Wirtschaft

Alle Standorte bleiben erhalten Siemens streicht 2900 Stellen

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Technologie-Konzern Siemens hadert seit Monaten mit seiner Kraftwerkssparte. Wegen weltweiter Überkapazitäten verdient der Konzern hier kaum Geld und zückt den Rotstift. Nun steht der Umfang der Einsparungen fest.

Siemens baut in der angeschlagenen Kraftwerkssparte in Deutschland 500 Arbeitsplätze weniger ab als geplant. Das ist das Ergebnis der monatelangen Verhandlungen mit der IG Metall und dem Betriebsrat, wie der Münchner Industriekonzern mitteilte. Deutschlandweit fallen 2900 Stellen weg, weil entgegen der ursprünglichen Planung das Werk im ostsächsischen Görlitz und die Fertigung im Berliner Dynamowerk erhalten bleiben. Der Schwerpunkt der Stellenkürzungen liegt nun im Westen statt im strukturschwachen Osten des Landes.

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Aufatmen kann die Belegschaft vor allem in Görlitz. Dort stand das gesamte Werk mit 720 Mitarbeitern zur Disposition, nun sollen nur 170 Stellen gestrichen werden. Auch Erfurt, wo ein Verkauf des Werks scheiterte, soll eine Perspektive bekommen. In Berlin fallen in zwei Werken insgesamt 700 Stellen weg, weniger als geplant. In Mühlheim werden 600 und in Erlangen 500Stellen gestrichen. Das Werk in Leipzig soll verkauft werden. Siemens will mit dem Stellenabbau weltweit weiterhin 500 Millionen Euro in der Sparte Power & Gas (PG) einsparen, davon 270 Millionen in Deutschland.

Die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich zufrieden mit dem Kompromiss: "Betriebsbedingte Kündigungen wird es weder jetzt noch in Zukunft geben, wenngleich wir einen Stellenabbau nicht vollständig verhindern konnten und die Einschnitte schmerzhaft sind", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch im Siemens-Aufsichtsrat sitzt.

Die Stellenstreichungen seien wegen der wegbrechenden Aufträge für konventionelle Gas- und Dampfkraftwerke unvermeidlich, betonte Vorstandsmitglied Lisa Davis. Die Branche leidet unter enormen Überkapazitäten. "In den vergangenen Monaten haben sich die Marktprognosen noch einmal deutlich verschlechtert. Wir müssen die Maßnahmen jetzt schnell umsetzen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit abzusichern", forderte Davis.

Im Grundsatz hatte sich Siemens bereits im Mai mit den Arbeitnehmervertretern geeinigt. Vor allem die anfangs geplante Schließung in Görlitz hatte öffentlichen Unmut ausgelöst. Nun ging es nur noch um Details. Die Zeit drängte, weil der Konzern die Kosten für den Stellenabbau noch im Geschäftsjahr 2017/18 verbuchen wollte, das am 30. September endet. Weltweit hatte Siemens den Abbau von 6900 Arbeitsplätzen bei Power & Gas und in der benachbarten Antriebssparte PD beschlossen. Wie sich die Einigung in Deutschland auf die Gesamtzahl auswirkt, ließ der Konzern offen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts