Wirtschaft

"Schwerer Rückschlag"Rheinmetall erleidet Rekord-Kurssturz

24.06.2026, 15:48 Uhr
00:00 / 02:55
Messestand-des-Ruestungsunternehmens-Rheinmetall-AG-Geschuetzrohr-eines-Skyranger-Abwehrgeschuetzes
Den erhofften Großauftrag bekommt ein anderer. (Foto: picture alliance / Chris Emil Janßen)

Rheinmetall hatte sich bereits auf die Übernahme eines milliardenschweren Marineprojekts eingestellt. Nun zieht das Verteidigungsministerium die Reißleine. Die Folgen sind an der Börse deutlich zu spüren.

Die Aktien von Rheinmetall steuern auf den größten Kursrutsch seit fast 30 Jahren zu. Das Bundesverteidigungsministerium hatte zuvor den geplanten Bau von sechs F126-Fregatten gestoppt.

Nun sollen insgesamt acht kleinere Fregatten vom Typ "Meko-200" der Thyssenkrupp-Marinetochter TKMS bestellt werden. Konkurrent Rheinmetall, der kurz vor der Übernahme des Projekts gestanden haben soll, dürfte nun leer ausgehen. Daraufhin brach der Aktienkurs um mehr als 18 Prozent ein. TKMS-Aktien schossen um gut elf Prozent nach oben.

Der Plan zum Bau von sechs großen F126-Fregatten ist schon seit einiger Zeit mit Problemen behaftet. Ursprünglich sollten die Schiffe rund zehn Milliarden Euro kosten. Weil der niederländische Generalunternehmer DSNS Zeit- und Kostenvorgaben nicht einhalten konnte, prüfte das Ministerium einen Wechsel.

Dieser hätte die Gesamtkosten laut Ministerium jedoch auf über 18 Milliarden Euro ansteigen lassen. Zudem hätte der Bund auf mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber DSNS verzichten müssen und das als nicht verantwortbar abgelehnt. Die Beschaffung der nun geplanten acht "Meko"-Fregatten soll insgesamt rund 11,6 Milliarden Euro kosten.

Werft übernommen

Rheinmetall stand nach eigenen Angaben kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrags zur Übernahme des F126-Fregattenprogramms. Der Dax-Konzern will seine Kapazitäten im Marine-Bereich ausbauen, nachdem er zuletzt bereits die Marine-Sparte der Lürssen-Werft (NVL) übernommen hatte. Vorstandschef Armin Papperger hatte zudem angekündigt, Rheinmetall habe ein unverbindliches Angebot vorgelegt, um auch die Werft German Naval Yards Kiel zu übernehmen. Nach einer Prüfung der Bücher wolle man rasch eine verbindliche Offerte einreichen.

Die Analysten von JP Morgan bezeichneten die Entscheidung des Verteidigungsministeriums als "schweren Rückschlag" für Rheinmetall. "Wenn die deutsche Regierung den F126-Auftrag nicht durch einen anderen Vertrag ersetzt, erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass Rheinmetall seinen Auftragseingang für das Geschäftsjahr 2026 realisieren kann." Zudem könnten sich andere Annahmen, die der Prognose des Konzerns zugrunde liegen, als falsch erweisen.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

TKMSRüstungsindustrieRheinmetall