Wirtschaft
"Es gehört zu meinem Job": Als Chef der Dallas-Fed fühlt Robert Kaplan den Puls der Unternehmen im Wirtschaftsraum Texas.
"Es gehört zu meinem Job": Als Chef der Dallas-Fed fühlt Robert Kaplan den Puls der Unternehmen im Wirtschaftsraum Texas.(Foto: REUTERS)
Freitag, 13. Juli 2018

Offene Worte aus der Fed: US-Notenbanker kritisiert Trumps Zölle

Der harsche Kurs von US-Präsident Trump in der Handelspolitik löst in Fachkreisen ernste Zweifel aus: Der Währungshüter Kaplan, Chef des regionalen Fed-Ablegers in Texas, gibt seine Zurückhaltung auf und warnt vor negativen Einflüssen für die US-Wirtschaft.

Der Fed-Banker Robert Kaplan sieht die US-Zollerhöhungen mit Sorge. Was derzeit passiere sei zwar nicht positiv, er müsse aber noch nicht seine Prognosen anpassen, sagte der Präsident der Fed von Dallas im Reuters-Interview. Sollten die Streitigkeiten zwischen den USA und wichtigen Handelspartnern aber weiter eskalieren, müsse die Fed darauf reagieren.

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Kaplan bemühte sich, seinen für einen Notenbanker ungewöhnlichen Kommentar zur aktuellen US-Politik zu rechtfertigen. Er würde seine Aufgabe verfehlen, wenn er diese Einschätzung zur Lage im Handel nicht ausspräche gegenüber der Öffentlichkeit, den Entscheidern auf allen Seiten sowie ernannten und gewählten Regierungsvertretern, sagte Kaplan. "Es gehört auch zu meinem Job, relevante Themen auf den Tisch zu legen, die das Wachstum in den USA beeinflussen, auch wenn sie nicht zum Aufgabenbereich der Fed gehören."

Kaplan ist Chef des Regionalen Fed-Ablegers in Dallas im US-Bundesstaat Texas. Er sitzt derzeit als nicht stimmberechtigtes Mitglied im zentralen Offenmarktausschuss der US-Notenbank, in der die Geldpolitik festgelegt wird. Kaplan hatte sich zuvor bereits indirekt kritisch zur politischen Linie der US-Regierung geäußert. In Vorträgen bezeichnete er etwa das Thema Einwanderung als "Chance für die US-Wirtschaft", brandmarkte Steuersenkungen als kurzsichtige Wirtschaftspolitik oder stufte die steigende Staatsverschuldung der USA als potenzielles Wachstumsrisiko ein.

Risiken für den US-Konsum

Im Handelsstreit der USA mit China hatte sich der Tonfall zuletzt erneut verschärft. US-Präsident Donald Trump kündigte weitere Zölle auf chinesische Importwaren im Wert von 200 Milliarden Dollar an. Die Volksrepublik wirft den USA im Gegenzug die Eröffnung eines Handelskriegs vor. Auch mit der Europäischen Union hat Trump einen Zollstreit angezettelt. Ökonomen fürchten, der Aufbau wechselseitiger Handelshürden könnte das Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt bremsen.

Daneben kursieren Einschätzungen, in denen von erheblichen Auswirkungen für US-Verbraucher die Rede ist. Zölle, die die Einfuhr von Waren aus China verteuern, dürften die Preise einer ganzen Reihe an wichtigen Konsumgütern in die Höhe treiben. Dies wiederum könnte die Anschaffungsneigung der US-Konsumenten belasten. Der Konsum, heißt es gemeinhin, ist die wichtigste Stütze der US-Volkswirtschaft.

Quelle: n-tv.de