Wirtschaft

Mittels hoher Vermögenssteuer Star-Ökonom fordert 120.000 Euro für jeden

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Thomas Pikettys enorme Vermögenssteuer würde viele Unternehmer praktisch enteignen.

(Foto: imago/Belga)

Der Vorschlag hört sich utopisch an: Der französische Wirtschafswissenschaflter Piketty will den Reichtum einer Gesellschaft umverteilen. Dafür fordert er eine Vermögenssteuer von bis 90 Prozent. Im Gegenzug sollen junge Erwachsene eine "einmalige Erbschaft" von 120.000 Euro pro Kopf erhalten.

Der französische Ökonom Thomas Piketty fordert hohe Vermögenssteuern bis 90 Prozent. Aus den Erlösen solle der Staat jedem Erwachsenen zu seinem 25. Geburtstag 120.000 Euro als eine Art einmalige Erbschaft zahlen, sagte der Ungleichheitsforscher gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Piketty hatte mit seinem Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" einen Bestseller gelandet. Seine These, dass die Ungleichheit zwangsläufig steigen müsse, wenn der Zins über dem Wirtschaftswachstum liegt, beeinflusste die Debatte um Ungleichheit in vielen Ländern. Kommende Woche erscheint sein neues Buch auf Deutsch. Darin untersucht er, mit welchen Argumenten Ungleichheiten im Lauf der Geschichte begründet wurden.

Pikettys enorme Vermögenssteuer würde viele Unternehmer praktisch enteignen. Das findet Piketty gut. Die deutschen Familienunternehmer sollten ihre Firmenanteile an die Mitarbeiter geben, sagte er laut dem Zeitungsbericht. "Man muss ja kein Familienmitglied sein, um gute Ideen zu haben. Der Wohlstand muss viel schneller durch die Gesellschaft zirkulieren."

Heiligsprechung einzelner "armselig"

"Bill Gates und Steve Jobs haben nicht den Computer erfunden. Das waren Zehntausende von Ingenieuren", sagte Piketty. Und weiter: "Diese Heiligsprechung eines einzelnen Menschen, als wäre er wie Gott - das ist ein bisschen armselig. Wir leben im 21. Jahrhundert. Es ergibt keinen Sinn, Individuen so ins Zentrum der Geschichte zu stellen."

Sein Buchhonorar für den Bestseller liegt auf der Bank "und wartet dort auf die Vermögenssteuer", so Piketty weiter. "Meine Erfahrungen mit dem Bucherfolg haben mich darin bestärkt, dass man Vermögen mit 90 oder 95 Prozent besteuern muss: Ich hatte vorher schon ein gutes Gehalt, ich brauche das viele Geld nicht. Das Buch konnte ich schreiben, weil ich von meinen Kollegen profitiert habe. Ein Teil des Erfolges war auch pures Glück. Mein Buch war nicht tausendmal besser als die Bücher von anderen."

Quelle: ntv.de, kst