Wirtschaft
Vor allem die Dosen-Industrie kritisiert die Zollpläne des US-Präsidenten.
Vor allem die Dosen-Industrie kritisiert die Zollpläne des US-Präsidenten.(Foto: imago/ZUMA Press)
Samstag, 03. März 2018

"Es wird alles aufgefahren": US-Wirtschaft will Trumps Zollpläne aufhalten

Mit Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium will US-Präsident Trump die heimische Wirtschaft stärken. Doch die zeigt sich in Teilen wenig begeistert. Dosen- und Autoindustrie warnen vor höheren Preisen und Jobverlusten. Nun versuchen sie, Trump noch zu stoppen.

Widerstand gegen die von Präsident Donald Trump angekündigten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe formiert sich nicht nur im Ausland, sondern auch in der heimischen Wirtschaft. Äußerungen von Vertretern großer Handels- und Branchenverbände deuten darauf hin, dass hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet wird, die Regierung von Ausnahmen oder einem Abmildern der Pläne zu überzeugen.

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Die deutlichste Kritik kam aus der Dosen-Industrie. "Wie die meisten Brauer verkaufen auch wir eine wachsende Menge Bier in Aluminiumdosen, und dieses Vorhaben wird zu steigenden Aluminiumpreisen und wahrscheinlich zu Jobverlusten in der gesamten Bierbranche führen", sagte ein Sprecher des Brauereikonzerns MillerCoors.

Die Zoll-Gegner unter den Unternehmen treibt die Furcht vor höheren Kosten und Engpässen bei der Belieferung mit Stahl und Aluminium um. Die Dosen-Hersteller wollen in der kommenden Woche Druck auf Abgeordnete und Regierungsvertreter ausüben. Zumal die Zoll-Pläne auch im Trump-Lager umstritten sind. Denn während sich etwa Handelsminister Wilbur Ross und Trumps Handelsberater Peter Navarro für die härtere Gangart aussprachen, lehnen unter anderem Finanzminister Steven Mnuchin und der Chef des Nationalen Wirtschaftsrates, Gary Cohn, sie ab.

Ford sieht Gefahr für Wettbewerbsfähigkeit

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Ross sei nicht klar, dass ein paar Cent bei der Menge an Dosen für Getränke, Suppen und andere Lebensmittel viel Geld sei, sagte der Verbandspräsident der Dosenfabrikanten, Robert Budway.  Der US-Handelsminister hatte mit einem Fernsehauftritt für Aufsehen gesorgt, bei dem er anhand von Getränke- und Suppendosen demonstrieren wollte, dass diese Produkte nur unwesentlich teurer würden.

Auch aus der Autoindustrie gibt es Warnungen vor Preiserhöhungen wegen der Schutzzölle. Dadurch würden nicht nur die Verbraucher belastet, sondern dies schade auch der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Hersteller, erklärte etwa Ford. Nach Einschätzung der Analysten vom Investmentberater Evercore ISI sind mögliche Preisanstieg bei Stahl und Aluminium für die US-Autoindustrie allerdings verkraftbar. Pro Fahrzeug könnten die Produktionskosten um 34 bis 68 Dollar steigen. Ford, General Motors und Fiat Chrysler müssten daher im Jahr jeweils mit 100 bis 200 Millionen Dollar Zusatzkosten rechnen.

Erfolgsaussichten scheinen gering

Laut einem führenden Vertreter eines Industrieverbandes, der namentlich nicht genannt werden wollte, versuchen die Unternehmen, Trump von seinen Plänen abzubringen, bevor er sie in der kommenden Woche in Kraft setzt. Dazu werde hinter den Kulissen alles aufgefahren. Allerdings würden die Erfolgsaussichten wegen der derzeitigen Dynamik im Präsidialamt aber eher pessimistisch eingeschätzt.

Trump hat mit seiner Zoll-Ankündigung die Furcht vor einem weltweiten Handelskrieg geschürt. Er will damit nach eigenen Worten Arbeitsplätze sichern und die heimische Industrie wieder stärken, die seit Jahrzehnten unter zu billigen Importen leide. Die EU-Kommission kündigte als Gegenmaßnahme bereits Zölle auf "Harley-Davidson, auf Bourbon und auf Blue-Jeans" an. Kanada, Brasilien und andere wichtige US-Handelspartner drohten mit ähnlichen Schritten. Die Aktienmärkte brachen weltweit ein.

Quelle: n-tv.de