Wirtschaft

Ein Eigentor der Politik Recht auf Homeoffice könnte Jobkiller werden

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Nicht jedes Unternehmen kann sich derzeit die notwendigen Umstrukturierungen leisten, um alle Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken.

(Foto: imago/Westend61)

Bundesarbeitsminister Heil will ein Recht auf 24 Tage Homeoffice im Jahr durchsetzen. Viele Firmen sind dafür nicht gerüstet. Für sie käme eine solche Regelung einem gewaltigen Stresstest gleich. Ausgerechnet jetzt, wo sie mit den Folgen der Corona-Pandemie kämpfen.

Seit Monaten versucht die Politik die durch die Folgen der Corona-Pandemie ins Straucheln geratenen Unternehmen mit Milliardenhilfen zu stabilisieren und vor dem Untergang zu bewahren. Ob das dauerhaft gut geht, werden die kommenden Monate zeigen. Wie viele Arbeitsplätze trotz Finanzspritzen und Kurzarbeitergeld virusbedingt vernichtet werden, ist offen. Fest steht: Viel mehr konnte die Bundesregierung gegen die größte Wirtschaftskrise, die Deutschland bis dato erlebt hat, kaum tun.

Und ausgerechnet jetzt schickt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sich an, ein "Mobile-Arbeit-Gesetz" durchzudrücken. Er will darin festschreiben, dass Arbeitnehmer - dort, wo es geht - an mindestens 24 Tagen im Jahr ihr Tagwerk mobil verrichten dürfen. Das Vorhaben droht zu einem Eigentor zu werden.

Ja, der Corona-Ausbruch im Frühjahr hat die Arbeitswelt verändert und digitale Arbeitsprozesse beschleunigt - nahezu über Nacht. Viele Firmen haben zumindest einen Teil ihrer Belegschaft ins Homeoffice geschickt. Die sinkende Nachfrage nach Büroflächen zeigt, dass der Trend, zumindest ein paar Tage im Monat dezentral zu arbeiten, wohl anhalten wird. Viele Unternehmen sparen dadurch sogar Geld, weil sie weniger Arbeitsplätze vorhalten müssen.

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Vor allem aber kleinere und mittlere Betriebe erwischt das Gesetzesvorhaben in einer sehr kritischen Phase. Als Folge der Pandemie müssen sie mitunter gewaltige Umsatzeinbrüche verkraften. Manche Firmen tun sich aktuell schwer damit, ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Die Unternehmen müssen Arbeitsabläufe ändern und in Technik investieren. Das verschlingt Geld, das sie derzeit nicht haben. Das geplante Gesetz wird für sie zu einem unnötigen Stresstest, den wohl nicht alle Firmen überstehen.

Am Ende könnte sich das Gesetz, das Arbeitnehmerrechte stärken soll, als Jobkiller erweisen. Gut gemeint ist nicht immer gut.

Quelle: ntv.de