Wirtschaft

Elektronische Augen aus Ulm Radarspezialist Hensoldt plant Großes

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Radartechnik zur Kontrolle aus der Ferne: Elektronische Überwachungstechnologie gehört für US-Soldaten im "Global Strategic Warning and Space Surveillance System Center" zum Alltag.

U.S. Air Force photo/Airman 1st Class Krystal Ardrey

Hightech aus Deutschland soll Bewegungen auf hoher See, über den Wolken und an unübersichtlichen Grenzen sichtbar machen: Die frühere Airbus-Tochter Hensoldt will vor dem angestrebten Börsengang kräftig wachsen.

Der deutsche Sensor- und Radartechnik-Hersteller Hensoldt strebt eine Umsatzverdoppelung auf rund zwei Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren an. Dies solle je zur Hälfte aus eigener Kraft und durch Zukäufe geschehen, sagte Vorstandschef Thomas Müller.

KKR
KKR 20,12

Hensoldt ist ein Spezialist für Radar- und Sensortechnik im Militär mit Hauptsitz in Taufkirchen bei München. Im größten Standort Ulm arbeiten 2000 der insgesamt 4000 Mitarbeiter. Anfang März war die Rüstungsfirma aus dem Airbus-Konzern ausgegliedert worden.

Seitdem gehören 74,9 Prozent dem Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR). Dieser will Hensoldt innerhalb von fünf Jahren an die Börse bringen. Für eine Übergangszeit von maximal zwei Jahren bleibt Airbus mit 25,1 Prozent an Hensoldt beteiligt.

Übernahmeziel: Kelvin Hughes

Hensoldt will im vierten Quartal zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft ECI den Londoner Hersteller von Sicherheits- und Schiffsradaranlagen Kelvin Hughes übernehmen, wie Müller mitteilte. Kelvin Hughes hat 30 Marinen und Küstenwachen als Kunden und macht einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro.

Für Hensoldt sei die neue Unabhängigkeit von Airbus vorteilhaft, weil die Angebote des Unternehmens sichtbarer seien als zuvor, sagte Müller. Nun sollten verstärkt auch Kunden aus dem zivilen Bereich gewonnen werden.

Die Systeme Hensoldts können zum Beispiel für die Sicherung von Grenzen, Industrieanlagen und Flughäfen genutzt werden. Der Umsatzanteil aus dem nicht-militärischen Geschäft solle von derzeit "unter 5 Prozent" auf rund 25 Prozent in fünf Jahren steigen, kündigte Müller an.

Airbus bleibt beteiligt

Zu den Hoffnungsträgern zählen hier unter anderem ein neuartiges Passiv-Radar, das die Umgebung nach vorhandenen Funkwellen absucht, sowie ein System zum elektronischen Abfangen von Drohnen. Damit könnten etwa Atomkraftwerke, Chemiewerke oder größere Menschenansammlungen wie zum Beispiel bei Stadionereignissen vor Angriffen aus der Luft abgeschirmt werden, heißt es.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus hatte den Verkauf von Teilen seiner Sparte für Verteidigungselektronik bereits im September 2014 angekündigt. Das Geschäft mit KKR wurde im März 2016 angebahnt, konnte aber erst nach zähen Verhandlungen in diesem Frühjahr abgeschlossen werden. Airbus ist weiterhin mit einem Anteil von 25,1 Prozent an Hensoldt beteiligt. Einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" zufolge sind der Standorterhalt und die Sicherung der Beschäftigung Teil der Vereinbarung.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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