Wirtschaft

Spitzelaffäre im Kirchenstaat Vatikan bootet Wirtschaftsprüfer aus

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Im April 2016 erhielt Libero Milone noch Privataudienzen bei Papst Franziskus.

(Foto: REUTERS)

Im Juni tritt überraschend der oberste Wirtschaftsprüfer des Vatikans zurück. Ihm sei "mit Verhaftung gedroht" worden, erklärt er nun in einem Interview. Weil er ranghohe Würdenträger bespitzelt habe, entgegnet der sonst so schweigsame Vatikan.

Der Vatikan hat seinen obersten Wirtschaftsprüfer Libero Milone, der im Juni überraschend zurückgetreten war, nach eigenen Angaben aus dem Amt gedrängt, weil dieser ranghohe Würdenträger im Kirchenstaat bespitzelt habe. Milones Büro habe auf eine externe Firma zurückgegriffen, um das Privatleben der Betreffenden auszuspionieren, erklärte der Vatikan. Milone sei damit konfrontiert worden und habe akzeptiert, seien Rücktritt zu erklären.

Der Vatikan reagierte mit dieser ungewöhnlichen Erklärung auf ein wenige Stunden zuvor veröffentlichtes Interview Milones mit vier Medien, darunter der Zeitung "Corriere della Sera". Darin sagte Milone, er sei "nicht freiwillig zurückgetreten". Ihm sei "mit Verhaftung gedroht" worden. Dass der Vatikan öffentlich Stellung zu internen Angelegenheiten bezieht, kommt äußerst selten vor.

Milone war der erste Generalkontrolleur im Vatikan. Mit dem 2015 geschaffenen Posten wollte Papst Franziskus die Finanzverwaltung der Kurie nach einer Reihe von Skandalen einer strikteren Prüfung unterwerfen. Der Generalkontrolleur sollte gemeinsam mit dem australischen Kardinal George Pell und dem deutschen Kardinal Reinhard Marx das System modernisieren.

Der Laie Milone hatte den Großteil seiner Karriere bei der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte & Touche verbracht. Er spielte auch eine zentrale Rolle in der "Vatileaks"-Affäre. Von seinem Computer wurden im November 2015 vertrauliche Dokumente gestohlen, die Aufschluss über mögliche Misswirtschaft in der Kurie gaben. In dem Fall wurde ein spanischer Prälat verurteilt, der die Informationen an Journalisten weitergegeben haben soll.

Quelle: ntv.de, chr/AFP