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Dienstag, 26. Juni 2018

Präsident wütet auf Twitter: Trump: "Anfang vom Ende" für Harley

Nach der Ankündigung von Motorradbauer Harley, seine Produktion aus den USA ins Ausland zu verlagern, twittert sich US-Präsident Trump mehr und mehr in Rage. Er droht dem Unternehmen mit hohen Steuern - und prophezeit sogar dessen Untergang.

In einem wahren Rausch zieht US-Präsident Donald Trump über Motorradbauer Harley-Davidson auf Twitter her. In gleich drei Tweets schimpft er über die Ankündigung des US-Unternehmens, aufgrund der EU-Strafzölle einen Teil seiner Produktion ins Ausland zu verlagern.

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"Eine Harley sollte niemals in einem anderen Land gebaut werden", twitterte Trump. Mitarbeiter und Kunden seien bereits sehr wütend. Wenn das Unternehmen seine Ankündigung wahr mache, bedeute dies "den Anfang vom Ende", schrieb Trump und drohte: "Die Aura wird weg sein und sie werden wie nie zuvor besteuert werden!" In einem anderen Tweet hieß es zuvor bereits: "Harley muss sich im Klaren sein, nur mit einer hohen Steuer zurück in die USA verkaufen zu können".

Der Motorradhersteller hatte am Montag erklärt, durch den Schritt sollten zusätzliche Zölle umgangen und so eine Preiserhöhung für Kunden in Europa vermieden werden. Trump, der Harley-Davidson schon am Vortag gerügt hatte, beschuldigte die Firma nun zudem, die Zollpolitik nur als vorgeschobene Begründung für den Abbau von Produktionskapazitäten in den USA zu benutzen. Harley-Davidson habe - lange bevor die Zölle verhängt wurden - angekündigt, einen Großteil seines Werks in Kansas City nach Thailand zu verlagern, behauptete Trump. "Sie benutzen Zölle/Handelskrieg nur als Ausrede."

Weitere Trump-Entscheidung maßgeblich

Tatsächlich hatte der Hersteller bereits vor über einem Jahr bekanntgegeben, eine Fabrik in Thailand zu bauen. Harley hatte dies damals mit der Entscheidung Trumps begründet, dass sich die USA aus dem transatlantischen Freihandelsabkommen TPP zurückziehen. Dieses hätte die Zölle für Motorräder in einigen der am schnellsten wachsenden asiatischen Märkte gesenkt.

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Trump verteidigte zugleich seine Handelspolitik. "Wir bringen andere Länder dazu, Zölle und Handelshemmnisse, die seit Jahren ungerechtfertigterweise gegen unsere Landwirte, Arbeitnehmer und Unternehmen verwendet werden, abzubauen und zu beseitigen", schrieb Trump. "Wir öffnen geschlossene Märkte und bauen unsere Präsenz aus. Sie müssen fair spielen oder sie zahlen Zölle!"

Harley gehört zu den Firmen, denen Trump bei Amtsantritt zugesagt hatte, sie wieder groß zu machen. Bis zuletzt war Trump eigentlich ein großer Fan der Firma gewesen. "Wir sind stolz auf euch! Made in America, Harley-Davidson", hatte er vorher noch bei einem Empfang im Weißen Haus gejubelt.

Harley-Mitarbeiter halten zu Trump

Die Mitarbeiter des Motorradbauers scheinen unterdessen nicht die Schuld bei Trumps Handelspolitik zu suchen. Wie die "Financial Times" von einem Besuch am Werk in Menomonee Falls im US-Bundesstaat Wisconsin berichtet, geben sich viele der dort Angetroffenen offen als Trump-Anhänger zu erkennen - und bekräftigen diese Haltung trotz des ihnen nun drohenden Job-Verlusts.

"Er würde es nicht machen, wenn es nicht notwendig wäre. Er ist ein schlauer Geschäftsmann," zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter, der allerdings anonym bleiben will. Gefragt, ob sie die EU oder Trump für die Entscheidung von Harley zur Produktionsverlagerung verantwortlich machen, gaben die meisten an, Europa die Schuld zu geben. "Der Präsident hat nur versucht, die Stahl- und Aluminiumindustrie in den USA zu schützen", sagte ein anderer Mitarbeiter.

Harley leidet auch unter Preiskampf

Dem Motorradbauer setzt ein harter Preiskampf und eine alternde Stammkundschaft zu. Die EU hat Vergeltungszölle im Umfang von 2,8 Milliarden Euro auf amerikanische Produkte wie Motorräder, Erdnussbutter und Whiskey verhängt, weil die USA zuvor ihrerseits die Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium erhöht hatten.

Auf Harley-Davidson-Maschinen, die bis zu 43.000 Euro kosten, muss nun ein Zoll von 31 Prozent gezahlt werden, 25 Punkte mehr als vorher. Für ein durchschnittliches Motorrad erwartet Harley Mehrkosten von etwa 2200 Dollar. In einem vollen Geschäftsjahr könnten sich die Mehrkosten auf 80 bis 100 Millionen Dollar summieren. Für das 115 Jahre alte Unternehmen aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin ist die EU ist der zweitgrößte Markt nach den USA.

Quelle: n-tv.de