Wirtschaft

Börse feiert den Ex-Präsidenten Trump will sich mit Kulturkampf bereichern

Ehemalige US-Präsidenten versilbern ihre Bekanntheit durch Reden oder dem Schreiben von Büchern. Bei Donald Trump ist das völlig anders. Er will durch eine Medienplattform sehr viel Geld verdienen, die von der Spaltung des Landes profitiert.

Donald Trump hat einen Weg gefunden, sein Geschäftsmodell zu perfektionieren. Seine Methode ist bewährt: Fans oder Geschäftspartnern Geld aus der Tasche ziehen durch immer neue Versprechen, die er nicht hält. Diese Selbst-Vermarktung hat in seiner Karriere immer gut funktioniert, auf diese Weise ist er auch Präsident geworden. Sein neuestes Projekt baut genau darauf auf, indem es seine Popularität versilbert. Und es will dabei von der Spaltung des Landes profitieren, die Trump vertieft hat und die er weiter vertieft.

Der 75-Jährige hat ein Online-Netzwerk angekündigt, das Truth Social heißt, und im nächsten Jahr an den Start gehen soll. Es solle den konservativen Stimmen Gehör verschaffen, die das "liberale Medienkartell" unterdrücke. Das Umfeld ist dafür wie geschaffen. Trump elektrisiert seine Anhänger durch Tabubrüche und fördert ihren Hass auf die aus ihrer Sicht viel zu liberale Elite des Landes, den "Mainstream" und auf demokratische Institutionen.

Vor diesem Hintergrund hat Trump die Firma Trump Media & Technologie Group gegründet. Noch ist völlig unklar, wie das Projekt umgesetzt und welche Inhalte es dort geben wird. Bisher existiert nur eine Website. Dennoch ist schon ein Börsen-Hype entstanden. "Forbes" zufolge wird das Unternehmen derzeit mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet.

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Trump könnte bei der nächsten Präsidentschaftswahl erneut antreten.

(Foto: REUTERS)

Trump ist bei Millionen von US-Amerikanern immer noch sehr populär. Viele von ihnen sind davon überzeugt, dass sich Joe Biden nur durch Wahlbetrug gegen Trump durchsetzen konnte. Die große Mehrheit der republikanischen Wähler will, dass Trump in drei Jahren wieder antritt. Und Trump kokettiert damit, dass er das tatsächlich machen wird. Unabhängig davon, ob das eintrifft: Trump bleibt dadurch im Gespräch.

Von dem Kulturkampf, der die USA zu zerreißen droht, profitiert Trump. Das Ziel seiner Medien-Plattform sei, die "Tyrannei" der großen Tech-Unternehmen zu brechen, sagt der Ex-Präsident und spricht damit vielen Millionen Amerikanern aus der Seele. Er werde gegen Zensur und politische Diskriminierung kämpfen. "Wir leben in einer Welt, in der die Taliban riesig auf Twitter vertreten sind, aber Euer liebster amerikanischer Präsident zum Schweigen gebracht wurde. Das ist inakzeptabel."

Wirbel an der Börse

Der Hintergrund: Trump wurde nach seiner Abwahl von Twitter, Facebook und Instagram verbannt - wo er Unwahrheiten, Desinformation und Verschwörungstheorien verbreitete. Außerdem hatte er zum Sturm auf das Kapitol in Washington ermuntert. Trump hatte in den Sozialen Netzwerken eine enorme Reichweite. Allein auf Twitter folgten fast 90 Millionen Menschen.

Und diese Zahlen will er wieder erreichen - und zu Geld machen. Konsequenterweise wählt der Ex-Präsident für den Börsengang seiner Medienfirma einen lukrativen und nicht sehr transparenten Weg. Trump will sie mit einer leeren Unternehmenshülle verschmelzen, die bereits an der Börse gehandelt wird.

Solche SPACs genannten Vehikel sind nicht ungewöhnlich und erleben seit Monaten einen Hype. Sie werden nur zu dem Zweck gegründet, eine Firma zu übernehmen und sie so an die Börse zu bringen. Dafür sammeln SPACs Geld von Investoren ein.

Der Börsenmantel, unter den Trumps Medienfirma schlüpfen will, heißt DWAC. Dahinter steht der ehemalige Investmentbanker Patrick Orlando, der unter anderem für die Deutsche Bank gearbeitet hat. Er hatte in kurzer Zeit 293 Millionen Dollar eingesammelt, die Trumps neuem Netzwerk zur Verfügung gestellt werden sollen.

Als bekannt wurde, dass DWAC Trumps Firma schlucken will, ging der Aktienkurs regelrecht durch die Decke - der Handel wurde kurzzeitig ausgesetzt, nachdem der Kurs innerhalb von nur zwei Tagen von knapp 10 Dollar auf mehr als 94 Dollar geschossen war. Der Wirbel legte sich zwar wieder, aber eine Aktie kostet immer noch rund 50 Dollar.

Börsenaufsicht sieht Gesprächsbedarf

"Das ist ein SPAC auf Steroiden", sagte Michael Klausner "Forbes". Er ist Professor für BWL und für Jura an der Stanford University. "Wenn man einen Hype mit einem anderen Hype multipliziert, bekommt man einen Hype zum Quadrat."

Vergangene Woche teilte Trumps Medien- und Internetunternehmen mit, es werde eine weitere Milliarde Dollar erhalten, wenn es wie geplant durch die Verschmelzung mit DWAC an die Börse geht. Wer die Investoren sind, verriet sie nicht.

Derweil gibt es Ärger mit der SEC. Nach Angeben von Trumps Firma und dem SPAC hat die US-Börsenaufsicht Unterlagen angefordert. Worum es genau geht, ist unklar. Ein Grund könnte aber sein, dass Investoren einer leeren Börsenhülle in der Regel nicht wissen, mit welcher Firma die Gesellschaft fusioniert. SPACS verkaufen vorher eigene Aktien an Investoren und gehen erst dann auf die Suche nach einem geeigneten Fusionsobjekt. Nur weil sie eine leere Hülle sind, dürfen sie an die Börse gehen, ohne detaillierte Finanz-Informationen zu veröffentlichen.

Das ermöglicht im nächsten Schritt der übernommen Firma allerdings, ohne die übliche genaue Prüfung durch Anleger an die Börse zu gelangen, die bei einem traditionellen Börsengang üblich sind. Aus diesem Grund dürfen SPACS bei ihrem eigenen Börsengang keine konkreten Fusionspläne haben.

Bei Trump und DWAC war das möglicherweise nicht der Fall. Der "New York Times" zufolge haben Orlando und der Ex-Präsident spätestens seit März über den Deal gesprochen - und damit deutlich vor dem Börsengang des SPACs an der Nasdaq.

Mehrere Pleiten hingelegt

Trump will ein Produkt aufbauen, dass seine Anhänger viele Jahre anzieht. Seine Firma rechnet nach eigenen Angaben mit 75 Millionen Nutzern. Geld will sie mit Abos, On-Demand-Diensten und Werbung verdienen. Dass Trump das gelingen kann, ist allein deshalb bemerkenswert, weil er mehrere Pleiten zu verantworten hat. Die einzige börsennotierte Firma, die Trump leitete, war sein Kasino-Geschäft, das spektakulär floppte. Andere Projekte überlebten nur, weil sie entweder verkauft wurden oder Gläubiger Trump entgegenkamen und ihm einen Teil der Schulden erließen, weil sie eine Pleite mehr Geld gekostet hätte.

Das Geschäftsmodell der Trump Organization, das funktionierte, basierte auf einer Sache: dem Namen Trump. Neben seinen Hotels und Golfplätzen setzte Trump darauf, seinen Namen zu lizenzieren. Er stellte ihn für Projekte anderer zur Verfügung und kassierte dafür Gebühren. Als seine Marke verblasste, rettete Trump die populäre Reality-Show "The Apprentice", in der er von 2004 bis 2015 die Hauptfigur war und einen überaus erfolgreichen Geschäftsmann darstellte.

Als die abgesetzt wurde, bewarb sich Trump um die Präsidentschaftskandidatur, um im Gespräch zu bleiben. Es geschah das völlig Unerwartete: Trump wurde US-Präsident. Damit war die Marke Trump auf einen Schlag wertvoller als je zuvor.

Viele Millionen US-Amerikaner haben Trump gewählt und stehen weiterhin zu ihm - viele von ihnen bedingungslos. Dass er von dieser Unterstützung auch finanziell profitieren kann, hat er bereits unter Beweis gestellt. Mit seinem Spendenaufruf, um gegen angeblichen Wahlbetrug vor Gericht zu ziehen, hat er mehr als 200 Millionen Dollar eingesammelt. Den Löwenanteil steckte Trump allerdings nicht in die aussichtslosen Prozesse. Wo das Geld hinfloss, ist nicht bekannt.

Quelle: ntv.de

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