Milliarden-Fusion steht bevorUnilever drückt Lebensmittelsparte an US-Konzern ab

Viele Marken, ein Konzern: Die Lebensmittelsparte von Unilever soll mit dem US-Gewürzhersteller McCormick fusionieren. Knorr, Hellmann's Mayonnaise und Cholula-Sauce befinden sich damit künftig unter einem Dach. Es geht um eine höhere Profitabilität.
Knorr, Hellmann's Mayonnaise und Cholula-Sauce: Sie gehören künftig zu einem 65 Milliarden Dollar schweren Branchenriesen der Lebensmittelindustrie. Der Konsumgüterkonzern Unilever spaltet sein Lebensmittelgeschäft ab und fusioniert dieses mit dem US-Gewürzherstelller McCormick.
Beide Seiten hätten sich auf eine Transaktion geeinigt, teilten sie mit. Durch die Fusion entstehe ein "globales Kraftzentrum für Geschmack". Der britische Konzern selbst wird damit zu einem reinen Anbieter von Haushalts- und Körperpflegeprodukten. Der Vereinbarung zufolge erhalten Unilever und seine Aktionäre rund 16 Milliarden Dollar in bar sowie eine Beteiligung von 65 Prozent an dem neuen fusionierten Unternehmen. Die Unilever-Lebensmittelsparte wird in der Transaktion mit rund 45 Milliarden Dollar bewertet.
Die Fusion soll als sogenannter "Reverse Morris Trust" strukturiert werden. Dieses Verfahren erlaubt, Steuern zu vermeiden. Unilever spaltet dabei zunächst seine Lebensmittelsparte ab, die Aktionäre behalten aber ihre Anteile an dem abgespaltenen Tochterunternehmen. Anschließend fusioniert dieses mit dem für seine Cholula-Saucen bekannten US-Unternehmen. Auf diese Weise halten die Anteilseigner von Unilever auch künftig die Mehrheit am fusionierten Unternehmen.
Unilevers Lebensmittelsparte hat im vergangenen Jahr rund ein Viertel des Umsatzes des gesamten Konzerns erwirtschaftet. Das entspricht rund 13 Milliarden Euro. Allein in Europa arbeiten einem Insider zufolge knapp 5000 Menschen für die Sparte. Das neue Unternehmen wird weiterhin McCormick heißen und von dessen Management geführt werden. Der Abschluss der Transaktion wird für Mitte 2027 erwartet, wenn Behörden und McCormick-Aktionäre zustimmen. Die Konzerne erwarten jährliche Kosteneinsparungen von rund 600 Millionen Dollar.
Für Unilever geht es um die Profitabilität
"Für Unilever ist diese Transaktion ein weiterer entscheidender Schritt, um unser Portfolio zu schärfen und unsere Strategie auf wachstumsstarke Kategorien auszurichten", sagte Unilever-Chef Fernando Fernandez. Für den seit März 2025 amtierenden Unilever-Chef soll die Transaktion ein Befreiungsschlag werden. Denn obwohl die Lebensmittelsparte hohe Margen abwirft, hinkt ihr Umsatzwachstum hinter dem der Sparten für Körperpflege und Kosmetik zurück. Dies belastet das Ziel des Konzerns, den Gesamtumsatz um vier bis sechs Prozent zu steigern.
Unilever steht seit Jahren unter dem Druck von Investoren, sich von Lebensmittelmarken zu trennen. Dieser Druck nahm zu, nachdem 2022 bekannt wurde, dass der aktivistische Investor Nelson Peltz eine Beteiligung an dem Unternehmen aufgebaut hatte. Im vergangenen Jahr hatte Fernandez bereits die milliardenschwere Eiscreme-Sparte mit Marken wie Ben & Jerry's und Magnum abgespalten. In den Bereichen Schönheit und Körperpflege verfügt Unilever über Marken wie Axe, Rexona und Dove, die unter anderem mit Produkten von Henkel oder Beiersdorf konkurrieren.
Das Geschäft mit verarbeiteten Lebensmitteln steht dagegen unter Druck. Politiker warnen vor gesundheitlichen Risiken, zudem dämpft die wachsende Beliebtheit von Abnehmspritzen den Appetit vieler Verbraucher. Unilever trennt sich zudem von seinen Wurzeln, die bis 1860 zurückreichen. Denn die Firma geht auch auf eine Familie in den Niederlanden zurück, die im Handel mit Butter groß wurde. Der Konzern entstand dann 1929 aus der Fusion der Margarine Unie mit den Lever Brothers - schon damals eine der größten Transaktionen in Europa.