Wirtschaft

Viele arbeiten in EngpassberufenStudie beziffert Bedarf an Ausländern für Arbeitsmarkt im Osten

04.09.2026, 01:02 Uhr
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Training für ausländische Pflegefachkräfte in Sachsen-Anhalt. (Foto: picture alliance/dpa)

Können sich Bundesländer wie Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern die von der AfD geforderte restriktive Ausländerpolitik überhaupt leisten? Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft rechnet vor, dass mit dem Abgang der Boomer internationale Arbeitskräfte immer wichtiger werden.

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt eine neue Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), wie stark Ostdeutschland inzwischen auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist. Ohne Zuwanderung aus der EU und aus Drittstaaten - also Ländern außerhalb der Europäischen Union - wäre die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den ostdeutschen Flächenländern um rund 191.000 oder 5,3 Prozent niedriger. Das geht aus dem Bericht hervor, der den Zeitungen der Funke Mediengruppe exklusiv vorliegt. 

Der Analyse zufolge geht seit 2019 die Zahl der qualifizierten Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit zurück. EU-Bürger leisten zwar weiterhin einen positiven Beitrag, dieser nimmt aber deutlich ab. Drittstaatsangehörige werden dagegen zunehmend wichtiger. "Die Zuwanderung aus der EU hat den demografischen Wandel am Arbeitsmarkt zwar lange gedämpft, diese Quelle versiegt jedoch, wodurch eine Stabilisierung des Fachkräfteangebots ohne Drittstaatler zukünftig kaum möglich sein wird", sagte IW-Fachkräfteexperte Fabian Semsarha den Zeitungen. 

Fast 160.000 internationale Fachkräfte arbeiten den Angaben zufolge inzwischen in Engpassberufen. Besonders groß ist ihre Bedeutung in der Logistik, im Gesundheitswesen und in der Gastronomie. Fast ein Viertel der Berufskraftfahrer in den ostdeutschen Flächenländern hat keinen deutschen Pass. Bei Köchinnen und Köchen sind es Angaben Semsarhas zufolge knapp 20 Prozent, bei angestellten Ärzten rund ein Viertel. Auch in der Krankenpflege, der Kfz-Technik und weiteren Berufen mit Fachkräfteengpässen stellen internationale Beschäftigte einen erheblichen Anteil. "Durch einen Einbruch der Migration oder eine verstärkte Abwanderung würden Branchen unterschiedlichster Lebensbereiche stark unter Druck geraten, wie die Logistik, der Gesundheitssektor oder die Gastronomie", warnte Semsarha. 

Boomer gehen in den Ruhestand

Die Entwicklung trifft Ostdeutschland zu einem besonders angespannten Zeitpunkt. Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus. Gleichzeitig wandern seit 2023 wieder mehr Menschen aus Ostdeutschland in Richtung Westen ab. Hinzu kommt, dass der Anteil zugewanderter Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern im bundesweiten Vergleich weiterhin niedrig ist. 

Regional fällt die Entwicklung unterschiedlich aus. In Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten trotz Zuwanderung um 6448 beziehungsweise 12.207 Personen gesunken. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ging zwar die Zahl der deutschen Fachkräfte zurück, ausländische Beschäftigte glichen diesen Rückgang jedoch nicht nur aus, sondern sorgten sogar für ein Beschäftigungswachstum. Sachsen ist das einzige ostdeutsche Flächenland, in dem sowohl die Zahl der deutschen als auch der ausländischen Fachkräfte gestiegen ist. 

In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Die AfD macht im Wahlkampf unter anderem gegen die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte mobil und wirbt stattdessen dafür, stärker auf inländische Arbeitskräfte zu setzen. 

Quelle: ntv.de, mau