Jeder zehnte Job in ZentraleRitter Sport baut erstmals in der Firmengeschichte Stellen ab

Im vergangenen Jahr schreibt Ritter Sport rote Zahlen. Jetzt folgen die Konsequenzen in Waldenbuch: Der Schokoladen-Hersteller streicht am Unternehmenssitz mehr als jeden zehnten Arbeitsplatz. Ein historischer Schritt.
Nach einem Verlust im vergangenen Jahr setzt der Schokoladenhersteller Ritter Sport den Rotstift an. Ein Sprecher des Familienunternehmens teilte auf Anfrage mit, dass in der Zentrale im schwäbischen Waldenbuch bei Stuttgart etwas mehr als jede zehnte Stelle wegfallen soll. Das sei der erste Arbeitsplatzabbau in der mehr als 110-jährigen Unternehmensgeschichte.
Als Gründe nannte der Sprecher stark gestiegene Rohstoffpreise, vor allem bei Kakao. Aber auch die Preise für Energie und Verpackungen hätten das Geschäft zuletzt belastet. Zudem sei eine deutliche Kaufzurückhaltung zu spüren. Der Abbau soll dem Sprecher zufolge sozialverträglich erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Ritter Sport hatte bereits angekündigt, die Kostenstrukturen vereinfachen zu wollen. Für den Hersteller arbeiteten zuletzt rund 1900 Menschen weltweit. In Waldenbuch waren es rund 1000 Menschen, davon etwas über 600 in der Verwaltung, wie der Sprecher mitteilte. Demnach sollen etwa 70 Stellen in der Verwaltung wegfallen.
Ritter Sport war 2025 trotz deutlich mehr Umsatz in die roten Zahlen gerutscht. Das Betriebsergebnis war nach früheren Angaben der Schwaben deutlich unter den Erwartungen geblieben. Vor allem stark gestiegene Rohstoffkosten hätten zu dem Verlust geführt. Konkrete Angaben zur Höhe machte Ritter Sport nicht. Bereits 2024 sei das Ergebnis unter Druck, aber noch positiv gewesen, sagte der Sprecher Ende Januar.
Umsatz bei Schokohersteller stieg
Der Umsatz kletterte vergangenes Jahr dagegen um rund 17,7 Prozent auf 712 Millionen Euro - nach 605 Millionen Euro 2024. Es handelt sich um vorläufige und um Wechselkurseffekte bereinigte Zahlen. Das Plus habe die "massiven Kostensteigerungen" entlang der gesamten Wertschöpfungskette aber nicht kompensieren können.
Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben zwar die Preise für die quadratischen Schokoladentafeln erhöht. Die Kosten hätten aber nur teilweise an den Handel weitergegeben werden könne. Das Umsatzwachstum sei das Ergebnis höherer Verkaufspreise bei gleichzeitig rückläufigen Mengen.
In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden. Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Lebensmittelhändler gaben die gestiegenen Rohstoffkosten an die Kunden weiter. Eine Tafel Schokolade war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im März im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020.
Zuletzt sind Rohkakaopreise an den Börsen wieder stark gefallen. Grund ist eine bessere Ernte. Verschiedene Hersteller haben daraufhin ihre Preise gesenkt.