Wirtschaft

"Wissen Sie, warum?"Trump entdeckt seine Liebe zur Inflation

11.06.2026, 17:54 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
00:00 / 04:18
NATIONAL-HARBOR-MARYLAND-FEBRUARY-24-Republican-presidential-candidate-and-former-U-S-President-Donald-Trump-hugs-an-American-flag-as-he-arrives-at-the-Conservative-Political-Action-Conference-CPAC-at-the-Gaylord-National-Resort-Hotel-And-Convention-Center-on-February-24-2024-in-National-Harbor-Maryland-Attendees-descended-upon-the-hotel-outside-of-Washington-DC-to-participate-in-the-four-day-annual-conference-and-hear-from-conservative-speakers-from-around-the-world-who-range-from-journalists-U-S-lawmakers-international-leaders-and-businessmen
Demonstrative Liebeserklärungen können für Verwunderung sorgen. (Foto: Getty Images)

Donald Trump preist die Inflation, obwohl sie Millionen seiner Landsleute belastet. Hinter der irritierenden Aussage könnte eine politische Logik stecken - die jedoch kaum aufgehen dürfte.

Donald Trump liebt viele Dinge. Handelskriege zum Beispiel. Sie seien "gut und leicht zu gewinnen". Oder Zölle, das sei für ihn "das schönste Wort im Wörterbuch". Nun kommt Inflation hinzu.

"Die Zahlen waren großartig. Ich liebe die Inflation", sagte der US-Präsident auf die Frage, ob der Anstieg der Teuerungsrate ihn nicht beunruhige. Eine überraschende Aussage, denn für viele Amerikaner sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten eines der drängendsten Probleme. Im Mai hatte die Inflation weiter zugenommen, auf satte 4,2 Prozent.

Die Inflation wird vor allem von dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisschock getrieben. Im Februar - also vor den von Trump angeordneten Angriffen - hatte die Teuerung in den USA bei 2,4 Prozent gelegen. Im landesweiten Durchschnitt kostet Benzin an US-Tankstellen dem Automobilverband AAA zufolge inzwischen mehr als vier Dollar pro Gallone (knapp 3,8 Liter). Das sind fast 30 Prozent mehr als vor den US-israelischen Angriffen.

Daher sorgten Trumps Aussagen für Irritationen. "Ich liebe die Inflation - wissen Sie, warum? Weil, sobald dieser Krieg vorbei ist …", ergänzte er, unterbrach sich selbst und holte zu einem längeren Exkurs über den Iran-Krieg und Öl aus. Erst als ein Reporter fragte, ob die Inflation bis zu den Zwischenwahlen im November sinken werde, antwortete er: Wenn der Krieg vorbei sei, werde die Inflation schlagartig sinken.

Babylonische Sprachverwirrung

Der "New York Post" sagte Trump später, er habe gemeint: Er liebe es, dass die Inflation nicht noch höher sei. "Die Zahlen werden phänomenal sein, denn es zeigt sich, dass sie trotz des Krieges weit unter den Erwartungen liegen - und wenn der Krieg vorbei ist, werden sie sogar niedriger sein als vor dessen Beginn."

Dem früheren Fox-News-Star Bill O'Reilly zufolge sind die irritierenden Aussagen Trumps eine Kommunikationsstrategie. Man müsse sich nur bemühen, ihn zu verstehen. "Er ist wie der Turm zu Babel. Er drückt sich auf eine Weise aus, die für ihn Sinn ergibt, für andere jedoch nicht", sagte der konservative Kommentator. "Er mag die Inflation, weil er der Ansicht ist, dass die hohen Inflationsraten nach seinem Sieg [im Iran-Krieg] schneller sinken werden, als es ohne diese Inflation der Fall wäre." So gesehen steckt die Idee dahinter: erst ein Hochschießen der Inflation, dann der umso sichtbarere Rückgang - politisch verwertbar als Erfolg.

Doch diese Logik überzeugt weder ökonomisch noch politisch. Für viele Amerikaner zählt vor allem, dass der Alltag weiterhin deutlich teurer ist als noch vor einigen Jahren. Zwar hat sich die Teuerung seit den Rekordwerten der Joe-Biden-Jahre deutlich abgeschwächt. Doch die Preise sind nicht gefallen - sie steigen nur langsamer. Und dieser Anstieg beschleunigt sich unter Trump nun wieder.

Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass selbst ein deutlicher Rückgang der Inflationsrate ihm oder seinen Republikanern kurzfristig helfen wird. Die Ausgangslage ist schlecht: Seit Monaten sind Trumps Umfragewerte schwach. Gerade bei wirtschaftlicher Kompetenz - einst seine Stärke - verliert er an Zustimmung. Schon vor den Angriffen auf den Iran waren viele US-Amerikaner unzufrieden mit seinem Umgang mit der Inflation. Die Demokraten haben die steigenden Preise längst zum zentralen Wahlkampfthema für die Kongresswahlen im November gemacht.

Quelle: ntv.de

Donald Trumpmidterm electionsInflation