Wirtschaft
Mit dem Verbot wird eine bestehende Richtlinie, die den Einstieg in neu aufgelegte Bitcoin-Futures untersagt, erweitert.
Mit dem Verbot wird eine bestehende Richtlinie, die den Einstieg in neu aufgelegte Bitcoin-Futures untersagt, erweitert.(Foto: imago/Science Photo Library)
Donnerstag, 04. Januar 2018

Skepsis gegenüber Kryptowährung: US-Bank verbietet Handel mit Bitcoin-Fonds

Die US-Bank Merrill Lynch weist ihre Berater an, keine bitcoinbezogenen Investitionen oder Kundenanfragen für den Handel mit Bitcoin-Fonds mehr auszuführen. Die Entscheidung bestätigt: An der Wall Street wachsen mit Blick auf den Bitcoin die Zweifel.

Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat Kunden und Finanzberatern, die in ihrem Namen handeln, den Kauf von Bitcoins untersagt. Grund dafür seien Bedenken hinsichtlich der Anlagetauglichkeit der Kryptowährung. Das Verbot gilt für alle Konten und verbietet den rund 17.000 Beratern der Bank nicht nur bitcoinbezogene Investitionen zu tätigen, sondern auch Kundenanfragen für den Handel mit dem Bitcoin-Fonds des Grayscale Investment Trust auszuführen, wie ein Insider erklärte. Mit dem Verbot wird eine bestehende Richtlinie, die bislang nur den Einstieg in die neu aufgelegten Bitcoin-Futures untersagt, erweitert.

Bestehende Positionen im Bitcoin-Fonds dürften nur in Brokerage-Konten, aber nicht in gebührenpflichtigen Beratungskonten gehalten werden, heißt es. Die Tochter des Wall-Street-Schwergewichts Bank of America führte die Richtlinie demnach bereits am 8. Dezember ein, direkt vor dem Marktstart der ersten US-Bitcoin-Futures.

Der Bitcoin-Investment-Trust von Grayscale ist ein offener Fonds, der ausschließlich in Bitcoin investiert und seine Wertentwicklung aus dem Preis der Kryptowährung ableitet. Er wurde laut Fondsanbieter Grayscale Investments für Investoren aufgelegt, die ein traditionelles Investmentvehikel suchen, um in Bitcoin zu investieren und wird außerbörslich unter dem Handelssymbol GBTC gehandelt.

Zurückhaltung der Wall Street bei digitalen Währungen

Video

"Die Entscheidung, GBTC für neue Käufe zu schließen, wird durch Bedenken hinsichtlich der Tauglichkeit und Eignung dieses Produkts getrieben", heißt es in einem internen Memo von Merrill Lynch, das dem "Wall Street Journal" vorlag. Eine Sprecherin von Merrill Lynch bestätigte die Entscheidung, die firmenweit für alle Verantwortlichen bei Merrill Lynch gilt.

Merrill Lynchs Entscheidung, den Handel mit dem Bitcoin-Investmentfonds zu verbieten, werten Beobachter als ein weiteres Zeichen für die wachsenden Zweifel an der Wall Street im Hinblick auf die Risiken im Umgang mit digitalen Währungen. Die US-Brokerage-Sparte der Schweizer Großbank UBS untersagt ihren Beratern ebenfalls den Handel mit bitcoinbezogenen Produkten, wie eine mit der Richtlinie vertraute Person berichtete. Einige andere Großbanken - darunter JP Morgan Chase, die Citigroup und Royal Bank of Canada - erklärten Kunden bereits am 10. Dezember, dass sie ihnen keinen Zugang zum neu eröffneten Bitcoin-Futures-Markt anbieten würden.

Führende Köpfe der Finanzbranche haben sich wiederholt skeptisch über die langfristige Lebensfähigkeit der Kryptowährung geäußert. James Dimon, prominenter Chef von JPMorgan, bezeichnete Bitcoin sogar als Betrug. US-Investorenlegende Warren Buffett, der mit seiner Anlagefirma Berkshire Hathaway ein Milliardenimperium kontrolliert, stellte offen infrage, ob es die Regierungen zulassen darf, dass der Handel mit Kryptowährungen am Bitcoin-Markt unvermindert weiter wächst.

Verpasste Handelschancen?

Die Digitalwährung Bitcoin startete 2017 bei einem Preis von etwa 970 US-Dollar und stieg bis Dezember auf fast 20.000 Dollar, was einem Zuwachs von etwa 2000 Prozent entspricht. Der außergewöhnliche Kursanstieg wurde durch fünf Ausverkäufe mit Kursrückschlägen über jeweils mindestens 30 Prozent unterbrochen, darunter ein Ausverkauf im Dezember, der die Preise laut Coindesk um 45 Prozent nach unten trieb, bevor sie sich auf 14.292 Dollar erholten.

Dennoch lockt die per Definition unkontrollierbare Währung immer mehr Anleger an. Für viele Investoren stehen vor allem die traumhaften Renditechancen im Vordergrund: Im Vergleich zum Vorjahr verteuerte sich der Bitcoin um sensationelle 1375 Prozent.

"Du kaufst nur Bitcoin"

Fachleute werden nicht müde, interessierte Neueinsteiger vor den schwer einschätzbaren Risiken des Bitcoin zu warnen - sie reichen Experten zufolge bis hin zum Totalverlust sämtlicher eingezahlten Summen. Aus diesem Blickwinkel erscheint die Entscheidung von Merrill Lynch durchaus sinnvoll - auch wenn dem Haus und seinen Kunden dadurch kurzfristige Gewinne entgehen. Mitarbeiter der US-Bank sehen den Schritt allerdings mit gemischten Gefühlen. Einige Berater hätten verpasste Handelschancen beklagt, heißt es. Dazu kommen Beschwerden von Kundenseite: Viele Anleger riefen bei der Bank an, um in Bitcoin zu investieren - eine Nachfrage, die einige Berater nur zu gerne bedienen würden.

Andere Merrill-Lynch-Experten wiederum sind der Meinung, dass es durchaus im besten Interesse der Kunden ist, den aufstrebenden Markt der Kryptowährungen zu meiden. "Ich denke, es ist eine sehr gute Idee", sagte ein Merrill-Berater über die Entscheidung. Die Bank "schätzte das Risiko als zu hoch ein." Beim Kauf der Währung eines Landes "kaufst Du dieses Land", basierend auf der zugrundeliegenden Wirtschaft und der Geldversorgung, sagte er. "Wenn Du Bitcoin kaufst, kaufst Du nur Bitcoin."

Quelle: n-tv.de