Wirtschaft

Kurzfristige Ankündigung Ufo weitet Streik bei Lufthansa-Töchtern aus

Zehntausende Passagiere könnten heute das tiefe Zerwürfnis zwischen der Kabinengewerkschaft Ufo und der Lufthansa zu spüren bekommen. Neben höheren Gehältern geht es in dem Streit auch um die Anerkennung der Ufo als Gewerkschaft. Doch die Streiks drohen ins Leere zu laufen.

An mehreren deutschen Flughäfen messen an diesem Sonntagmorgen der Lufthansa-Konzern und die Kabinengewerkschaft Ufo ihre Kräfte. Die Arbeitnehmervertreter haben die Flugbegleiter der Lufthansa-Töchter Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und SunExpress aufgerufen, ab 5.00 Uhr sämtliche Starts zu bestreiken. Kurz nach Beginn des Ausstands verlängerte die Gewerkschaft die Arbeitsniederlegungen bis Mitternacht. Ursprünglich sollte der Dienst ab 11.00 Uhr wieder aufgenommen werden. Am Vormittag meldeten die Flughäfen Düsseldorf, München und Hamburg erste Flugausfälle.

Das Unternehmen hatte zunächst angekündigt, während des sechsstündigen Ausstands sämtliche Flugzeuge wie geplant in die Luft bringen zu wollen. Eurowings forderte seine Gäste auf, sich über die Flüge im Internet zu informieren.

Die Warnstreiks bei den Lufthansa-Töchtern waren erst am Freitagnachmittag angekündigt worden. Wenig später hatte die Gewerkschaft Ufo, die schon seit Montag angekündigten Ausstände bei der Konzernmutter Lufthansa wieder abgeblasen. Der Konzern hatte sich kurzfristig bereiterklärt, 2,0 Prozent mehr Gehalt zu zahlen - gefordert hatte Ufo nur 1,8 Prozent. Unmittelbar danach schob Ufo weitere Tarifforderungen nach, die Lufthansa in einem Brief umgehend ablehnte. Die Arbeitgeberseite betonte darin zudem, dass die Erhöhung von 2,0 Prozent keine Erfüllung der Tarifforderung, sondern freiwillig sei.

Ufo hat zu Urabstimmungen aufgerufen

Darauf reagierte Ufo am Samstag mit einer erneuten Drohung, auch die Muttergesellschaft wieder zu bestreiken. "Streiks bei Lufthansa sind wieder jederzeit möglich, auch vor Abschluss der gestern gestarteten Urabstimmung", erklärte der stellvertretende Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr in der Mitteilung. Die Lufthansa bestätigte die Existenz des Schreibens, in dem der Arbeitgeberverband Luftverkehr der Gewerkschaft am Freitag mitteilte: "Auf Grund Ihrer mangelnden Abschlussfähigkeit sind auch weiterhin keine Gespräche mit Ihnen möglich."

Ufo hat seine Mitglieder in sämtlichen Lufthansa-Fluggesellschaften zu Urabstimmungen über unbefristete Streiks aufgerufen, die bis zum 1. November laufen sollen. Für sämtliche Betriebe gibt es unterschiedliche Forderungen.

Hinter dem Arbeitskampf steht ein tiefes Zerwürfnis zwischen Ufo und dem Lufthansa-Konzern. Das Unternehmen erkennt den Ufo-Vorstand nach erheblichen Führungsquerelen nicht mehr als vertretungsberechtigt an und will der Gewerkschaft gerichtlich die Tariffähigkeit absprechen lassen. Der langjährige Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies wurde sogar aus dem Lufthansa-Dienst entlassen.

Warnung vor Liste über Krankmeldungen

Die Ufo-Streiks bewertet Lufthansa in dieser Logik als rechtswidrig und hat Teilnehmern mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Ufo hat das Unternehmen davor gewarnt, für die Streikzeit Listen über Krankmeldungen zu führen, weil dies gegen den Datenschutz verstoße und strafbar sei. Ihren Mitgliedern rät die Gewerkschaft, bereits ab dem ersten Tag der Erkrankung ein ärztliches Attest bereitzuhalten.

In der Vergangenheit hatte Lufthansa bei Streikdrohungen der Piloten oder Flugbegleiter von sich aus viele Flüge abgesagt und einen Not-Flugplan erstellt. Zum eigentlich angekündigten Streik musste es dann wegen der Flugstreichungen gar nicht mehr kommen. Die Lufthansa-Flugbegleiter hatten zuletzt im November 2015 gestreikt.

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Quelle: n-tv.de, jki/dpa

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