Wirtschaft

Anleger suchen Alternativen Trumps USA werden zum Sicherheitsrisiko

20.01.2026, 16:57 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
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Wohin mit dem Geld? (Foto: REUTERS)

Wie viel USA ist zu viel? Diese Frage stellt sich nicht nur Politikern, sondern auch Investoren. Die Antwort lautet immer häufiger: Weniger ist mehr.

"De-Risking" war in den vergangenen Jahren ein dominierendes Gesprächsthema in Davos. Auch dieses Jahr steht "De-Risking" im Zentrum des Treffens der politisch-ökonomischen Weltelite. Doch es geht nicht mehr wie in den Vorjahren um die Verringerung der Abhängigkeiten von China, sondern von den USA. Unter Donald Trump sind die USA für viele zum Sicherheitsrisiko geworden.

Donald Trumps unberechenbare, nationalistische Machtpolitik nimmt selbst auf langjährige Alliierte keine Rücksicht. Der US-Präsident droht Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit Extra-Zöllen, nur weil sie seine territorialen Ambitionen in Grönland nicht unterstützen.

Eine Konsequenz: Regierungen von langjährigen Alliierten haben begonnen, gegenüber den USA Risikominderung zu betreiben. Das ist ein schmerzhafter und langwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang. Doch der Anfang ist gemacht.

Bezeichnenderweise flog der kanadische Premierminister Mark Carney erst zu einem Besuch nach China, bevor es ein paar Tage später nach Davos ging. Mit Staatschef Xi Jinping vereinbarte er eine "strategische Partnerschaft". Trump hatte zuvor hohe Zölle auf einige kanadische Waren verhängt und hat wiederholt mit der Idee kokettiert, das Nachbarland könne der 51. Bundesstaat der USA werden.

Zölle treffen Pinguin-Insel

Der Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen Europa und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist zumindest zum Teil auf Trump zurückzuführen. Auch seinetwegen wird in Großbritannien darüber diskutiert, sich wieder der EU anzunähern.

Dieses "De-Risking" findet auch an den Finanzmärkten statt. Bisher war der Status von Dollar und US-Staatsanleihen als "sicherer Hafen" unerschütterlich. Das heißt: In Krisen schichten Investoren ihr Geld dahin um - selbst dann, wenn die Krisen von den USA ausgelöst wurden.

Doch dieser Mechanismus ändert sich angesichts der erratischen Politik Trumps langsam. Zum ersten Mal war das nach dem sogenannten "Liberation Day" zu sehen, als der US-Präsident Handelspartnern der USA hohe Zölle androhte, dabei eine bizarre Berechnungsgrundlage anwendete und damit sogar von Pinguinen bewohnte Inseln traf.

Erst stieg die Nachfrage nach US-Staatsanleihen sprunghaft an. Doch dann setze ein Stimmungsumschwung ein. Das heißt nicht, dass sich Anleger massenhaft zurückziehen. Doch sie setzen zunehmend auf Alternativen zu US-Anlagen. Das ist auch derzeit zu beobachten: Nachdem Trump am Wochenende europäischen Nato-Ländern Strafzölle angedroht hatte, zogen sich Investoren aus US-Bonds zurück. Dagegen erfreuen sich etwa deutsche und japanische Anleihen ungebrochener Beliebtheit.

Gold statt Dollar

Der Anleihe-Gigant Pimco kündigte vergangene Woche an, seine Anlagen weg von den USA zu diversifizieren. Für die USA kann diese Entwicklung schmerzhaft werden: Wenn die Nachfrage nach US-Staatsanleihen sinkt, steigen die Zinsen. Die Regierung Trump müsste dann mehr zahlen, wenn sie sich Geld leiht, um die riesige Verschuldung der USA zu finanzieren.

Seit dem Amtsantritt Trumps vor einem Jahr hat der Dollar gegenüber dem Euro rund zwölf Prozent an Wert verloren. Institutionelle Investoren und Kleinanleger stecken ihr Geld vermehrt in Aktien außerhalb der USA. Sowohl der deutsche Leitindex Dax als auch der Aktienmarkt in Shanghai haben auf Jahressicht stärker zugelegt als die im S&P 500 zusammengefassten US-Standardwerte.

Besonders auffällig ist das "De-Risking" beim Gold zu sehen - einem anderen traditionellem "sicheren Hafen". In der bisherigen zweiten Amtszeit Trumps ist der Preis um mehr als 70 Prozent gestiegen.

Am morgigen Mittwoch wird der US-Präsident in Davos eine Rede halten. Angesprochen auf die europäischen Vorbehalte gegen seine Grönland-Ambitionen sagte er vor seinem Abflug in die Schweiz: "Sagen wir es so: Es wird ein sehr interessantes Davos werden." Das klingt nicht nach Dialog, sondern nach einem weiteren Argument für "De-Risking".

Quelle: ntv.de

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