Machtkampf um GeldhausUnicredit legt freiwilliges Angebot für Commerzbank vor

Der Übernahmekampf um die Commerzbank währt schon seit mehr als einem Jahr. Die Unicredit ist bereits mit fast 30 Prozent der größte Investor. Jetzt legt das italienische Geldhaus ein offizielles Angebot vor und formuliert ein klares Ziel.
Die italienische Großbank Unicredit hat ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Die Besitzer von Aktien des deutschen Geldhauses sollen pro Wertpapier 0,485 neue Unicredit-Papiere erhalten, teilte die italienische Bank mit. Dies würde einem Preis von 30,8 Euro pro Commerzbank-Aktie entsprechen. Über die hierfür notwendige Kapitalerhöhung solle bis zum 4. Mai 2026 in einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden werden.
"Das Angebot zielt darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden und in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern", teilte die Unicredit weiter mit. Eine Kontrollmehrheit werde nicht angestrebt und auch nicht erwartet.
Es gehe lediglich darum, nicht dauernd darauf achten zu müssen, unter der 30-Prozent-Schwelle zu bleiben, ab der ein Pflichtangebot unterbreitet werden muss, und auch freier am Markt agieren zu können, so die Großbank aus Italien. Sie kontrolliert nach eigenen Angaben direkt oder über Termingeschäfte bislang 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Die Unicredit buhlt seit Herbst 2024 um die Commerzbank und verspricht sich von einem Zusammenschluss Vorteile im deutschen Markt mit Privat- und Mittelstandskunden. Das Management des deutschen Instituts sträubt sich gegen eine Übernahme. Bei der Bundesregierung, dem zweitgrößten Commerzbank-Aktionär, stößt das Vorhaben ebenfalls auf Ablehnung.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein reagierte zurückhaltend auf das Übernahmeangebot der italienischen Bank Unicredit für die Commerzbank. "Wir werden die neue Situation ergebnisoffen und verantwortungsvoll prüfen und bewerten", teilte der CDU-Politiker mit. "Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht geschwächt wird", fügte er hinzu. Außerdem müssten in allen Gesprächen die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden der Commerzbank, ein wichtiger Finanzierer des Mittelstands, "angemessen berücksichtigt" werden, betonte Rhein.