Geschäftstelle: Postbank schließt über 100 Filialen

Mehr als 1000 Filialen betreibt die Postbank in ganz Deutschland - zu viele, befindet der Vorstand. Das Geldinstitut will deshalb bis Jahresende die unrentabelsten Zweigstellen schließen. Massenentlassungen soll es dennoch keine geben.

Die Postbank schließt laut einem Zeitungsbericht in großem Umfang Filialen. Auf einer internen Streichliste würden dazu von Albstadt in Baden-Württemberg bis Zwickau in Sachsen insgesamt 72 Standorte in ganz Deutschland aufgeführt, berichtete die "Bild am Sonntag". Nordrhein-Westfalen sei mit 21 Schließungen am stärksten betroffen. Die Filial-Schließungen haben dem Bericht zufolge bereits im Februar begonnen und sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Postbank-Vorstandsmitglied Susanne Klöß räumte ein, dass noch weitere Standorte geschlossen würden. "Am Ende werden es deutlich über 100 in diesem Jahr sein", sagte sie. Damit schließe das Geldinstitut etwa zehn Prozent seiner rund tausend Filialen.

Macht mehr als 100 Filialen dicht: die Postbank
Macht mehr als 100 Filialen dicht: die Postbank(Foto: picture alliance / Martin Gerten)

Viele der betroffenen Filialen gelten dem Bericht zufolge als unrentabel. Der Großteil der Mitarbeiter sei von der Deutschen Post ausgeliehen und gehe dorthin zurück. "Unsere Mitarbeiter wechseln zu anderen Standorten, jeder bekommt eine Anschluss-Beschäftigung", versicherte Klöß. Außerdem schließe ihr Institut nicht nur Filialen, "wir eröffnen auch". Bis Mitte 2019 entstünden insgesamt 50 neue Vertriebscenter, in denen auch Beratung für Wertpapiere und Baufinanzierung angeboten würde. 25 dieser Center gebe es bereits, führte Klöß aus.

Die Postbank gehört komplett der Deutschen Bank und wird demnächst mit deren Privatkunden-Geschäft zusammengelegt. Klöß sagte, die Schließungen hätten "mit dem Thema Deutsche Bank nichts zu tun, sondern sind Teil unserer langfristigen Strategie". Die Postbank passe ihre "flächendeckende Grundversorgung mit 10.000 Servicepunkten den Kundenbedürfnissen an". Damit sind vor allem Geldautomaten gemeint.

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Hans-Walter Peters, hatte Anfang Mai die Prognose gewagt, dass es bereits in fünf Jahren bis zu einem Viertel weniger Bankfilialen in Deutschland geben werde. Insgesamt gebe es hierzulande derzeit rund 34.000 Filialen - Sparkassen und Genossenschaftsbanken eingeschlossen. Dies sei mehr als in jedem anderen Land Europas und angesichts des harten Wettbewerbs im Bankensektor schwerlich aufrecht zu erhalten, sagte Peters.

Quelle: n-tv.de