Wirtschaft

Neuer Anlauf mit Schenker Regierung stößt Verkauf von Bahn-Tochter an

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Vor zwei Jahren wurde der Wert von Schenker auf bis zu fünf Milliarden geschätzt - heute dürfte es mehr sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutsche Bahn braucht Geld, um sich stabilisieren zu können. Eine neue Staatshilfe gilt als schwierig - bleibt also der Verkauf von Unternehmensteilen. In einem Schreiben wird deshalb ein Verkauf der Tochter Schenker vorgeschlagen. Es wäre nicht der erste Versuch.

Die amtierende Bundesregierung liebäugelt mit einem neuen Anlauf zum Verkauf der Deutsche-Bahn-Tochter Schenker. In einem Schreiben des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages wird zumindest ein Teilverkauf der internationalen Spedition des Staatskonzerns nahe gelegt.

Aus Sicht des Ministeriums sei anzumerken, "dass eine Komplett- oder Teilveräußerung beispielsweise der Schenker AG durchaus wieder aufgegriffen werden könnte", heißt es in dem Schreiben. Der Haushaltsausschuss hatte das Finanzministerium im vergangenen Jahr um Vorschläge gebeten, wie die Bahn weiterentwickelt und finanziell stabilisiert werden könnte. Zwar ist die jetzige Regierung nur noch geschäftsführend im Amt. Die möglichen Koalitionspartner FDP und Grüne sympathisieren aber schon länger mit einem Verkauf der Spedition und auch in der Union gibt es Befürworter.

Eine Sprecherin des Finanzministeriums bestätigte die Existenz des Schreibens. Inhaltlich sei aber das Bundesverkehrsministerium für den Bericht zuständig. Der Bahn-Vorstand selbst hatte bereits den Teilverkauf oder Börsengang von Schenker ins Auge gefasst, nachdem der Konzern für 2015 einen Milliardenverlust ausgewiesen hatte und die Verschuldung die Marke von 20 Milliarden Euro zu überschreiten drohte. Die Pläne wurden aber wieder fallengelassen, nachdem die Bundesregierung den Konzern mit über zwei Milliarden Euro stützte.

Der neue Bahnchef Richard Lutz hatte erst am Montag Schenker als eine integralen Bestandteil des Konzerns bezeichnet und hinzugefügt: "Und das ist auch gut so."

Kritik an Kapitalspritze

Bei den möglichen Koalitionspartnern Union, FDP und Grüne wird aber eine umfassende Bahnreform einschließlich des Verkaufs von Schenker erwogen oder offen gefordert. Die Kapitalspritze aus Steuermitteln hatte auch bei Unionspolitikern für Unmut gesorgt. Daher ging der Auftrag an die Regierung, dem Ausschuss einen Bericht mit Möglichkeiten zur finanziellen Stabilisierung des Konzerns vorzulegen.

In diesem wird nun gewarnt, sollten die Zinsen an den Kapitalmärkten steigen, könnte der Konzern angesichts seiner hohen Verschuldung erneut in Bedrängnis geraten. Ein Verzicht auf Investitionen sei aus Sicht der Bundesregierung keine Option. Grundsätzlich bestehe aber die Möglichkeit, Unternehmensteile zu verkaufen. Im Anschreiben an den Haushaltsausschuss hebt das Ministerium ausdrücklich die Option des Verkaufs von Schenker noch einmal hervor.

Der Wert der Spedition (Lkw, Schiff, Flugzeug) war vor zwei Jahren auf etwa vier bis fünf Milliarden Euro geschätzt worden. Angesichts der Entwicklung an den Kapitalmärkten und der guten Weltkonjunktur dürfte er heute höher liegen.

Quelle: ntv.de, mli/rts