Goldman Sachs als VermieterUS-Investoren setzen auf deutsche Reihenhäuser

Sich ein eigenes Haus zu leisten, wird immer schwieriger. In diese Lücke könnten amerikanische Großinvestoren stoßen: Mit entsprechendem Kapital lässt sich im großen Stil bauen und anschließend vermieten. Schon zwei US-Riesen erwarten, dass sich das auch hierzulande lohnt.
Der Lebenstraum vieler Deutscher wird zum Renditeobjekt für Großinvestoren aus den USA: das eigene Häuschen, besonders im Speckgürtel. Nachdem Goldman Sachs zusammen mit einem kanadischen Pensionsfonds im vergangenen Jahr knapp 500 Reihenhäuser in Deutschland gekauft hat, sondiert zurzeit ein weiterer großer US-Investor den Markt.
"Wir analysieren konkret den Markt für den Neubau von deutschen Reihenhäusern", sagte Sebastiano Ferrante, Immobilien-Europachef bei PGIM, dem "Handelsblatt". "Momentan sehen wir uns nach geeigneten Partnern und Regionen um, die dafür infrage kommen. Vor allem in den Speckgürteln der großen deutschen Metropolen sehen wir Potenzial." Ziel ist demnach die Vermietung der neuen Häuser.
"Im Umland lässt sich bei serieller Bauweise für 1900 bis 2000 Euro pro Quadratmeter ein Reihenhaus fertigen, das sich dann für rund 17 bis 18 Euro pro Quadratmeter vermieten lässt", rechnete Ferrante vor. Bei rund 100 Quadratmetern Wohnfläche bedeute das 1700 bis 1800 Euro Miete, "was sich viele Familien in Deutschland noch eher leisten können". PGIM Real Estate zählt nach eigenen Angaben zu den weltgrößten Immobilien-Investmentfirmen und gehört zum börsennotierten Finanzdienstleister Prudential Financial.
In den USA und Großbritannien hätten sich Neubauten zum Vermieten bereits bewährt, berichtete Ferrante. Entscheidend werde sein, wie sich das Modell an den deutschen Markt anpassen lasse. Die Chancen stehen ihm zufolge gut: "Die Nachfrage nach Häuschen am Stadtrand boomt, die Mietentwicklung ist überdurchschnittlich, und die Häuser sind robust gegen Leerstand."
Ob sich so eine attraktive Rendite erzielen lässt, ist laut Immobilienanwalt Carsten Loll allerdings schwer vorherzusagen. Das deutsche Mietrecht könnte dafür sorgen, dass sich die Renditen auf vergleichsweise geringem Niveau bewegten, sagte Loll dem "Handelsblatt".
Attraktive Renditen könnten die Mieten hierzulande weiter steigen lassen, falls es nicht bei einzelnen solchen "Build-to-Rent"-Projekten bleibt. Vorerst dürfte der Preiseffekt nach Einschätzung von Pekka Sagner, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), überschaubar bleiben. "Der deutsche Markt für Einfamilienhäuser ist groß, fragmentiert und bislang stark eigennutzergetrieben", sagte er der Zeitung. Auf lokalen Teilmärkten könne es allerdings durchaus Effekte geben, insbesondere wenn Investoren gezielt in bestimmte Segmente gehen würden.