Wirtschaft

Robinhood-Rally So vermeiden Sie häufige Anlegerfehler

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Die Börse ist keine Einbahnstraße.

(Foto: picture alliance / dpa)

Angelockt von schnellen Kursgewinnen haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Kleinanleger den Sprung an die Börse gewagt - die Realität holte viele jedoch schnell ein. Dabei ist es auch ohne riskante Zockerei für Neueinsteiger möglich, attraktive Gewinne zu erzielen. 

Es brauchte wohl erst eine Pandemie, um auch hierzulande eine Begeisterung für Aktien zu wecken. In der Hoffnung, von der heimischen Couch aus schnelles Geld zu verdienen und angelockt von der kräftigen Kurserholung seit Mitte März wagten zuletzt viele Glücksritter den Sprung aufs Parkett. Broker wie Comdirect, Flatex, aber auch neue Häuser wie Smartbroker erleben einen Ansturm an Depot-Eröffnungen. In den USA eröffneten beim Anbieter Robinhood im ersten Quartal drei Millionen Neukunden ein Depot.

Angelockt von kostenfreien Transaktionen und Apps mit spielerischer Bedienoberfläche brummt die Kleinanleger-Rally auf Hochtouren. Doch die Börsen-Karriere droht bei vielen ein ebenso schnelles Ende zu nehmen. Nicht selten werden sogar Kredite aufgenommen, um mit noch mehr Einsatz dabei zu sein. Dabei ist es einfach und risikoärmer, die Chancen an den Finanzmärkten zu nutzen und langfristig profitabel zu sein. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Regeln.

Regel Nummer eins: Den Traum vom schnellen Reichtum an der Börse vergessen. Auch wenn der Dax seit dem Jahrestief von Mitte März um mehr als 50 Prozent zulegte, ist die Börse keine Einbahnstraße. Ohnehin sind die kräftigen Gewinne der vergangenen Wochen ungewöhnlich und vor allem auf die beispiellosen Liquiditätsmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken zurückzuführen - denn dadurch sind die Zinsen niedrig, und allein das macht Aktien attraktiv. Dennoch lohnt es sich, an der Börse zu investieren. Angesichts der niedrigen Zinsen führt an der Aktienanlage kein Weg vorbei. Langfristig sind so Renditen von rund sieben bis acht Prozent pro Jahr möglich.

Wichtig ist vor allem, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Die Mischung macht’s, auch an der Börse. Wer eine Aktie überproportional im Portfolio gewichtet, geht hohe Risiken ein, wie viele Wirecard-Aktionäre erfahren mussten. Fehler und Fehleinschätzungen gehören an der Börse aber zum Geschäft. Als Anleger gilt es, aus Fehlern zu lernen. Dies ist nur dann möglich, wenn die Rückschläge nicht im Totalverlust enden und einzelne Positionen das gesamte Depot in Schieflage bringen. Ein solches Lehrgeld kann vermieden werden, wenn man sich den Rat von erfahrenen Anlegern oder Tradern einholt. Über Social Trading-Plattformen wie etwa von eToro können alle Anleger miteinander kommunizieren und ihre Erfahrungen austauschen.

Simple Erfolgsformel

Für jedes Börsenengagement ist eine breite Streuung der Schlüssel zum Erfolg. Langfristiger ist dieser Aspekt wichtiger als das Timing, also wann der "beste" Zeitpunkt für ein Wertpapierkauf oder -verkauf ist. Denn schwache Börsenphasen können durch die Auswahl geeigneter Aktien besser überstanden werden als hektisches Trading, dass zusätzlich Gebühren frisst. Einfach und kostengünstig umsetzen, lässt sich eine solche Strategie mit Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Die Papiere bilden einen Index oder ein Themengebiet ab und überzeugen mit geringen Konditionen und hoher Transparenz. Über Sparpläne können verschiedene Indizes wie etwa der Dax abgedeckt werden. Der Einsatz für einen Sparplan beginnt bei 25 Euro im Monat.

Zahlreiche Broker und Banken bietet inzwischen Sparpläne kostenlos an, bei den Depotgebühren und den Kosten für den Wertpapierhandel sind die Onlinebroker meist günstiger als die Banken. Zahlreiche Anleger führen außerdem Konten bei mehreren Instituten, weil Banken und Broker meist unterschiedliche Angebote haben und dadurch die Handelsmöglichkeiten besser sind.

Eine grobe Faustformel für den langfristigen Börsenerfolg darf ganz unabhängig von Banken, Broker oder Handelsplattformen nicht fehlen: Rund 30 bis 50 Prozent des Börsenkapitals sollte in ETFs investiert werden, um eine Basisabdeckung zu erreichen. Fonds sind für den aktiven Anleger eine Möglichkeit der Beimischung. Allerdings sind die Gebühren in der Regel höher als bei ETFs und meist schaffen es Fonds nicht, die Wertentwicklung eines vergleichbaren Index auf Dauer zu übertreffen. Eine Alternative sind daher Einzelaktien, für Neueinsteiger bieten sich die Standardwerte aus den großen Börsenindizes an.

Ein gut aufgestelltes Neueinsteigerdepot setzt sich aus ganzen Märkten, Regionen und Branchen zusammen und beinhaltet je nach Risikogeschmack bestimmte Megathemen der Zukunft wie etwa Digitalisierung oder Gesundheit. Sie lassen sich auch über ETFs abdecken, gleichzeitig auch über Zertifikate, die dann 20 bis 30 Prozent eines Einsteigerdepots ausmachen können. Als defensiven Part eignet sich ein Investment von zehn Prozent in Gold oder Anleihen. Der Rest kann für spekulative Trading-Ideen verwendet werden. So wirken sich Fehleinschätzungen an der Börse nur wenig negativ aus - und die Gewinnchancen bleiben langfristig erhalten.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von einzelnen Aktien, ETFs, Zertifikaten oder anderen Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Benjamin Feingold betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an. Dort können Sie sich auch für Trainingskurse registrieren.

Quelle: ntv.de