Wirtschaft

Spanien sprengt mit Anleihe alle Dimensionen Anleger stehen auf Krisenbonds

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Spanien glückt eine Mega-Transaktion: Auf einen Schlag sammelt Madrid die Rekordsumme von zehn Milliarden Euro bei Investoren ein. Das entspricht annähernd dem Doppelten dessen, was Spanien zuletzt an zehnjährigen Papieren an den Markt brachte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Regierungen der schuldengeplagten Euro-Krisenländer triumphieren. Kaum zu glauben, aber wahr: Sie können wieder billig Geld tanken. Ihre Anleihen stehen bei den Anlegern hoch im Kurs. Experten warnen: Der Reformeifer könnte darunter leiden.

Gestern erst vor der Pleite gerettet, heute Anlegers Liebling: Die Finanzmärkte haben die lange verschmähten Euro-Krisenstaaten wiederentdeckt. Irland und Portugal erhalten endlich wieder Kredit von Investoren. Italien und Spanien können sich so günstig Geld leihen wie selten zuvor. Selbst Griechenland plant eine Rückkehr an die Märkte. Doch Experten warnen vor Euphorie - die wirtschaftliche Lage bleibt kritisch.

Die krisengeschüttelten Länder der Eurozone haben zum Jahresauftakt ein beeindruckendes Comeback an den Finanzmärkten geliefert. Jüngstes Beispiel: Spanien. Zur Wochenmitte sammelte Madrid auf einen Schlag die Rekordsumme von zehn Milliarden Euro bei Investoren ein. Die Gebote für die zehnjährigen Staatsanleihen lagen bei atemberaubenden 40 Milliarden Euro. Lediglich 3,845 Prozent betrug die Rendite des mit einem Kupon von 3,80 Prozent ausgestatteten Papiers. Zuvor hatten sich Anleger bereits um Staatspapiere aus Irland und Portugal gerissen.

Sogar Athen sendet Lebenszeichen

"Die Euroländer befreien sich aus der Krise - eins nach dem anderen", sagt Volkswirt Christian Schulz von der Berenberg Bank. Sogar in Athen hat man neue Hoffnung geschöpft: "2014 wird Griechenland an die Märkte zurückkehren", kündigte Regierungschef Antonis Samaras in seiner Neujahrsansprache an. Ökonomen zweifeln daran stark. "Ich sehe selbst in einem günstigen Umfeld große Schwierigkeiten", sagt Chefvolkswirt Jürgen Michels von der BayernLB.

Dennoch: Wenn sogar Griechenland laut über das bislang Undenkbare nachdenkt, muss die Zuversicht an den Märkten groß sein. Zu groß, mahnen bereits einige Experten. "Ich bin immer noch besorgt", sagte der ehemalige Bundesbankchef und jetzige UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber auf dem Weltwirtschaftsforum WEF im Schweizer Davos.

Leiden Anleger an Realitätsverlust?

Tatsächlich klafft zwischen der Zuversicht der Anleger und der wirtschaftlichen Realität im Euroraum eine große Lücke. Während die Renditen für Staatsanleihen in Richtung historischer Tiefstände sinken, kommt die Konjunktur nur mühsam in die Gänge. Nach jahrelanger Durststrecke prognostiziert beispielsweise der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2014 nur ein mageres Wachstum von 1,0 Prozent. Zu wenig für durchschlagende Erfolge beim Abbau der riesigen Schuldenberge, die die Staaten angehäuft haben.

Manche Experten sehen die entspannte Lage an den Märkten sogar als Gefahr an. "Die Schuldenkrise beruhigt sich weiter - eine Beruhigung, die schon fast beängstigend ist", sagt Cyrus de la Rubia, Chefökonom der HSH Nordbank. Denn sie könne dazu führen, dass die Reformbemühungen in den schuldengeplagten Ländern der Eurozone erlahmen. "Die Dinge sehen besser aus, als sie sind. Europa ist nicht zurück", warnt UBS-Chef Weber.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa