Wirtschaft

Schmale Zentrale Siemens Energy legt Firmensitz nach Berlin

105004544.jpg

Siemens Energy ist 67 Prozent am Windturbinenbauer Siemens Gamesa beteiligt.

(Foto: picture alliance / Jörg Sarbach/)

Die neueste Siemens-Abspaltung zieht in die Hauptstadt. Die künftig eigenständige Energiesparte nennt als Grund vor allem die Nähe zur Politik. Einzelnen Vorstände bleiben aber an den Standorten. Immerhin soll im nächsten Jahr der Firmenchef an die Spree ziehen.

Die Hauptstadt Berlin könnte schon bald ihren dritten Dax-Konzern bekommen. Wie der Technologiekonzern Siemens mitteilte, soll die am morgigen Freitag in die Selbstständigkeit entlassene Energietochter Siemens Energy ihre Zentrale in der Metropole haben. Das hat der Vorstand nach monatelangen Diskussionen und Prüfungen beschlossen. "Wir müssen die öffentliche und politische Debatte um die Energiewende als Unternehmen aktiv und intensiver mitgestalten", sagt Vorstandschef Christian Bruch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Neben der Bundeshauptstadt wurden München, Erlangen und Mülheim als potentielle Unternehmenssitzes geprüft.

Am Nachmittag waren die Mitarbeiter und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller informiert worden. Bruch sagte, dass es nur einen sehr kleinen Sitz mit einem schlanken Stab geben werde. Zentralfunktionen würden an verschiedene Standorten verteilt, ebenso die Vorstände. Der Vorstandschef will aber spätestens Anfang 2021 nach Berlin ziehen. Die Konzernleitung wird schätzungsweise lediglich 150 Mitarbeiter haben.

Siemens Energy wird am morgigen Freitag vom Siemens-Konzern abgespalten und zu Beginn der neuen Woche erstmals an der Börse in Frankfurt notiert werden. Es ist die bislang größte Abspaltung einer Unternehmenssparte, die es in Deutschland gegeben hat. Mit mehr als 20 Milliarden Euro Börsenwert und einem hohen Streubesitz von 55 Prozent könnte der Börsenneuling schon im September 2021 in den Dax aufsteigen, schreibt die Zeitung. Berlin bekäme damit nach Deutsche Wohnen und Delivery Hero einen weiteren Konzern aus der ersten Börsenliga.

Zügige Erfolge bei der Profitabilität

Der von Siemens-Chef Joe Kaeser angemahnte Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohleenergie soll laut Bruch noch in diesem Jahr erstellt werden. "Die Frage lautet nicht, ob wir aus der Kohle rausgehen, sondern wann und wie." Siemens steht nicht zuletzt wegen eines umstrittenen Kohleprojektes in Australien seit Ende vergangenen Jahres im Kreuzfeuer von Umweltaktivisten. Bruch versprach überdies, beim Thema Profitabilität "zügig erste Erfolge" zu vermelden. Das Unternehmen ist in verschiedensten Bereichen von der Windkraft über Stromübertragung bis zu Turbinen für Gas- und Kohlekraftwerke tätig.

Damit baut Siemens sein Engagement in der Hauptstadt und damit auch am Gründungsort des Unternehmens aus. In den kommenden Jahren will der Dax-Konzern einen großen Innovationscampus errichten. Siemens kündigte seinerzeit an, "bis zu 600 Millionen Euro in eine neue Arbeits- und Lebenswelt" zu investieren. Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Siemens in Berlin.

Der Campus wird auf einem historischen Industriegelände in der Siemensstadt in Berlin-Spandau auf einer Fläche von 700.000 Quadratmetern bis 2030 entstehen. Dort sollen Forschungseinrichtungen, Fach- und Gründungszentren sowie Start-up-Firmen angesiedelt werden, aber auch Wohnungen entstehen.

Update: In einer ersten Version war vom formalen Firmensitz die Rede, der nach Berlin zieht. Das Unternehmen hat den entsprechenden Bericht präzisiert. Der Verwaltungssitz bleibt in München.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ