Wirtschaft
US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.(Foto: REUTERS)
Freitag, 12. Januar 2018

Firmen können es locker nehmen: Trumps Bashing schadet nicht

Von Jan Gänger

Sind Sie auf der Suche nach einem prima Aktientipp? Dann schauen Sie sich Unternehmen an, auf die Donald Trump einhaut. Deren Aktien entwickeln sich nämlich ganz hervorragend.

Es ist gar nicht lange her, da hat die Aussicht, von US-Präsident Donald Trump öffentlich abgewatscht zu werden, Konzernchefs in Angst und Schrecken versetzt. Sie fürchteten sich davor, dass der mächtigste Mann der Welt den Aktienkurs des von ihnen geführten Unternehmens in den Keller twittert. Apps wurden programmiert, die Anleger bei Trump-Tweets warnen oder sogar automatische Aktienverkäufe auslösen. Das war allerdings keine gute Idee.

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Im Gegenteil. Denn die Aktien der von Trump attackierten Unternehmen haben sich besser entwickelt als der Markt. Der Vermögensverwalter Barry Ritholtz hat vor etwa einem Jahr 15 Unternehmen, die Trump kritisiert hat, in einem "Drain The Swamp"-Index zusammengefasst. Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, er werde den "Sumpf" von Washington trockenlegen. In dem Index finden sich unter anderem Amazon, Boeing, Tesla, General Motors, die CNN-Mutter Time Warner und die New York Times. In seiner Kolumne bei "Bloomberg" zieht Ritholz nun Bilanz. Das bisherige Ergebnis: auf Jahressicht ein Kursplus von satten 42 Prozent. Der breit gefasste Standardwert-Index S&P 500 hat dagegen lediglich 21 Prozent zugelegt.

Die Performance des "Drain The Swamp"-Index kann sich also durchaus sehen lassen. Der größte Gewinner ist Boeing, dessen Kurs sich nahezu verdoppelt hat. Trump hatte dem Unternehmen vorgeworfen, dass die neue Air Force One viel zu teuer sei. Amazon-Aktionäre können sich derweil über ein Plus von rund 60 Prozent freuen, Gründer und Chef Jeff Bezos ist zum reichsten Menschen des Planeten geworden - daran ändert auch nichts, dass Trump gerne gegen Amazon, Jeff Bezos und die dem Milliardär gehörende liberale "Washington Post" wettert. Dazu passt: Die "versagende" New York Times hat aufgrund boomender Abos ein Kursplus von 40 Prozent hingelegt.

Mehr noch: Ritholz hat auch einen "Oligarchen-Index" erstellt. In ihm sind elf Unternehmen zusammengefasst, denen Trump wohlgesonnen ist. Also beispielsweise Exxon, bei dem Ölkonzern war Außenminister Rex Tillerson bis zu seinem Amtsantritt Vorstandschef. Oder Goldman Sachs. Dessen Ex-Präsident Gary Cohn ist der führende Wirtschaftsberater Trumps. Der "Oligarchen-Index" gewann 19 Prozent - und entwickelte sich damit etwas schlechter als der Markt und sehr viel schlechter als der "Drain The Swamp"-Index.

"Als ich die Indizes zusammenstellte, bin ich die Tweets von Trump und die Medienberichterstattung durchgegangen", sagte Ritholz "CNN Money". "Wenn er sich damals über eine Firma ärgerte, fiel der Aktienkurs." Zunächst habe niemand Trump verstanden. Doch es habe nicht lange gedauert, bis die Märkte herausfanden, dass der Präsident lediglich jede Menge Staub aufwirbele und der Wind sich schnell wieder lege.

Der Vermögensverwalter sieht seine Indizes indes nicht als seriöse Anlage-Hilfe. "Ich weiß. Korrelation bedeutet nicht Kausalität", schreibt er in seiner Kolumne.

Die Indizes zeigen allerdings, dass es kaum eine Rolle spielt, was Trump über Unternehmen twittert. "Trumps Tweets sind kurzlebig", so Ritholz. "Trump ist ein Papiertiger, wenn es darum geht, Firmen zu drohen." Mit anderen Worten: Quartalszahlen und Gewinnaussichten spielen an der Börse eine sehr viel größere Rolle als Äußerungen eines überaus erratischen US-Präsidenten.

Quelle: n-tv.de