Sattes Kursplus Trump treibt Teherans Börse in ungeahnte Höhen
Von Jan Gänger 
Aus maximalem Druck wird eine maximale Kursrally. Donald Trump wollte den Iran zur Kapitulation zwingen. Nun feiert ausgerechnet die Börse in Teheran seinen Friedensdeal.
Nach mehr als 100 Tagen Krieg gegen den Iran scheint US-Präsident Donald Trump das Gegenteil von dem erreicht zu haben, was er wollte: Trotz des großangelegten Einsatzes von US-Militärmacht hat er das iranische Regime gestärkt.
Ein Indiz dafür, wie sehr der Iran von dem Friedensabkommen profitieren könnte, liefert die Börse in Teheran. In Dollar gerechnet sei der Tedpix-Index der großen iranischen Unternehmen allein in dieser Woche um 30 Prozent gestiegen, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Amtelon Capital, einen der wenigen ausländischen Investoren am iranischen Aktienmarkt.
Seit dem Beginn der US-israelischen Angriffe Ende Februar hat die Börse demnach um 50 Prozent zugelegt. Gemessen in Dollar verzeichnete der iranische Aktienmarkt im Juni damit die weltweit beste Performance.
Jahrzehntelange Sanktionen haben den iranischen Aktienmarkt nahezu vollständig isoliert. Es gibt so gut wie keine ausländischen Investoren, er weist einige der niedrigsten Aktienbewertungen weltweit auf. Einige der dort gelisteten Papiere werden nur zum Ein- bis Zweifachen des Gewinns gehandelt.
Iran plant "Servicegebühren"
Die Rally ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie nur wenige Monate nach einer Bankenkrise und Massenprotesten gegen das Regime startete. Die wirtschaftliche Lage galt als so prekär, dass die Regierungen in Washington und Jerusalem zu dem Schluss kamen, ein Krieg könnte dem Regime den Rest geben.
Stattdessen zeigen die Märkte nun das genaue Gegenteil: Anleger wetten plötzlich auf Stabilisierung und Sanktionserleichterungen. Die Trump-Regierung hat bereits Zugeständnisse hinsichtlich der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte angedeutet, lässt die Wiederaufnahme der iranischen Ölexporte zu und will die Einrichtung eines 300-Milliarden-Dollar-Vermögensfonds zur Förderung von Investitionen im Iran ermöglichen.
Der einzige wirtschaftliche Gewinn für Trump in dem Abkommen besteht darin, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird - allerdings mit einem großen Unterschied. Es sieht so aus, als wolle der Iran künftig "Servicegebühren" für die Passage verlangen. Vor diesem Hintergrund wetten Iraner auf eine wirtschaftliche Erholung des Landes - und die Börse in Teheran feiert Trumps "Deal".