Wirtschaft

Investments regional streuen Risiken für deutsche Aktien steigen

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Die Automobilindustrie, also die deutsche Vorzeige-Branche, gerät mehrfach unter Druck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im aktuellen Umfeld könnte sich eine Übergewichtung deutscher Aktien als Fehler erweisen. Anleger sollten deswegen unbedingt auch US- und asiatische Werte berücksichtigen.

Deutsche Anleger neigen dazu, vor allem in deutsche Aktien zu investieren. Diese Art der Heimatliebe wird auch als Equity Home Bias bezeichnet. Nun sind die Investoren mit deutschen Titeln in der Vergangenheit keineswegs schlecht gefahren. Der Deutsche Aktienindex Dax hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren in etwa verdoppelt. Das US-amerikanische Pendant, der Dow Jones, legte in diesem Zeitraum mit rund 120 Prozent nicht wesentlich mehr zu. Allerdings wertete der Dollar parallel um 25 Prozent auf. Unter dem Strich haben Anleger aus dem Euroraum mit dem Dow Jones also rund 45 Prozentpunkte mehr verdient als mit dem Dax.

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Auch künftig könnten deutsche Aktien schlechter abschneiden als US-amerikanische, obwohl diese derzeit höher bewertet sind. Denn Deutschland leidet unter drei strukturellen Problemen. Erstens ist der riesige Handelsbilanzüberschuss zu nennen. Pro Monat exportiert die Bundesrepublik für rund 30 Milliarden Euro mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland, als sie importiert. Im Jahr 2009 lag der Überschuss erst bei rund acht Milliarden Euro.

Die Kritik aus dem Ausland, die Deutschen investierten zu wenig im eigenen Land, trifft durchaus zu. Höhere Ausgaben im Inland würden den Handelsbilanzüberschuss reduzieren. Doch statt im eigenen Land die Bildung, die Technologie und die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, finanziert die Bundesrepublik dem Ausland mit Krediten den Kauf deutscher Waren und Dienstleistungen. Auf Dauer sind solche Ungleichgewichte schädlich - auch für Deutschland.

Autoindustrie wird zum Problem

Parallel gerät die Automobilindustrie, also die deutsche Vorzeige-Branche, gleich mehrfach unter Druck. Die Dieselfahrzeuge, an denen BMW, Daimler oder Volkswagen prächtig verdienen, lassen sich immer schlechter verkaufen. In den USA und China, den beiden größten Absatzmärkten der Welt, liefen die Diesel-Verkäufe noch nie wirklich rund. Seit dem Auffliegen des Dieselbetrugs stottern sie nun auch in Europa.

Jetzt sorgt auch noch das europäische Verbrauchstestverfahren WLTP bei Benzinern für Schwierigkeiten. Denn es gibt nicht genug Prüfstände. Das hat zur Folge, dass viele Modellvarianten nicht rechtzeitig zugelassen werden könnten. Ein Treppenwitz dieser Geschichte ist, dass VW beim Pannenflughafen BER Parkplätze gemietet hat, um auf Halde produzierte Neuwagen erst einmal zwischenzulagern.

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Schließlich ist zu befürchten, dass die deutschen Autohersteller die Elektromobilität verschlafen haben. Bislang gibt es nur Ankündigungen im großen Stil. Bis auf BMW produziert noch kein deutscher Hersteller Elektroautos in nennenswerten Stückzahlen. Tesla aus den USA, die chinesische Volvo-Mutter Geely oder BYD, ebenfalls aus China, sind da schon wesentlich weiter. In der Volksrepublik gibt es mittlerweile 60 Unternehmen, die eigene Fahrzeuge entwickeln - häufig ausgestattet mit Elektromotoren.

Demografie bremst Wachstum

Neben dem ungesunden Handelsbilanzüberschuss und der angeschlagenen Autoindustrie erweist sich die Alterung der deutschen Gesellschaft zunehmend als Problem. Denn sie belastet das Wirtschaftswachstum. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) droht Deutschland ein kontinuierlicher Abschwung. Der IWF prognostiziert, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2023 nur noch um 1,1 Prozent zulegt. Das wäre weniger als halb so viel wie im laufenden Jahr. Neben der ungünstigen Demografie und einer schwachen Produktivitätsentwicklung zählt der IWF auch den zunehmenden internationalen Protektionismus zu den Gefahren für die deutsche Wirtschaft.

Angesicht dieser Risiken sollten Anleger ihre Investments unbedingt regional streuen. Dabei dürfen vor allem die USA und Asien nicht fehlen. In den Vereinigten Staaten werden die Unternehmen bedingt durch die Steuerreform ihre Gewinne in diesem Jahr um durchschnittlich 22 Prozent steigern können. In Europa wird "nur" mit einem Plus von zehn Prozent gerechnet. Unternehmensgewinne zählen zu den wichtigsten Triebfedern für Aktienkurse überhaupt. Die vergleichsweise hohen Bewertungen von US-Aktien treten angesichts der erwarteten Gewinnsteigerungen in den Hintergrund.

Und in Asien überzeugen die wirtschaftliche Dynamik und der technologische Fortschritt mit ganz eigenen Geschäftsmodellen. Dazu kommt, dass die Region aufgrund zunehmender Kooperationen schrittweise an Selbstständigkeit gewinnt. Auch hier gilt es, eine gewisse Streuung zu wahren. Mit ausgesuchten Fonds können Anleger auf das technologiebasierte Wachstum in Asien setzen.

Reinhard Pfingsten arbeitet bei der Bethmann Bank als Chief Investment Officer und ist Mitglied im Management Team des globalen Investment Centers der ABN Amro Gruppe. Der Diplom-Wirtschaftsmathematiker war zuvor bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers tätig. Er startete seine Karriere als Portfoliomanager bei der Allianz AG.

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Quelle: ntv.de