Wirtschaft

Aktienbörse für Ausländer geöffnet Saudi-Arabien hofft auf Dollar-Zustrom

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Nach wie vor hängt die saudische Wirtschaft hauptsächlich von den Öleinnahmen ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Börse in Saudi-Arabien war bisher inländischen Anlegern vorbehalten. Heimisches Kapital war in Zeiten hoher Ölpreise so reichlich vorhanden, dass Firmen auf ausländische Investoren verzichten konnten. Das hat sich allerdings geändert.

Fast ein Jahr nach Bekanntwerden der ersten Pläne hat mit Saudi-Arabien die größte Volkswirtschaft des Nahen Ostens ihren Aktienmarkt für ausländische Anleger. Seit heute können Investoren aus dem Ausland zum ersten Mal direkt an dem 590 Milliarden US-Dollar schweren Aktienmarkt handeln, der lokal unter dem Namen Tadawul firmiert.

Von Öffnung des Aktienmarktes verspricht sich das Königreich, einen zweistelligen Milliardenbetrag an Dollarinvestitionen in das Land zu locken. Damit sinkt auch der Druck auf die Regierung in Riad, was die Förderung des privaten Sektors auch bei einem schwachen Ölpreisausblick angeht.

In den vergangenen zehn Jahren erzielte Saudi-Arabien ein solides Wirtschaftswachstum erzielt, hunderte von Milliarden Dollar brachte dabei vor allem die Ölindustrie ein. Der kräftige Rückgang des Rohölpreises seit Mitte 2014 führte jedoch dazu, dass die enormen öffentlichen Ausgaben nicht mehr allein durch die Öleinnahmen gestemmt werden können - ein massiver Einsatz von Devisenreserven ist dieses Jahr zusätzlich nötig. Saudi-Arabien steht zwar auf Platz 19. der größten Volkswirtschaft der Erde, ist allerdings in hohem Maße vom Ölgeschäft abhängig.

Die Investmentbank Alistithmar Capital mit Sitz in Riad beschreibt die Öffnung des vor allem von lokalen Anlegern dominierten Aktienmarktes als "historische Übergangsphase", da die in Saudi-Arabien gelisteten Unternehmen nun Zugang zu internationalem Fachwissen und stabileren Geldquellen hätten. Ausländische Anleger könnten dafür in einige der am schnellsten wachsenden Unternehmen des Nahen Ostens investieren und Zugang zum bevölkerungsreichsten Land am Persischen Golf erhalten, heißt es.

Bis zu 40 Milliarden Dollar erwartet

Weil Saudi-Arabien den größten und liquidesten Markt in Nahost und Nordafrika biete, gebe es naturgemäß großes Interesse an der Marktöffnung, betont Khatija Haque von Emirates NBD. Der Zeitpunkt sei gut gewählt, da ausländische Mittelzuflüsse den zu erwartenden Rückgang des Haushaltsüberschusses im Jahr 2015 kompensieren könnten. Aktuell befände sich ein Prozent der Marktkapitalisierung in ausländischer Hand - ein Anstieg auf fünf Prozent würde einen Mittelzufluss von 25 Milliarden Dollar bedeuten, heißt es.

Die Begeisterung über die Liberalisierung spiegelte sich schon vor der Marktöffnung in einer umfangreichen Kursrally wider - dank dem Anstieg des Börsenbarometers um 16 Prozent seit Jahresbeginn ist Saudi-Arabien der Top-Performer in der Golfregion. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,5 befindet sich die Bewertung der Unternehmen annähernd auf 5-Jahres-Hoch, wie die Credit Suisse feststellt. Im Schnitt werden die Aktien der Golfregion mit einem KGV von 14,2 gehandelt, der weltweite KGV-Durchschnitt der Wachstumsmärkte liegt bei 11,9.

Analysten gehen davon aus, dass dem Tadawul bis zu 40 Milliarden Dollar zufließen werden, unter anderem auch deshalb, weil er von Indexanbietern wie MSCI Inc. als Wachstumsmarkt eingestuft wird. MSCI hatte in der vergangenen Woche eine Prüfung der Marktzuganges für ausländische Anleger angekündigt, was allerdings bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen könne. Die Öffnungsprozess selber dürfte ebenfalls einige Zeit dauern, heißt es bei Al Masah Captital. Insofern sei nicht unbedingt damit zu rechnen, dass sich Anleger gleich in Scharen in den Tadawul stürzten.

Quelle: n-tv.de, mbo/DJ

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