Wirtschaft

Galeria Karstadt Kaufhof Sanierer bekommen Millionen

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Aufgrund der Einnahmeausfälle in der Corona-Krise hatte sich der Konzern im März in die Insolvenz geflüchtet.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Das Insolvenzverfahren für Galeria Karstadt Kaufhof dürfte Sachwalter Frank Kebekus zufolge 36 Millionen Euro kosten. Ein Großteil davon geht als Vergütung an ihn und an den Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz.

Bei der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof können die Sanierer mit einem der höchsten Honorare rechnen, das bislang bei einem Insolvenzverfahren in Deutschland geflossen ist. Das geht aus dem Eröffnungsgutachten für das Verfahren hervor, das dem Wirtschaftsmagazin "Capital" in Auszügen vorliegt. Demnach rechnet der vom Insolvenzgericht bestellte Sachwalter Frank Kebekus mit Verfahrenskosten in Höhe von 36 Millionen Euro. Der mit Abstand größte Teil davon geht als Vergütung an die Düsseldorfer Kanzlei von Kebekus sowie an den Sanierungsexperten Arndt Geiwitz, der Kebekus seit April als Generalbevollmächtigter von Galeria Karstadt Kaufhof unterstützt.

Der ohnehin defizitäre Konzern mit zuletzt rund 28.000 Mitarbeitern war durch die wochenlange Schließung seiner Filialen in der Corona-Krise schwer in Schieflage geraten. Anfang April rettete sich das Unternehmen, das der österreichischen Signa-Gruppe des Investors René Benko gehört, in ein Schutzschirmverfahren unter Kebekus' Führung. Dieses mündete dann Anfang Juli in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Im Zuge der Restrukturierung sollen nach derzeitigem Stand knapp 50 der rund 170 Filialen von Karstadt und Kaufhof geschlossen werden. Tausende Jobs fallen weg.

Wie aus dem Eröffnungsgutachten weiter hervorgeht, beabsichtigt Sachwalter Kebekus, das Insolvenzverfahren bei Galeria Karstadt Kaufhof bis Ende September abzuschließen. Während des Verfahrens werden bei dem Konzern nach seiner Einschätzung weitere Verlusten von bis zu 195 Millionen Euro anfallen. Diese würden teilweise von Massedarlehen der Eigentümer gedeckt, heißt es in dem Gutachten. Um das Unternehmen über Wasser zu halten, hatte Benko zuletzt einen dreistelligen Millionenbetrag bereitgestellt. Aus diesen Mitteln werden nun auch die Hilfen für die Mitarbeiter, die von Filialschließungen betroffen sind, sowie die Kosten des Insolvenzverfahrens finanziert.

Auf Anfrage von "Capital" äußerte sich Sachwalter Kebekus unter Verweis auf rechtliche Gründe nicht zu den Verfahrenskosten. Es handele sich um ein nicht öffentliches Verfahren, in dem nur Beteiligte detaillierte Informationen erhalten könnten, teilte er mit. Bei den im Eröffnungsgutachten ausgewiesenen Kosten von 36 Millionen Euro sind auch die Gerichtskosten sowie die Vergütung für den Gläubigerausschuss berücksichtigt.

Vergütung ergibt sich aus Gesetz

Nach der Vergütungsverordnung richtet sich das Honorar für die Verwalter nach der Insolvenzmasse und berechnet sich nach festen Quoten. Je nach Arbeitsaufwand und Komplexität des Verfahrens sind dabei auch Zuschläge möglich. Im Fall eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung wie bei Galeria Karstadt Kaufhof sieht das Gesetz im Vergleich zu einer Regelinsolvenz eine deutlich niedrigere Vergütung vor. Ein Sachwalter, der die Eigenverwaltung der Geschäftsführung überwacht, hat per Gesetz deutlich weniger Aufgaben als ein Insolvenzverwalter in einem Regelverfahren.

Bei der früheren Karstadt-Mutter Arcandor hatte der damalige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach der Pleite 2009 ein Honorar von etwa 32 Millionen Euro erhalten - bis dahin Rekord in Deutschland. Die bislang mit Abstand höchste Vergütung floss später dann für das Insolvenzverfahren bei der deutschen Tochter der US-Investmentbank Lehman an die Kanzlei CMS Hasche Sigle und ihren Partner Michael Frege: Dort waren es mehrere Hundert Millionen Euro. Die genaue Summe ist unbekannt.

Der Artikel erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de