Wirtschaft

Kartellamt äußert Bedenken Übernahme von Real-Filialen wackelt

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Neben Kaufland soll unter anderem auch Edeka Filialen von Real übernehmen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der russische Investor SCP will die ihm zugehörige Supermarktkette Real zerschlagen und Filialen unter der Konkurrenz aufteilen. Der deutsche Lebensmittel-Handel wird von wenigen Konzernen beherrscht, daher prüft das Kartellamt Übernahmen besonders sorgfältig - und äußert nun Bedenken.

Das Bundeskartellamt sieht die Pläne für eine Übernahme von bis zu 101 Filialen der Supermarktkette Real durch den deutlich größeren Konkurrenten Kaufland skeptisch. Die Behörde habe bei ihrer Prüfung der Pläne eine Reihe wettbewerblicher Probleme durch die Transaktion identifiziert, stehe aber in Gesprächen mit den beteiligten Unternehmen über mögliche Lösungen, wie sie in Bonn mitteilte. Die Frist für eine Entscheidung über den Verkauf an Kaufland verlängerten die Kartellwächter erneut - sie läuft nun bis Ende des Jahres.

Laut Mitteilung sieht das Bundeskartellamt nach vorläufiger Einschätzung "eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs in neun regionalen Absatzmärkten" durch den Zuerwerb der dortigen Real-Standorte durch den Konkurrenten. Darüber hinaus sieht die Kartellbehörde "mit Blick auf die vertikale Beziehung zu Lieferanten und das horizontale Verhältnis zu Wettbewerbern im Lebensmitteleinzelhandel" ebenfalls wettbewerbliche Bedenken gegen das Vorhaben. Eine besondere Bedeutung komme hier der Stellung von mittelständischen Händlern und ihrer Beteiligung an der Veräußerung der Real-Standorte zu.

Kaufland ist Teil der Schwarz-Gruppe, zu der auch der Discounter Lidl gehört. Die Schwarz-Gruppe ist der Behörde zufolge mit einem Umsatz von etwa 113,3 Milliarden Euro europaweit der mit Abstand größte Lebensmitteleinzelhändler.

Der Großhandelskonzern Metro hatte die Supermarktkette Real mit rund 270 Märkten und rund 34.000 Beschäftigten an den russischen Investor SCP verkauft. Dieser will die Kette zerschlagen, neben Kaufland soll unter anderem auch Edeka Filialen übernehmen. Bis zu 72 Real-Standorte sollen an Edeka gehen. Diese Pläne will die Behörde bis zum 21. Dezember prüfen. Das Kartellamt sieht den deutschen Lebensmitteleinzelhandel von nur wenigen großen Konzernen beherrscht. Deshalb prüft es Übernahmen in dem Sektor sehr genau.

"Wir haben das Schreiben des Bundeskartellamtes zur Kenntnis genommen. Wir begrüßen, dass das Bundeskartellamt für 92 der 101 von Kaufland angemeldeten Standorte absatzseitig keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken sieht", teilte SCP mit. "Es finden bereits konstruktive Gespräche mit dem Bundeskartellamt statt, um auch die von der Behörde benannten, noch verbleibenden Bedenken zu lösen."

Quelle: ntv.de, mba/rts/DJ