Wirtschaft

Weihnachtsgeschäft in Gefahr? US-Zölle treffen auch Gebäckhersteller

Im wichtigen Weihnachtsgeschäft werden die verhängten US-Strafzölle auf Kekse und andere Lebensmittel auch für die US-Exporte deutscher Gebäckhersteller zur Last. Für Anbieter wie Bahlsen oder Lambertz sind die Einfuhrabgaben eine Belastung mit noch ungewissem Ausgang.

Die US-Strafzölle auf Lebensmittel aus Europa treffen die deutschen Gebäck- und Süßwarenhersteller hart. Ob Verbraucher am Ende mehr bezahlen müssen, ist aber noch unklar. Das wichtige Weihnachtsgeschäft sei nach der Einführung der Abgaben Ende Oktober insgesamt noch relativ gut gelaufen, heißt es aus der Branche. Anbieter wie Bahlsen oder Lambertz rechnen jedoch mit erheblichen Auswirkungen im neuen Jahr - auch wenn sie die Folgen höherer Importpreise in den USA bisher nicht genau beziffern können.

"Die Zölle sind eine große Bürde für unser Exportgeschäft", sagte ein Bahlsen-Sprecher. Für den Keks- und Backwarenhersteller seien die Vereinigten Staaten "ein vielversprechender Markt, in dem wir kontinuierlich gewachsen sind". Die Konsequenzen der erhöhten Einfuhrabgaben seien noch nicht präzise abschätzbar, da die Lieferverträge langfristig angelegt seien.

Schadensprognosen noch nicht möglich

Schon jetzt sei allerdings klar: "Das trifft uns durchaus." Eigene Werke, um auf eine Produktion in den USA auszuweichen, hat Bahlsen nicht. Der Branchenverband BDSI hatte bereits nach der Verhängung der Zölle von 25 Prozent auf gesüßte Kekse und Waffelprodukte vor knapp zwei Monaten gewarnt: "Diese Strafzölle gefährden im höchsten Maße das jahrelange Engagement der deutschen Hersteller von feinen Backwaren in den USA." Man rechne mit "katastrophalen Auswirkungen".

Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU hatte Washington nach Industrieprodukten wie Stahl und Aluminium zuletzt auch europäische Lebensmittel wie Wein, Käse, Butter oder Olivenöl mit Strafabgaben belegt. Auch bestimmte Backwaren sind betroffen. Amerika sieht den Schritt als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus, den Hauptrivalen des US-Herstellers Boeing.

Der Lebkuchen- und Printenhersteller Lambertz sorgt sich ebenfalls um seine US-Exporte. "Davon ist unsere Branche sehr negativ betroffen", sagte Firmenchef Hermann Bühlbecker. Genaue Schadensprognosen seien auch hier noch nicht möglich - aber es gebe "enorme Risiken": "Im letzten Geschäftsjahr haben wir in den USA 28 Millionen Euro umgesetzt. Wenn da nun Zusatzkosten durch einen 25-prozentigen Strafzoll hinzukommen, ersetzt uns diese zunächst niemand."

Mit dem Weihnachtsgeschäft 2019 ist Bühlbecker bisher zufrieden. Seit dem Start im September sei "die Ware im Handel sehr gut abgeflossen. Im Gegensatz zum letzten Jahr hatten wir typisches Herbstwetter. Und wir können davon ausgehen, dass auch der Dezember gut läuft."

Umsatz auf Vorjahresniveau

Wenn es kühler sei, hätten die Kunden mehr Appetit auf Schokolade. Bahlsen erklärte, die Überarbeitung seines Weihnachtsangebots zeige Wirkung. Der Umsatz liege bei den Hannoveranern derzeit auf Vorjahresniveau. Für Lambertz sind die USA nach Polen, wo die Gruppe aus Aachen zwei eigene Fabriken hat, das zweitwichtigste Exportland. "Wir sind dort schrittweise gewachsen, bei Walmart und anderen Ketten gut vertreten.

Nun werden einfach Branchen und Länder herausgepickt, aus denen große Mengen an Produkten in die USA laufen", kritisierte Bühlbecker die Vergeltung für die Airbus-Subventionen. Auf der Süßwarenmesse Anfang Februar in Köln will er Gespräche mit dem Handel führen, inwieweit Preisaufschläge möglich sind. Der Lambertz-Chef vermutet: "So einfach wird der amerikanische Verbraucher das vermutlich nicht schlucken."

Quelle: ntv.de, jki/dpa