Wirtschaft

Supermarktkette vor Zerschlagung Sieben Real-Filialen schließen schon bald

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Für viele Real-Supermärkte sieht es düster aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Verkauf der Einzelhandelskette Real an eine Investorengruppe ist die Schließung von sieben Filialen besiegelt. Weitere Märkte sollen folgen. Die Gewerkschaft Verdi sieht bis zu zehntausend Arbeitsplätze in Gefahr - und kritisiert den Verkaufsprozess scharf.

Noch ist die Tinte unter dem Kaufvertrag für die Supermarktkette Real kaum getrocknet, da wird es ernst für die ersten Mitarbeiter des Unternehmens. Bis spätestens Mitte nächsten Jahres sollen sieben Geschäfte ihre Tore schließen. Betroffen sind die Standorte:

  • Bamberg
  • Deggendorf
  • Augsburg
  • Papenburg
  • Rheine
  • Bad Sobernheim
  • Wildau bei Berlin

Insgesamt sind an diesen Real-Standorten rund 650 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Schließungen seien mit dem künftigen Real-Eigentümer, dem russischen Finanzinvestor SCP, besprochen. SCP hatte bereits kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages mit der Metro angekündigt, rund 30 Filialen mangels Zukunftsperspektiven schließen zu wollen. Der Rest der Kette soll zerschlagen werden. Ein Großteil der 276 Real-Märkte soll an Wettbewerber wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft werden. Nur ein Kern von 50 Filialen soll noch 24 Monate unter dem Namen Real weitergeführt werden.

Gewerkschaft sieht Politik in der Pflicht

Bei der Gewerkschaft Verdi klingeln angesichts der Situation die Alarmglocken. "Das ist ein bitterer Tag für die Beschäftigten bei Real, und es sind wohl leider nicht die letzten schlechten Nachrichten nach diesem desaströs geführten Verkaufsprozess", bemerkte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Sie hatte am Vorabend Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDUaufgefordert, endlich aktiv zu werden und alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. "Es geht um 34.000 Menschen mit ihren Familien, die nicht wissen, ob sie in einem Jahr noch Arbeit haben", sagte sie in Düsseldorf. Hier sei die Bundesregierung gefordert.

Die Gewerkschaft sieht nach früheren Angaben im Zuge der Übernahme bis zu 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Dabei geht es nicht nur um die 30 Filialen, die geschlossen werden sollen. Auch die Zukunft der Arbeitsplätze bei den 50 Filialen, die als Real-Kern noch mindestens 24 Monate weiterbetrieben werden sollen, sei ungewiss, meinte der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzelhandel, Orhan Akman.

Mitarbeitern steht unsichere Zukunft bevor

"Niemand ist in der Lage, ein Unternehmen mit lediglich 50 Warenhäusern auf Dauer wirtschaftlich zu betreiben", ist der Branchenkenner überzeugt. Das Ganze sei nicht mehr als eine "Beruhigungspille" für die Mitarbeiter. Und selbst bei den Geschäften, die an Wettbewerber abgegeben werden, können die Beschäftigen laut Verdi nicht sicher sein, ihre Jobs zu behalten. Denn viele der Real-Filialen müssten aufwendig renoviert oder sogar in mehrere Läden aufgeteilt werden, um eine Zukunft zu haben. Dies während des laufenden Betriebs zu machen, sei in vielen Fällen eine Illusion.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass vielen Mitarbeitern wegen der langen Umbauzeiten am Ende doch gekündigt werden könnte und sie sich später bei den Nachfolgeunternehmen neu bewerben müssen. Damit würden sie ihre zum Teil über Jahrzehnte angehäuften sozialen Ansprüche verlieren. Um das zu verhindern, will Verdi versuchen, mit SCP und den potenziellen Käufern von Real-Filialen wie Kaufland oder Edeka Sozialtarifverträge abzuschließen, die einen reibungslosen Übergang garantieren.

SCP-Group-Chefin Marjorie Brabet-Friel hatte kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages angekündigt, der Finanzinvestor werde versuchen, "Schließungen und Entlassungen so weit wie möglich zu vermeiden". Doch schränkte sie zugleich ein, das weitere Vorgehen von SCP hänge auch vom künftigen Engagement der anderen Beteiligten, von den Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaften über die Politik bis hin zu den Vermietern ab.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa