Wirtschaft

Was bedeutet die Waffenruhe?Tankstellen erhöhen Preise - trotz Iran-Feuerpause

08.04.2026, 14:02 Uhr
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An den Zapfsäulen macht sich die Feuerpause erst ganz leicht bemerkbar. (Foto: picture alliance / M.i.S.)

Erleichterung bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern: Nach der Iran-Feuerpause fallen die Preise für Rohöl rasant. Doch an den Zapfsäulen kommt das nicht so richtig an. Und es könnte noch dauern.

Ganz langsam läuft der Verkehr wieder an: Mittlerweile zwei Schiffe haben es seit Beginn der Feuerpause zwischen dem Iran und den USA schon durch die Straße von Hormus geschafft. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher hoffen deshalb: Mit der Wiedereröffnung des Seewegs sinken auch wieder die Preise an den Zapfsäulen. Immerhin sind die Rohölpreise infolge der Einigung am Morgen abgestürzt. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich etwa um 12,9 Prozent auf 95,22 US-Dollar.

Doch die Realität zeigt etwas anderes: Trotz der stark gesunkenen Rohölpreise haben die allermeisten Tankstellen am Mittag ihre Preise deutlich erhöht. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilt. Nach der Erhöhung kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.

Bei genauer Betrachtung deuten die jüngsten Anhebungen in Richtung sinkender Spritpreise, denn der Anstieg an diesem Mittwochmittag war der bisher niedrigste seit Einführung der 12-Uhr-Regel vor einer Woche. Sie besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich.

Preise steigen schnell, sinken aber langsam

Noch vergangene Woche hatten die Preissprünge um die Mittagszeit teilweise mehr als 10 Cent betragen, nun geht es weniger stark nach oben. Und auch die Durchschnittspreise um 12.15 Uhr sind niedriger als am Vortag zur selben Zeit - bei E10 um knapp 3 Cent, bei Diesel sogar um gut 3 Cent.

Der ADAC fordert, dass der gesunkene Ölpreis "zügig an die Verbraucher weitergegeben werden" muss. Wie schnell dies passiert, ist aber unklar. Das Bundeskartellamt hat in der Vergangenheit beobachtet, dass Kostensteigerungen schnell im Preis sichtbar werden, sinkende Kosten aber nur langsam. Auch die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Hoch gehen die Preise immer schnell, die Absenkung dauert in der Regel einige Tage. Ich gehe aber davon aus, dass die niedrigeren Ölpreise weitergegeben werden."

Unterdessen hat die Bundesregierung die Hoffnung auf rasch sinkende Spritpreise infolge der Einigung auf eine Waffenruhe in Nahost gedämpft. Der Friedensprozess sei weiterhin "mit großen Unsicherheiten behaftet", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille. "Wir sind noch weit von einem Abkommen entfernt, und erhebliche Rückschläge sind jederzeit möglich."

Zudem brauche die Wiedereröffnung der Straße von Hormus Zeit und stelle auch nicht unmittelbar die Situation von vor den US-israelischen Angriffen auf den Iran wieder her, führte Hille aus. "Es wird Zeit in Anspruch nehmen, bis die Schifffahrt wieder das Vorkriegsniveau erreicht und das Angebot am Weltmarkt stabilisiert ist. Und es wird dauern, bis zerstörte Produktionsanlagen wieder hergestellt sind."

Pessimismus in den USA

"Dementsprechend wird es auch dauern, bis deutliche Preissenkungen bei uns ankommen", sagte der Regierungssprecher. Allerdings waren die Rohölpreise am Weltmarkt unmittelbar nach der Verkündung der Waffenruhe durch US-Präsident Donald Trump massiv gesunken - genau, wie sie auch unmittelbar nach Beginn der Angriffe in Erwartung der Transportengpässe durch die Straße von Hormus sofort gestiegen waren.

In Frankreich gibt es bereits erste Einschätzungen, wie stark der Effekt sein könnte: Der Vorsitzende der Ölindustrieunion, Olivier Gantois, sagte im Sender France Info, dass die Spritpreise in den kommenden Tagen um 5 bis 10 Cent pro Liter sinken könnten, falls sich der Ölpreis pro Barrel bei etwa 93 bis 95 US-Dollar halten sollte.

Deutlich pessimistischer ist man dagegen in den USA: Die Energiebehörde EIA schätzt selbst nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus, dass die Preise noch monatelang steigen könnten. Eine vollständige Wiederherstellung der Öltransporte durch die Meerenge werde auch nach einem Ende des Konflikts Monate dauern, teilt die Behörde in ihrem kurzfristigen Energieausblick mit. Wegen der Unsicherheit über künftige Lieferausfälle dürften die Ölpreise bis zum Jahresende über dem Vorkrisenniveau bleiben. "Ebenso wie wir noch nie erlebt haben, dass die Meerenge geschlossen wurde, haben wir auch noch nie erlebt, dass sie wieder geöffnet wird", erklärt die EIA. "Wie genau das ablaufen wird, bleibt abzuwarten."

Quelle: ntv.de, ses/rts/AFP/dpa

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