Wirtschaft

Zielerfassung in SekundenUS-Militär macht Palantirs KI zum Standard

21.03.2026, 10:52 Uhr
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Tausend fundierte Entscheidungen innerhalb einer Stunde - das ist das erklärte Ziel des US-Militärs. KI soll das schaffen. (Foto: REUTERS)

Der US-amerikanische Verteidigungsminister Hegseth sagte im Januar, er wolle "Raum für Experimente" schaffen, noch stärker auf KI setzen. Zwei Monate später wird bekannt: Dafür soll die Softwareplattform ausgebaut werden, an der das US-Unternehmen Palantir maßgeblich beteiligt ist.

Das US-Verteidigungsministerium plant, eine Software ins Zentrum seiner Strategie zu rücken, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Dies geht aus einem Brief von Vize-Verteidigungsminister Steve Feinberg an die Führung des Pentagons und der US-Truppen hervor. Der Schritt sichert dem Datenanalyse-Spezialisten Palantir die langfristige Nutzung seiner Technologie "Maven" zur Zielerfassung im gesamten US-Militär und eine langfristig stabile Finanzierung.

Die Entscheidung solle bis zum Ende des laufenden Haushaltsjahres im September in Kraft treten, hieß es in dem Schreiben weiter. Palantir und das Pentagon äußerten sich nicht dazu. "Maven" ist eine Softwareplattform, die riesige Mengen an Schlachtfelddaten von Satelliten, Drohnen und Sensoren analysiert, um mithilfe von KI potenzielle Ziele wie feindliche Fahrzeuge oder Waffenlager zu identifizieren. Es ist bereits das wichtigste KI-Betriebssystem der US-Streitkräfte.

Innerhalb eines Jahres habe sich die Zahl seiner Nutzer mehr als vervierfacht, sagte der zuständige US-Admiral Frank Whitworth im Mai 2025. Man wolle mithilfe der Software fähig werden, "innerhalb einer Stunde 1000 fundierte Entscheidungen zu treffen, Ziele auf dem Schlachtfeld auszuwählen oder zu verwerfen", fügte er hinzu.

Einen Monat später habe Whitworth gesagt, das US-Militär wolle Maven "für alles nutzen, nicht nur für die Zielerfassung", schreibt der "Independent". Bereits im Januar hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth angekündigt, das US-Militär zu einer KI-Armee umzubauen. Man wolle "Raum für Experimente schaffen" und "bürokratische Hürden beseitigen".

"Keinerlei Mehrwert, außer als Gütesiegel"

Experten der Vereinten Nationen mahnen ethische und rechtliche Risiken beim Einsatz von KI zur Zielerfassung an, da die Systeme unbeabsichtigte Vorurteile aus ihren Trainingsdaten übernehmen könnten. Fachleute warnen vor fehlerhaften Daten, Verzerrungen und davor, dass Menschen Computervorschlägen zu schnell vertrauen.

Der britische "Guardian" sprach über diese Gefahr mit einem israelischen Armeeangehörigen, der berichtete, im Gazakrieg nicht mehr als 20 Sekunden für eine einzelne Entscheidung verwendet zu haben: "Ich hatte als Mensch keinerlei Mehrwert, außer als Gütesiegel zu fungieren." Kritiker befürchten deshalb, dass das Urteilsvermögen der Verantwortlichen schwächer wird und unklar bleibt, wer die Verantwortung trägt, wenn Zivilisten sterben.

Palantir betont jedoch: Die Software treffe keine tödlichen Entscheidungen. Weiterhin seien Menschen für die Auswahl der Ziele verantwortlich. Die Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums ist für das Unternehmen ein bedeutender Erfolg. Palantir hat in der jüngsten Vergangenheit eine Reihe von Regierungsaufträgen erhalten, darunter im vergangenen Sommer einen Vertrag mit dem US-Heer im Wert von bis zu zehn Milliarden Dollar. Dies trieb den Börsenwert des Konzerns auf fast 360 Milliarden Dollar.

Quelle: ntv.de, lwe/rts

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