Wirtschaft

Zerwürfnis beim Krisen-Konzern Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff soll gehen

Erst seit Juli 2018 steht Kerkhoff an der Spitze des strauchelnden Industriekonzerns Thyssenkrupp. Nun will der Aufsichtsrat ihn wieder loswerden. Dessen Chefin soll zunächst das Ruder übernehmen. Waren die Differenzen zwischen Vorstand und Kontrollgremium zu groß?

Beim Traditionskonzern Thyssenkrupp steht erneut ein Wechsel an der Führungsspitze an. Vorstandschef Guido Kerkhoff soll nach dem Willen maßgeblicher Aufsichtsräte nach etwas mehr als einem Jahr schon wieder gehen. Der Personalausschuss des Aufsichtsrats habe dem Aufsichtsrat empfohlen, mit Kerkhoff "Verhandlungen über eine zeitnahe Beendigung seines Vorstandsmandates aufzunehmen", wie das Unternehmen überraschend mitteilte. Aufsichtsratschefin Martina Merz solle interimistisch - für eine maximale Dauer von zwölf Monaten - als Vorsitzende in den Vorstand entsandt werden.

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Gründe für den ungewöhnlichen Schritt wurden zunächst nicht genannt. Zuletzt soll es allerdings unterschiedliche strategische Vorstellungen gegeben haben. Das Aufsichtsratspräsidium habe sich neue Führungskräfte gewünscht, hieß es. Kerkhoff steht erst seit Mitte Juli 2018 an der Spitze des Industriekonzerns. Er hatte eigentlich einen Vertrag bis 30. September 2023. Der einstige Finanzvorstand sollte Thyssenkrupp nach dem turbulenten Abgang des früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger wieder stabilisieren.

Thyssenkrupp steckt seit langem in der Krise

Thyssenkrupp zählt seit einigen Tagen nicht mehr zu den 30 wertvollsten Börsenunternehmen in Deutschland. Der Essener Industrie- und Stahlkonzern musste wegen seines drastisch gesunkenen Aktienkurses den Dax verlassen. Ersetzt wurde der Traditionskonzern in dem Leitindex durch den Triebwerksbauer MTU.

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Mit seinem Zick-Zack-Kurs hat sich Guido Kerkhoff das Vertrauen der Aufsichtsräte verspielt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Thyssenkrupp steckt seit langem in der Krise. Die Finanzdecke ist dünn - auch eine Folge von milliardenschweren Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und den USA. Die als Befreiungsschlag geplante Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata wurde von der EU untersagt. Kerkhoff sagte daraufhin auch die Aufspaltung des Konzerns in zwei eigenständige Unternehmen ab.

Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, hatte Kerkhoff den Börsengang oder einen Verkauf der profitablen Aufzugssparte geplant. Ihr Wert wird von Analysten deutlich höher eingeschätzt als der des gesamten Konzerns mit seinen weltweit rund 160.000 Mitarbeitern. Für die Beschäftigten hat der Dax-Abstieg keine direkten Folgen. Sie sind von dem Konzernumbau betroffen, bei dem 6000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, davon 4000 in Deutschland. Kerkhoff wollte nach früheren Angaben die Chancen nutzen. "Wichtig ist, dass wir den Konzern jetzt neu und profitabler aufstellen, um so das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen", hieß es kürzlich.

Quelle: ntv.de, hny/rts