Wirtschaft

Schreckgespenst der Autobauer Prevent greift Volkswagen erneut an

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Die Mitarbeiter von NHG und anderen Prevent-Firmen fürchten wegen des Streits mit VW um ihre Jobs.

(Foto: picture alliance / Sebastian Wil)

Zweimal bereits zwang die bosnische Unternehmerfamilie Hastor VW dazu, die Bänder anzuhalten. Nun setzten die Eigner der Zuliefer-Gruppe Prevent dem Autobauer erneut die Pistole auf die Brust.

Die neue Geschäftsführung des Autozulieferers Neue Halberg Guss (NHG) fackelte nicht lange. Kurz nachdem die Prevent-Gruppe den Hersteller von Motorblöcken und Zylinderköpfen übernommen hatte, präsentierte die Saabrücker Firma einem ihrer wichtigsten Kunden neue Preisforderungen: Gut 900 Millionen Euro will NHG dem "Manager Magazin" zufolge von Volkswagen haben für laufende Lieferverträge, statt der 90 Millionen, die - zumindest laut VW - bislang vereinbart waren.

Für Volkswagen ist das gefährlich. Wenn der Streit eskalieren sollte, könnte Prevent mit einem Lieferstopp die Produktion beim Autobauer zum Erliegen bringen - wieder einmal. Seit drei Jahren trägt Volkswagen mit der hinter Prevent stehenden Unternehmerfamilie Hastor einen äußerst ungleichen Kampf aus. Doch jedes Mal, wenn es so scheint, als habe der mächtige Weltkonzern die vergleichsweise kleine Prevent-Gruppe ausgeschaltet, versetzen die Rebellen dem VW-Imperium einen neuen Schlag.

Und diese Schläge sind äußerst schmerzhaft für den Autobauer. Der Streit bricht zunächst 2015 in Brasilien offen aus, als Prevent dort einen Sitzbezug-Hersteller übernimmt. Mit einem Lieferstopp will der Zulieferer Preiserhöhungen bei VW durchsetzen. 160 Tage steht die Produktion bei Volkswagen in Brasilien teilweise still, da sich auf die Schnelle kein Ersatz für die Prevent-Bezüge finden lässt. Die Auseinandersetzung kostet den Konzern Berichten zufolge mehrere Hundert Millionen Euro.

Im folgenden Jahr wiederholt sich das Spiel in Deutschland. Als Volkswagen einer Prevent-Tocher einen millionenschweren Auftrag entzieht, stellt eine andere, die ES Automobilguss, ihre Lieferungen an den Autobauer ein. Wieder findet VW keinen Ersatz für die Prevent-Teile und muss die Produktion zeitweise einstellen. In seiner Not unterschreibt der Konzern ein Kompromisspapier, in dem er nicht nur die Prevent-Forderungen teilweise anerkennt, sondern auch verspricht, mindestens sechs Jahre weiter mit der Zulieferergruppe zusammenzuarbeiten.

Grammer wehrt sich erfolgreich

Trotz dieser schriftlichen Zusicherungen gingen viele Beobachter davon aus, dass das Schicksal der Prevent-Gruppe besiegelt sei. Denn wie die meisten mittelständischen Zulieferunternehmen, sind die Firmen der Gruppe abhängig von den wenigen großen Autobauern als Abnehmer. Zwar hatte sich VW kurzfristig abhängig gemacht von Prevent als einzigem Zulieferer wichtiger Teile. Langfristig ist es für den Konzern aber kein Problem, andere Hersteller zu finden.

Und tatsächlich hat VW bereits seine Verträge mit der ES Automobilguss und anderen Prevent-Firmen gekündigt. Der Konzern beruft sich darauf, dass Prevent ihm den Kompromiss in einer Zwangslage abgepresst habe. Daher sei der Vertrag ungültig. Ein Gericht gab VW bereits teilweise Recht. ES musste bereits zahlreiche Mitarbeiter entlassen.

Doch Prevent gibt das Ringen mit VW damit keinesfalls verloren. Das Unternehmen kämpft nicht nur in mehreren Gerichtsverfahren um seine Forderungen gegen den Großkunden. Die Hastor-Familie versucht vor allem, durch weitere Zukäufe ihre Macht gegenüber dem Autobauer auszubauen. Autoexperte Stefan Bratzel spricht von einem "Blockadepotenzial", dass sich die Unternehmer aufbauen wollten.

Zunächst nahm die Familie über zwei Investmentvehikel den bayerischen Zulieferer Grammer ins Visier. Doch der Hersteller von Sitzen und Lenkrädern wehrte sich und mobilisierte Politik und Gewerkschaften, die fürchteten in den Streit zwischen Prevent und Volkswagen hineingezogen zu werden. Schließlich fand sich im chinesischen Zulieferer Ningbo Jifeng ein Weißer Ritter, der nun die Mehrheit übernehmen will.

Was Grammer befürchtete, scheint nun bei NHG Wirklichkeit zu werden. Die Bürgermeister der beiden deutschen Produktionsstandorte Leipzig und Saarbrücken haben sich bereits eingeschaltet. Die saarländische Landesregierung hat ein Krisentreffen zwischen VW und Prevent-Vertretern vermittelt. Das Ergebnis: Zunächst liefert Prevent - unter Vorbehalt - zu den alten Konditionen weiter.

Langfristig räumen Experten der Gruppe aber kaum Chancen ein. Nicht nur Volkswagen würde die Zusammenarbeit mit Prevent lieber heute als morgen beenden. Auch andere Konzerne vertrauen dem Unternehmen nicht mehr. Ferdinand Dudenhöffer, der Direktor des Center Automotive Research, glaubt, nach seinen Versuchen, mit den Kunden zu zocken, sei Prevent bei den Herstellern schlicht "durch".

Quelle: ntv.de, mbo/dpa