Wirtschaft
Einsatz an der Haustür: In Bremen sc
Einsatz an der Haustür: In Bremen sc(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)
Montag, 09. April 2018

Pilotprojekt in Bremen: Postboten sollen Senioren versorgen

Briefträger stehen in Bremen vor völlig neuen Aufgaben: Ab Mai sollen sie neben Briefen auch Bargeld an alte Menschen liefern und bei ihnen nach dem Rechten sehen. Mit dem kostenpflichtigen Dienst beteiligt sich die Post an einem Pilotprojekt der Stadt.

Die Deutsche Post will Bremer Senioren helfen, länger in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Dazu sollen Briefträger Rentnern künftig nicht nur Briefe zustellen. Im Rahmen des Pilotprojekts "Herbsthelfer" sollen sie in den kommenden Monaten auch regelmäßig bei ihnen klingeln, fragen, ob es ihnen gut geht, Bargeld vorbeibringen und sie über Hilfsdienste der Wohlfahrtsverbände informieren.

Die neuen Dienstleistungen, für die die Post mit den Johannitern kooperiert, sind Teil eines bundesweiten Pilotprojekts für ältere Menschen. Initiiert hat das Projekt die Stadt Bremen. Zunächst hat sie einen Wissenschaftler beauftragt, mit Senioren zu sprechen, um herauszufinden, was diese brauchen. Dann hat sie neben der Post auch die Johanniter, die Sparkasse, vier Wohlfahrtsverbände mit mehr als 4000 Helfern und die Krankenkasse AOK angefragt, um die passenden Dienstleistungen anzubieten.

Der Start des Post- und Johanniter-Services, "Post Persönlich", ist für Mitte Mai vorgesehen. Gegen eine noch unbestimmte Gebühr sollen Briefträger alle paar Tage kurz mit den Rentnern sprechen und dann eine beruhigende SMS an Angehörige senden oder im Notfall die Johanniter-Sanitäter rufen.

Bargeldübergabe an der Haustür

Geld am Telefon bestellen, Kontakte per Tablet pflegen: Das Projekt "Herbsthelfer" soll Senioren und ihre Angehörigen unterstützen.
Geld am Telefon bestellen, Kontakte per Tablet pflegen: Das Projekt "Herbsthelfer" soll Senioren und ihre Angehörigen unterstützen.(Foto: imago/Eckhard Stengel)

Die Post, die wegen des schwindenden Briefgeschäfts ständig nach neuen Einnahmequellen sucht, hat bereits 2014 ein ähnliches Projekt im Ruhrgebiet durchgeführt. Wegen geringen Kundeninteresses stellte es der Konzern allerdings nach mehreren Monaten wieder ein. Damals habe die Kommunikation zwischen Postboten und der Johanniter-Notrufzentrale nicht richtig funktioniert, sagt der wissenschaftliche Leiter des Modellprojekts, Herbert Kubicek, vom Bremer Institut für Informationsmanagement.

Dies sei jetzt anders. Bei ihren Besuchen sollen die Postboten bald auch über die Dienstleistungen von rund 4000 Helfern von Wohlfahrtsvereinen in der Hansestadt informieren. Die Post will ihre Mitarbeiter trainieren, damit sie die neuen Aufgaben während der gewöhnlichen Rundgänge erledigen können. Die Einstellung neuer Mitarbeiter sei nicht geplant, sagte eine Post-Sprecherin.

Die Gewerkschaft Verdi findet es in Ordnung, dass Briefträger in Bremen während des Pilotprojekts mehr Aufgaben übernehmen. "Werden die Aufgaben aber Teil des Regelbetriebs, braucht es mehr Personal", sagt Verdi-Sprecher Matthias Büschking. "Weil die Post viel Personal abgebaut hat, sind Postzusteller für immer größere Bezirke verantwortlich."

Post und die Sparkasse wollen zudem voraussichtlich ab Juli einen kostenpflichtigen Bargeldlieferservice in Bremen anbieten. Kunden sollen dann bis zu 500 Euro per Telefon bestellen können, die ein Briefträger einmal pro Woche nach Hause bringt. Ebenfalls ab Juli können sich Rentner auch beim Bürgertelefon (115) kostenlos Behördenformulare an die Haustür bestellen, etwa, um die Hundesteuer zu bezahlen.

Weitere Dienste für Heimbewohner

Die Sprecherin der Finanzsenatorin, die das Pilotprojekt koordiniert, sagt: "Wir möchten unseren Service für Leute verbessern, die nicht alles aus dem Internet ausdrucken können." Zum Modellprojekt gehören außerdem zwei Dienstleistungen für Altenheimbewohner: Rund 15 Heime sollen ab Mai je ein E-Book-Lesegerät erhalten. "Senioren können E-Books viel besser lesen als traditionelle Bücher mit einer Lupe. Denn das Display ist hell und die Schrift kann vergrößert werden", sagt Kubicek.

Die Heime sollen auch je ein Tablet erhalten. So können Senioren Kurznachrichten an ihre Enkel schreiben oder Hörbücher oder DVDs von der Stadtbibliothek bestellen. Die Bestellungen soll ein Bote einmal die Woche vorbeibringen und dabei auch bei technischen Problemen helfen.

Schließlich sollen Meldeamt-Angestellte ab Juli alle drei Monate in Altenheime kommen. So können Bewohner vor Ort ihren Umzug melden oder einen neuen Pass beantragen. Das Bremer Modellprojekt soll bis Ende 2019 laufen. Die Stadt investiert dafür 245.000 Euro. Dann muss der neue Senat entscheiden, ob er es weiterfinanzieren will. Ob die Post den Service auch in anderen Städten anbieten wird, ist noch offen.

Quelle: n-tv.de