Wirtschaft

Anstieg auf 90 Dollar befürchtet Trump treibt Ölpreis auf Dreijahreshoch

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Iran fördert derzeit etwa vier Prozent des weltweiten Rohöls.

(Foto: imago/Xinhua)

Deutlich schlägt sich die Aufkündigung des Atom-Abkommens durch die USA auf den Ölmarkt nieder. Die Preise klettern auf den höchsten Stand seit Jahren. Und Experten gehen davon aus, dass sie noch deutlich stärker steigen werden.

Der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran hat die Ölpreise kräftig in die Höhe getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 76,70 US-Dollar. Das waren 1,85 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kletterte um 1,60 Dollar auf 70,66 Dollar.

Rohöl (WTI)
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Die Ölpreise sind damit wieder auf dem höchsten Niveau seit 2014. Vor knapp einem Jahr lag der Preis für ein Barrel WTI noch unter 43 Dollar. Damit stieg der Ölpreis innerhalb von weniger als einem Jahr um rund zwei Drittel.

Die Aufkündigung des Atomabkommens dürfte weitreichende Folgen für den Ölmarkt haben. Schon jetzt gilt das Angebot als knapp. Das liegt zum einen an einer seit Anfang 2017 geltenden Fördergrenze der Opec. Zum anderen ist die Förderung in dem ölreichen Krisenstaat Venezuela eingebrochen. Hinzu kommt eine solide wachsende Weltwirtschaft, die für eine steigende Nachfrage nach Erdöl sorgt. 

Analysten der ANZ-Bank erklärten, dass mit Trumps Entscheidung "ein Szenario eintritt, bei dem der Markt für Rohöl sich im zweiten Halbjahr 2018 erheblich anspannt". "Es gibt die Befürchtung, dass die iranischen Ölexporte um etwa eine Million Barrel pro Tag gegenüber dem jetzigen Niveau fallen könnten", sagte Tomomichi Akuta von Mitsubishi UFJ Research in Tokio. "Produktion und Nachfrage sind gegenwärtig etwa in der Balance, aber es könnte sich zu einer ernsten Unterversorgung entwickeln", warnte der Experte. Dies könne zu Preissteigerungen um mindestens zehn Dollar pro Barrel und damit zu Preisen für die Sorte Brent von nahe 90 Dollar führen.

Saudi-Arabien erwägt unterdessen, den Ausfall des Irans auf dem Ölmarkt durch eine Erhöhung der Fördermengen der übrigen Opec-Mitglieder auszuweisen. "Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Öl-Märkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet", erklärte ein Vertreter des saudischen Energieministeriums der amtlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, werde man mit den großen Produzenten und Verbrauchern innerhalb und außerhalb der Opec sprechen, kündigte er an.

Der Iran ist der drittgrößte Exporteur des Opec-Kartells nach Saudi-Arabien und dem Irak. Die tägliche Fördermenge von rund 3,8 Millionen Barrel entspricht knapp vier Prozent der weltweiten Ölförderung. Die wichtigsten Abnehmerländer für iranisches Öl sind China, Indien, Japan und Südkorea.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/rts/DJ

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